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Alles was sich außerhalb der atheistischen Ideologie der Partei befindet, wird von ihr automatisch als schädlich, kapitalistisch, gefährlich und geisteskrank hingestellt. Denken Sie mal an die Geschichte zurück, und ich glaube Sie werden nichts ausserhalb der KP finden das von ihr zu bestimmten Zeiten nicht verleumdet wurde. Ich finde in dem Punkt ist die KP selbst wie eine Sekte, sie verherrlicht nur sich selbst, und verteufelt alles andere. Was den Begriff „Aberglauben" angeht (im Chinesischen „Mi Xin", wörtlich: fester, starker Glaube) so bezeichnete er während der Kulturrevolution in China jegliche mit marxistischem Materialismus nicht kompatible Anschauung; die dann eben als „dem Kapitalismus der alten Gesellschaft dienender Aberglauben" bezeichnet wurde. Als die Verfolgung von Falun Gong begann, kannte im Westen niemand Falun Gong. Die einzige Informationsquelle war die Kommunistische Partei. Wenn die KP sagt, das sie Falun Gong vernichten will weil es eine böse Sekte sei, so wird Falun Gong wohl auch eine böse Sekte sein. Und so wurde dieses Wort "Sekte" übernommen, ohne das sich irgendjemand näher mit den Hintergründen beschäftigte. Lutz Lemhöfer, Sektenbeauftragter, Bistum Limburg „Man kann diese Falun Gong-Übungen auch für sich alleine im stillen Kämmerlein vollziehen, und von einer Sekte spricht man eigentlich dann, wenn es eine sehr stark gegen die Außenwelt abgegrenzte Gruppe ist. Es ist sicherlich eine sehr entschiedene Gemeinschaft derjenigen, die den innersten Kern bilden, die auch ihre Lebensführung ganz danach ausrichten, aber das Wort Sekte mit den Konnotationen von Druck, Ausbeutung und so, daran denkt man ja meistens, wenn man den Begriff hört, würde ich so nicht verwenden“ (SWR 3, Landesschau Rheinland-Pfalz, 20. Juli 2000) Ulrich Dehn, Beauftragter für Weltanschauungsfragen, EKD Berlin Von einer Sekte – wie es in manchen Medien hieß – dürfte man nicht sprechen. „Es gibt kein restriktives Gruppenverhalten, keine starke Fixierung auf einer Führergestalt und keine Erschwernisse beim Verlassen der Gruppe.“ Massive Missionierungsversuche sind ebenfalls nicht bekannt, statt dessen gelingt die Ausbreitung der Lehre über Flüsterpropaganda und das umfassende Internet–Angebot. Kostenlos kann man sich etwa das grundlegende Werk Lis herunterladen. Dehn korrigiert auch andere Aspekte der öffentlichen Berichterstattung. So war gemeldet worden, Li trete als Heiler auf und lehre, daß Falun Gong den Alterungsprozeß aufhalte. „Derartige Passagen in seinen Schriften haben einen metaphorischen Sinn und lehnen sich an Aussagen des Taoismus an“, erläutert Dehn. Allerdings sollen die Bewegungsübungen die körperliche Fitneß verbessern und das Wohlbefinden steigern. Außerdem würden die Anhänger nicht auf eine asketische Lebensweise verpflichtet. Sie sollten auf Alkoholkonsum verzichten und sich auf „legitimen Sex“ – im Rahmen der Ehe – beschränken. Doch das fordern andere Glaubensgemeinschaften auch. (Auszug aus der Stuttgarter Zeitung, 26. Juli 1999) Mark Palmer, Vizechef vom „FREEDOM HOUSE“, “Falun Gong eine Sekte zu nennen, ist absolut lächerlich. Es ist eine Bewegung, die tief in der chinesischen Tradition verwurzelt ist und die besten Werte Chinas verkörpert, eine gymnastische Bewegung, eine Bewegung für gute Gesundheit und einen guten Geist. Sie eine Sekte zu nennen, bedeutet wirklich, dass man einfach nur beschimpft“. 16.08.2002 Zürcher Oberländer / Anzeiger von Uster Spirituelles Entwicklungsland Greifenseer Sektenspezialist zu Falun Gong AvU: Herr Schmid, ist Falun Gong eine Sekte? Georg Schmid: Falun Gong ist eine - innerhalb der buddhistisch-taoistischen Tradition gesehen - normale, aber sehr folgenreiche Meditationsbewegung mit einer Tai-Chi-Grundstruktur, in der äussere Bewegungen verbunden werden mit einer inneren Wandlung. Falun Gong hat eine starke Meister-Konzentration. Aus der Sicht der chinesischen oder japanischen Tradition ist dies normal, aber bei uns im Westen wirkt diese Bindung sektenhaft. Aber: Falun-Gong-Praktizierende missionieren nicht, die Organisation ist relativ lose. In ihrer Gruppenstruktur ist die Falun-Gong-Bewegung nicht sektenhaft. Auch findet keine Abgrenzung und keine Verteufelung gegenüber der westlichen Welt statt. Falun- Gong-Anhänger vertragen Kritik und sind nicht fanatisch. In all diesen Punkten kann Falun Gong nicht als Sekte bezeichnet werden. Gerade in China werden die Falun-Gong- Praktizierenden verfolgt, und bei uns findet die Bewegung immer mehr Anhänger. In der Auseinandersetzung mit China stehen wir klar auf der Seite von Falun Gong. Der Westen ist ein spirituelles Entwicklungsland. Der Osten kann hier Entwicklungshilfe leisten. Die Verbreitung fernöstlicher Religions- und Meditationspraktiken fand bei uns schon im 19. und 20. Jahrhundert statt mit der Begeisterung für Buddhismus und für Yoga. Warum suchen so viele Europäer ihre spirituellen Erfahrungen nicht mehr beim christlichen Glauben? Unsere Autoritäten wirken für viele nicht mehr glaubwürdig. Die Erfahrung mit Nazi- und Hitler-Deutschland hat in Europa grosse Ängste ausgelöst. Bei uns herrscht daher ein Manko an Führerpersönlichkeiten. Meister Li's Worte klingen weniger belastet. Das Fremde ist nicht belastet. Interessanterweise sind dafür in China christliche Gruppen sehr aktiv. Man kann sagen, der Osten wird christlicher und der Westen östlicher. Zuerst wurde Falun Gong in China ja gefördert. Warum der Sinneswandel der Chinesen? Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden in China spirituelle Bewegungen wie Falun Gong gefördert. Das gilt auch für die christlichen Gruppierungen. Man dachte, damit die Leute eher «bei der Stange» halten zu können. Allerdings befinden sich die Kommunisten in einer schwierigen Situation im Umgang mit Religion. Irgendwann bekam die Regierung in China das Gefühl, Falun Gong sei gegen Peking. Als sich Meister Li dann in die USA abgesetzt hat, fühlte man sich in Peking bestätigt. Dazu kam, dass viele Parteileute Falun Gong praktizierten. Es entstand bei der Regierung der Eindruck, dass die Bewegung politisch motiviert sei. Interview: Bettina Sticher Greifenseer Sektenspezialist Zürcher Oberländer / Anzeiger von Uster
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