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Kanadischer Aktivist verteidigt Behauptungen über Tötungen in China


ABC Talkshow über die  Anschuldigungen bezüglich der Vernichtungslager und den Organraub an Falun Gong Praktizierenden.

Die Sendung können Sie sich auf der ABC Webseite ansehen.

Im folgenden finden Sie die deutsche Übersetzung als Text:


TONY JONES: David Kilgour war 26 Jahre lang Mitglied des kanadischen Parlaments, bis zum Januar dieses Jahres. Während dieser Zeit bekleidete er viele Positionen, so auch die Position des Staatssekretärs für den Asien- und Pazifikraum in den Jahren 2002 und 2003. Bevor er ins Parlament ging, praktizierte Herr Kilgour als Anwalt, er arbeitete als Staatsanwalt in Manitoba. Herr Kilgour wird uns nun von unserem Studio in Canberra zugeschaltet. Wir danken Ihnen, dass sie gekommen sind.   

DAVID KILGOUR, EHEMALIGES KANADISCHES PARLAMENTSMITGLIED: Ich freue mich hier zu sein, Tony. Kann ich zum dem, was Tony eben erwähnte, etwas sagen?

TONY JONES: Ich werde ihnen die Gelegenheit dazu geben. Ich wollte ihnen nur sagen, nachdem ich ihren Bericht genau durchlas, scheint es mir so, dass es hier nur zwei Möglichkeiten gibt. Die eine ist, dass sie eine neue Form des Bösen aufgedeckt haben, die wir bis jetzt noch nicht gekannt haben, und die andere ist, dass sie auf einen unglaublich ausgeklügelten Betrug hereingefallen sind, welcher die „Hitler-Tagebücher“ im Vergleich dazu simpel erscheinen ließe. Wie sollen wir herausfinden, was davon richtig ist, denn nachdem ich ihren Bericht gelesen hatte, bin ich mir darüber völlig unsicher.

DAVID KILGOUR: Ich bin überrascht weil so gut wie jeder in Europa der ihn gelesen hat, von Brüssel über Berlin nach Paris und London und mit denen ich gesprochen habe, ist überzeugt davon, dass jeder vernünftige Mensch, der diesen Bericht liest, von seiner Richtigkeit ausgeht . Wie sie wissen, haben wir 18 verschiedene Arten von Beweisen angegeben. Das am Meisten Überzeugendste ist, wie sie wissen, dass die Leute in diesen Einrichtungen uns im Wesentlichen erzählen, dass sie Falun Gong- Gefangene haben, die sie bereitstehen haben und die für Transplantationen verfügbar seien und wir geben Webseiten in China an, die bekannt geben, dass man bei ihnen innerhalb einer Woche Organtransplantationen bekommen könne. So war ich zum Beispiel heute ... Chen Yang, eine Bürgerin von Canberra erzählte uns wie schrecklich sie behandelt wurde während sie im Zwangsarbeitslager war, aber nur die Falun Gong Gefangenen wurden sorgfältig medizinisch untersucht, mit Bluttests und ihren Computer-gestützten Bluttransplantationen. Von den 18 Arten Beweisen, die wir untersucht haben, ist dieser Fall einfach überwältigend. So schrecklich es auch ist, dies geschieht in vielen Gegenden Chinas in großem Ausmaß.

TONY JONES: es gibt Beweise von Leuten, die gefangen waren und die jetzt frei sind, dass sie sahen, wie andere Falun Gong Praktizierende im Gefängnis ausgedehnten medizinischen Tests unterzogen wurden und das ist ein erhärtender Beweis für das, was sie gesagt haben, richtig?

DAVID KILGOUR: Ja, aber mein Kollege, der übrigens hier mit mir aus Europa, dem europäischen Parlament, McMillan Scott, Edward McMillan Scott - Vize-Präsident des europäischen Parlaments, nebenbei erwähnt: er war vor kurzem in China, wie sie wissen, und jemand, den er dort traf erzählte ihm, dass er seinen besten Freund mit entfernten Organen gesehen hätte. Dieser Mann ist verschwunden und deshalb ist  McMillan Scott jetzt hier mit mir in Australien, weil er so betroffen darüber ist, dass dies einem Menschen passieren konnte, der mit einem Parlamentsmitglied, der auf Besuch war, gesprochen hat.   

TONY JONES: In Ordnung. Es ist sehr wichtig. Lassen sie uns direkt zur Untersuchung der Beweise übergehen, einschließlich der Beweise über die Telefonanrufe, die sie gerade eben angeführt haben. Sie haben in ihrem Report eine Reihe von Transkripten von Telefonaten mit verschiedenen leitenden Ärzten, Krankenhäusern und medizinischen Angestellten in verschiedenen Teilen Chinas aufgeführt. Eine nicht genannte Person, die sie M. nennen, hat heimlich all diese Anrufe mitgeschnitten, zumindest einen Teil davon. Also die Leute am anderen Ende der Leitung scheinen die schlichten Gegebenheiten der Einzelheiten der Behauptungen zu stützen, dass politische Gefangene als eine Art lebendige Organbank von gesunden Spendern für kranke Leute mit genug Geld für Transplantationen gehalten werden. Sagen sie uns, warum sie diesen Aufzeichnungen Glauben schenken, warum sind diese entscheidenden Aufzeichnungen nicht gestellt?

DAVID KILGOUR: Nun ja, ich habe die Leute angehört. Ich spreche kein Mandarin, aber ich habe die Bänder mit einem unabhängig angestellten Übersetzer angehört. Ich hatte das Transkript in Händen und er übersetzte mir den Text, den er hörte, die digitalen Aufzeichnungen, und ich hatte den Text vor mir und er unterzeichnete, dass diese Berichte korrekt sind und ich bin sehr zufrieden, dass - ich als ehemaliger Staatsanwalt sehr gründlich untersucht habe, wie dies getan wurde. Wir schauten uns diese Telefon-Aufzeichnungen an, wir schauten uns allerlei Sachen an um sicherzugehen, dass diese ordentlich und genau gemacht waren. Ich denke nicht dass es da irgendeine Grundlage welcher Art auch immer dafür gibt, um zu denken, dass es sich um einen Betrug handelt, oder um einen Versuch, irgendjemandem Sand in die Augen zu streuen?
TONY JONES: Lassen sie uns das ein wenig mehr durchgehen. Offensichtlich hat die Person die hier M. genannt wird, einen leitenden Beamten der öffentlichen Sicherheit in der Provinz Zhangxi angerufen, einen Oberarzt in Shenyang, einen leitenden Chirurgen in einem Pekinger Armeekrankenhaus, und zu jemandem, den sie niemals getroffen haben und mit dem sie offensichtlich noch nie zuvor gesprochen hatten, plaudern sie am Telefon ziemlich offen über etwas, von dem man annimmt, dass es Staatsgeheimnisse seien. Ich kann nicht verstehen warum irgendjemand das tun würde.

DAVID KILGOUR: Das ist eine gute Frage. Natürlich habe ich das auch gefragt. Sie hat eine große Anzahl von Krankenhäusern angerufen und ich verstehe, dass viele von ihnen schlau genug waren zu sagen, sie sollten dies eigentlich nicht sagen, aber ungefähr 15 Leute über das Land verteilt waren entweder eitel genug, oder töricht  oder ehrlich genug um das zuzugeben was da erhältlich ist. Und wie sie wahrscheinlich aus den Transkripten wissen, sagten sie manchmal etwas wie "Wir sollen das eigentlich nicht ansprechen", oder "das ist ein Staatsgeheimnis", oder dies oder das. Aber in ungefähr 15 Einrichtungen, die wir in dem Bericht anführen, waren die Leute dort offen genug, um etwas aus einem System auszuplaudern, das der menschliche Geist meiner Meinung nach nicht erfinden kann.

TONY JONES: Wie hat M. sich selbst in diesen Telefonanrufen vorgestellt? Das ist in dem Bericht unklar.

DAVID KILGOUR: Ich bin das mit ihr auch sehr gründlich durchgegangen. Sie stellte sich selbst als eine Person vor, die für ihre Familie ein Organ sucht und sie sprach natürlich in Mandarin. Die Person wusste nicht, dass sie anrief... von wo aus sie anrief, sie wusste nicht, dass sie aus Nordamerika anrief.   

TONY JONES: Haben sie irgendwelche Überkreuzprüfungen durchgeführt, um zu beweisen, dass die Personen, die angeblich am anderen Ende der Leitung waren, tatsächlich die Leute sind, von denen berichtet wird, dass sie an diesen Gesprächen teilnahmen. Ein Chefarzt im Pekinger Armeekrankenhaus, zum Beispiel. Jemand könnte die Nummern prüfen, sie zurückverfolgen und finden. Ist die Stimme dieselbe?   

DAVID KILGOUR: Wir haben die Nummern überprüft und in einigen Fällen wurden wir zurückgerufen- tatsächlich, in einem außergewöhnlichen Fall waren wir in der Lage durchzukommen. Nicht „wir“, sondern sie waren in der Lage durchzustellen bis zum Verbrennungsofen, in dem Körper eingeäschert werden und der Mann am Verbrennungsofen ließ zu, dass dies geschah. Ich meine, China ist so ein großes Land und das System ist so riesig, sie wären nicht in der Lage jedem zu sagen, "Sag kein Wort darüber." Ich bezweifele, ob im Falle dass jemand anruft, allen gesagt wurde, sie sollten nichts erzählen. Tatsächlich erzählte mir eine meiner Kolleginnen, dass sie kürzlich angerufen hatte und dass die Person sofort aufgehängt hätte, als sie sie am anderen Ende der Leitung hörte. Es wird nun nicht mehr funktionieren, ich bin ziemlich zufrieden, aber vor kurzem im Juni, Tony, wurden diese Anrufe durchgestellt und in manchen Fällen wurden diese außergewöhnlichen Zugeständnisse gemacht.

TONY JONES: Wer hat die Anrufe durchgestellt? Weil sie sagten "sie". Hatten sie Angestellte für die Untersuchung?

DAVID KILGOUR: Zwei Leute. Einen in Kanada und einen in Boston. Diese Personen taten das sehr sorgfältig. Wir haben die digitalen Aufzeichnungen. Sie sind jeder ernsthaft interessierten Person zugänglich, die sie ansehen oder anhören will.   

TONY JONES: Und sehen sich die Regierungen dieses Material an? Geht dies an den Geheimdienst, an Leute, die in der Lage wären, all diese Überprüfungen und Kreuzüberprüfungen durchzuführen, welche notwendig sind?

DAVID KILGOUR: Ich bin mehr als glücklich darüber, es den Regierungen zur Verfügung zu stellen. Wir haben an Regierungen appelliert, auch an ihre Regierung hier in Australien – das werden wir morgen –, dies sehr ernst zu nehmen. Wir sind, nebenbei erwähnt, zwei Ehrenamtliche. Wir wurden dafür nicht bezahlt. Wir haben zwei Monate damit verbracht, aber wir hätten gerne, dass die UN und Organisationen wie Amnesty International ermitteln. Wir haben vollständig mit Amnesty und Human Rights Watch kooperiert. Wir hätten gerne, dass die UN diese Sache in der Weise untersucht, wie sie Ressourcen und Personal zur Verfügung haben dies zu tun.    

TONY JONES: Da sie darauf zu sprechen gekommen sind, mit wem aus der  australischen Regierung werden sie morgen sprechen?

DAVID KILGOUR: Nun wir treffen uns mit – einige davon sind private Treffen, deshalb werde ich das besser nicht sagen. Natürlich würde ich mich gerne mit Herrn Downer treffen, Herr Downer und ich kennen uns ziemlich gut. Ich hoffe sehr, dass er die Zeit aufbringen wird, sich mit uns wegen dieses Themas zu treffen. Wir treffen uns mit Parlamentsmitgliedern der Regierung und der Opposition. Es ist zweifellos kein Parteienthema. Wir denken, dass es ein Thema der Menschenrechte ist und das Richtige für die Menschen in Australien, die für Prinzipien einstehen.  

TONY JONES: Die Australische Regierung hat eine enge Beziehung und beträchtliche Handelsbeziehungen mit China. Sind sie sicher, dass sie sie überzeugen können, dass dies schwerwiegend genug ist, um eine Untersuchung zu überdenken, oder aktiv zu werden, diese Anschuldigungen zu überprüfen?

DAVID KILGOUR: Ja, natürlich. Denkt irgendjemand in Australien, dass China aufhören wird, von Australien Erdgas zu kaufen, weil Australien sagt, dass dies sofort aufhören muss? Der Hebel, den wir haben, ist wie sie wissen, dass wir in zwei Jahren die olympischen Spiele haben werden und wenn Australien sagen wird, dass dies aufhören muss, und ich gehe davon aus - und wenn andere Regierungen dies ebenfalls tun werden, Kanada, die USA und Europa, dann denke ich werden sie aufhören. Und zumindest wird diese Praktik beendet, wenn die Spiele anfangen. Wir alle müssen darüber lauter sprechen. Wir können uns nicht einfach alle zurücklehnen und sagen, "Sie werden vielleicht unser Erdgas kaufen", das ist Unsinn.   

TONY JONES: David Kilgour, wenn die UN und unabhängige Regierungen eine Untersuchung durchführen und beweisen, dass der chinesische Staat Tausende politischer Häftlinge ermordet hat, dann würden in Peking keine olympischen Spiele stattfinden, oder?  

2. Teil
DAVID KILGOUR: Also, das ist eine sehr interessante Frage. Ich würde sagen nein, aber uns geht es vielmehr darum, dass diese Praktiken schnellstmöglich ein Ende finden.  Ich bin absolut  überzeugt davon, dass das in ganz China in großem Maßstab so gemacht wird. Es muss einfach sofort aufhören.

TONY JONES: Zurück zu den Beweisen. Sie haben  Beweise gefunden, die Ihre Erkenntnisse erhärten und die Veränderungen in den Statistiken der Transplantationen sowie ihre Informationen, die sich auf gegenwärtige Krankenhaus-Webseiten stützen, untermauern. Können Sie uns die Beweisaufnahme  kurz erklären.

DAVID KILGOUR: Es gibt eine besondere Website, die China International Website. Sie ist in sechs Sprachen zu lesen. Eines Nachts besuchte ich  sie, und im Wesentlichen wurde dort mitgeteilt, dass viszerale Spender - das sind die inneren Organe des Körpers - sofort verfügbar seien. Ich denke, ich muss Ihnen nicht erklären, dass bei den Wartezeiten in Australien, Kanada und sonstwo, wenn irgendjemand sofort eine Niere oder eine Leber zur Verfügung stellen kann, wir denken , dass er traurigerweise eine Gruppe von Menschen haben muss, von denen er die Organe entnehmen kann und es gibt keine andere Erklärung, die wir hierfür finden können. Die Zahl, auf die wir kamen, sind seit dem Jahr 2000 im Grunde 41.000 Transplantationen mit Organen unbekannter Herkunft. Das war das Jahr, in dem die Verfolgung von Falun Gong anfing.

TONY JONES: Gehen wir das einmal durch. Wenn Sie „unbekannter Herkunft" sagen, meinen Sie, dass man für die anderen Transplantationen herausfinden kann, wer die Spender waren, aber es  41.000 Transplantationen gibt, bei denen Sie nicht in der Lage sind  fest zu stellen  wer die Spender sind?

DAVID KILGOUR: Hingerichtete Häftlinge, gehirntote Patienten und gespendete Organe. Wie Sie von der chinesischen Kultur wissen, spenden Chinesen ihre Organe nicht. Es wird nur eine sehr, sehr kleine Anzahl von Organen gespendet. So kommen die ungefähr 41.000 zusammen. Wir sagen nicht, dass nun 41.000 Menschen gestorben sind, weil, wie Sie wissen, man von einem Menschen mehr als ein Organ entnehmen kann. Sie können sieben oder acht entnehmen.

TONY JONES: Sagen Sie damit, dass Tausende von Menschen gestorben sind?

DAVID KILGOUR: Ja, Tausende.

TONY JONES: Gehen wir, wenn wir das in der verbleibenden Zeit machen können, zum umstrittendsten Beweis: Die Zeugenaussage der ehemaligen Frau eines  Chirurgen, in der behauptet wird,  dass der Chirurg  mehr als 2.000 Hornhäute von den Augen lebender  oder  tatsächlich getöteter Häftlinge entnommen habe und die dann in einen Operationssaal gerollt wurden, damit er und andere Chirurgen Organe entfernen könnten.

DAVID KILGOUR: Ja, das ging ich wirklich sehr sorgfältig mit ihr durch. Es sind die Hornhäute von 2.000 Menschen. Und es geschah im Sujiatun Krankenhaus, das sie zu Beginn des Interviews nannte. Und ihr Ehemann machte das im Verlauf von zwei Jahren - glauben Sie mir, ich ging zu Herrn Wu und verbrachte viel Zeit mit ihm, aß zu Mittag mit ihm, aß zu Abend mit ihm. Wir hatten ein sehr langes Gespräch über diese Angelegenheit.

TONY JONES: Sie reden jetzt über Harry Wu, weil wir ein bisschen vom Thema abgekommen sind. Ich wollte Sie nach Harry Wu fragen. Harry Wu ist Aktivist auf diesem Gebiet, wie alle wissen. Er sagt, dass das nicht sein kann, er habe seine Ermittler in diese Gegend geschickt. Es gäbe keine riesige unterirdische Einrichtung, auf die sie sich zu beziehen scheint, wo Tausende von Menschen festgehalten worden sein könnten, kein Konzentrationslager, und er sagt, dass es dort nicht habe geschehen können.

DAVID KILGOUR: Also, alles was Harry gesagt hat - und glauben sie mir, ich bin das sehr sorgfältig mit ihm durchgegangen und habe großen Respekt vor Harry Wu - alles, wovon Harry spricht, geschah nach dem 9. März, also im Grunde, nachdem zwei einzelne Personen ausgepackt hatten. Wir reden über Sachen, die vor dem 9. März geschahen, und das ist der wesentliche Unterschied. Realität ist, dass ihr Ehemann ihr erzählte, dass er im Verlauf von zwei Jahren die Hornhäute von 2.000 Menschen entnommen hätte, - von ungefähr 2.000 Menschen -, bis er es ablehnte, es noch weiter zu machen. Es wird gesagt, dass man so viele Operationen nicht machen könne, aber wie wir herausgefunden haben, können Sie die Hornhäute der Augen einer Person  in ungefähr 20 Minuten entnehmen. Als das jemand für uns ausarbeitete, kam heraus, dass er das in ungefähr 83 Tagen erledigt haben könnte, wenn er die 83 Tage sehr hart gearbeitet hätte. Deshalb ist die Behauptung, dass er es in zwei Jahren nicht hätte machen können, nicht wahr.

TONY JONES: Sie sagt, dass er Hunderttausende von Dollars an diesen Operationen verdiente, dass die Häftlinge praktisch direkt vor die Chirurgen gerollt und mit einer tödlich wirkenden Spritze ermordet wurden.

DAVID KILGOUR: Kalium.

TONY JONES: ...Kalium, um das Herz anzuhalten, und dann wurde der Körper angeblich in andere Behandlungsräume und zu anderen Gruppen von Chirurgen gerollt, die andere Organe entnommen hätten. Ist das korrekt?

DAVID KILGOUR: Sie sagt auch, dass das, was Sie gerade sagten, anfangs so gewesen sei, aber schließlich, als die Leute abgestumpft waren, hätten sie alles im gleichen Operationssaal gemacht. Die Leute, die das Herz entnehmen, kämen in den gleichen Operationssaal und nähmen das Herz heraus, sobald die Hornhäute  und die Leber und die Nieren und so weiter entnommen worden wären.

TONY JONES: Ist die Existenz von diesem Arzt, mit dem sie angeblich verheiratet war, verifiziert? Haben Sie versucht, ihn zu treffen und herauszufinden, ob er diese Geschichte bestätigen kann? Denn im Moment ist es nur aus zweiter Hand.

DAVID KILGOUR: Das würde ich sehr gern machen, aber wie Sie sich denken können, ist er im Moment außerhalb Chinas, und ich weiß auch, in welchem Land er ist. Aber wie Sie auch wissen, hat er im Grunde am Mord von ungefähr 2.000 Menschen teilgenommen, und das ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Das ist eine schreckliche Sache und ich bin sicher, dass er befürchtet für den Fall, dass er hervortreten würde ihm seine Zuflucht in dem Land, in dem er sich gerade befindet, bestritten würde. Und seine Frau, wie Sie wissen, ist auch außerhalb des Landes - seine ehemalige Frau.

TONY JONES: Ihre Geschichte ist wie eine Art gräßliche Gothic-Horror-Erzählung, und sie geht weiter. Sie sagt, sie glaubt, dass von der örtlichen Gesundheitsbehörde angeheuerte Auftragskiller versuchten, sie und ihren Ehemann zu töten. Sie sollte bei diesem Versuch erstochen werden. Er entkam unversehrt - ihr ehemaliger Ehemann-, das heißt, er entkam unversehrt. Ab diesem Punkt, fange ich an, mich über ihre Geschichte zu wundern, weil die Logik davon wäre, dass die Gesundheitsbehörden alle Ärzte und alle Krankenschwestern und das Personal töten müssten, die an diesen Operationen beteiligt sind.

DAVID KILGOUR: Nun, Sie werden sich erinnern, dass seine Probleme begannen, nachdem er es abgelehnt hatte, weitere Operationen durchzuführen, und Sie werden sich auch erinnern, dass die SARS- Epidemie China 2003 traf und er  einer von mehreren Ärzten war, die nach Peking geschickt wurden, um dort die SARS-Epidemie zu behandeln. Und wahrscheinlich haben sie bemerkt, dass er sagte, dass er dachte, von dort nicht mehr zurückzukommen. Aber er überlebte die SARS-Epidemie und kam zurück, und dann ereigneten sich diese Sachen. Ich bin nicht - ich war nicht dort, ich bin über das, was geschah, nicht sicher, aber ich saß mit ihr für eine lange, lange Zeit zusammen und war überzeugt, dass sie alles daran setzte, die Wahrheit so zu berichten, wie sie sie wahrgenommen hatte. Und warum sollte sie sagen, dass versucht wurde, ihren Ehemann zu erstechen? Sie sagte auch, wenn sie sich daran erinnern wollen, dass ihre Mutter im Gesundheitssystem arbeitete. Und ich glaube, dass sie das über diesen Weg herausfand.

TONY JONES: Wenn es eine Möglichkeit gibt, alle diese Dinge zu untersuchen, wollen Sie vermutlich, dass ein unabhängiger Ermittler alle diese Sachen anschaut. Es wäre ganz leicht, die Schritte zu bestätigen, die Sie hier bei dieser Geschichte durchgeführt haben, weil es ja viele Leute gegeben haben muß, die davon betroffen sind. Aber, hat es denn irgendwelche Versuche seitens  der UNO oder irgendjemanden von all den Menschenrechts-Gruppen, von denen Sie geredet haben, gegeben das alles im Detail zu untersuchen - oder die US-Regierung oder ihre Beamten?

DAVID KILGOUR: Nun, ich habe mich mit dem US-Außenministerium und  Amnesty International in ihrem Hauptbüro in London und mit Human Rights Watch in New York getroffen und ich bin ziemlich erfreut darüber, dass alle drei genannten Gruppen zusammen mit anderen versuchen werden, dem auf den Grund zu gehen. Aber ohne Zweifel sollte der UNO-Berichterstatter für Folter, Manfred Novak in Wien, mitmachen. Ich arbeite auch mit ihm zusammen, deshalb bin ich optimistisch, dass diese Untersuchungen gemacht werden. In der Zwischenzeit aber muß dieser schreckliche Vorgang aufhören, und die Australier sollten sich an ihre Parlamentsmitglieder wenden und Sie und ich und andere können unser bestes tun, um sicherzustellen, dass die chinesische Regierung begreift, dass dies ein absolut unannehmbares Verhalten ist.

TONY JONES: Werden Sie mit dem australischen Premierminister darüber sprechen? Diese Vorwürfe sind so außergewöhnlich. Sie müssen auf irgendeine Weise geprüft werden, oder nicht?

DAVID KILGOUR: Ja, aber Sie wissen auch, dass ein Mann - er starb gerade vor einigen Monaten in Kanada - im Alter von 19 Jahren aus Auschwitz heraus kam und der Welt erzählte, was dort vor sich ging, ich glaube, das war 1943. Und die Welt sagte: "Das kann nicht geschehen." Und er sagte: "Es geschieht." Und niemand glaubte ihm. Wir alle wissen, was in Auschwitz geschah, das finde ich auch sehr außergewöhnlich. Aber, wie ich schon sagte, wir haben das so sorgfältig wie wir nur konnten untersucht, und wir kamen zu dem traurigen Schluss, dass es geschieht, und es geschieht in großem Maßstab und wie ich sagte, das muss aufhören.

TONY JONES: David Kilgour, wir werden Ihre Gespräche mit den australischen Politikern im Verlauf der nächsten paar Tage ganz sicher aufmerksam verfolgen und wir danken Ihnen sehr, dass sie sich die Zeit nahmen, um diese ... diese Fragen zu überprüfen, die wir Ihnen stellten und auch für die Untersuchung Ihrer Behauptungen auf in unserer Sendung.

DAVID KILGOUR: Danke dafür, mir die Zeit hierfür gegeben zu haben, Tony.


Den Untersuchungsbericht zu den Organentnahmen finden Sie hier.




       

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