Das chinesische Generalkonsulat in München ist zwar derzeit vor allem mit dem – auch gewaltsamen – Protest befasst, den das Vorgehen der chinesischen Volkspolizei gegen die Demonstranten in Tiber auch vor den Toren des Konsulats in der Romanstraße ausgelöst hat. Dennoch fand die Konsulatsspitze dieser Tage offenbar genügend Zeit, um den Münchner Konzertveranstalter Helmut Pauli und dessen Tonicale Musik & Event GmbH massiv unter Druck zu setzen, damit dieser das Gastspiel einer großen chinesischen Tanz- und Bühnenshow aus den USA im Prinzregententheater (18. und 19. April) platzen lässt. Die Schau macht auch die Unterdrückung der in China verbotenen Bewegung Falun Gong zum Thema.
„Man wollte mich zwingen, die Veranstaltung abzusagen“, sagte Pauli am Dienstag zur SZ. Die Vizekonsulin habe damit gedroht, ihm anderenfalls nie wieder ein Visum für China zu erteilen und seine Kontakte zu chinesischen Geschäftspartnern zu unterbinden. Pauli: „Das muss ich mir nicht bieten lassen, die Show findet auf jeden Fall statt, wir leben in einem freien Land.“ Es könne nicht angehen, dass ein Staat aufgrund seiner Wirtschaftsmacht jede öffentliche Meinungsäußerung verhindern wolle. Pauli organisiert die Show nur, Veranstalter ist der „Deutsche Falun Dafa Verein“.
Das Ensemble „Divine Performing Arts“, das die Show „Shen Yun Chinese Spectacular“ erstmals in der New Yorker Radio City Hall auf die Bühne brachte, besteht aus Exil-Chinesen. Sie wollen die Welt der Heldenlegenden und religiösen Geschichten sowie die klassischen chinesischen Ideale aufleben lassen und China als „Land der Gottheiten“ präsentieren. Der Protest der chinesischen Behörden richtet sich dagegen, dass in zwei Tanzszenen an die Verfolgung der Falun-Gong-Bewegung durch den chinesischen Staat erinnert wird. Deshalb übte China schon in Schweden und in der Tschechischen Republik Druck aus, um die Show zu verhindern – allerdings ohne Erfolg.
Politisch ist auch das Grußwort, das Edward McMillan-Scott, Vizepräsident des Europäischen Parlaments, für das Programmheft schrieb. Er hoffe, so der konservative Brite, dass die Kommunistische Partei Chinas in diesem Jahr „dem Druck der Welt und dem Druck aus dem Inneren Chinas nach Reform und Demokratie erliegt“. Die Show, so McMillan-Scott, erinnere an Chinas ewige Werte, die für viele Chinesen „seit Beginn des brutalen Regimes“ nicht mehr Teil ihrer Realität seien. Die Show eröffne den Menschen, dass es auch ein freies China geben könne, das sich der Menschenrechte und religiöser Freiheit erfreue. Das Generalkonsulat erklärte auf Anfrage lapidar, man lehne die Show ab, weil sie ein Produkt von Falun Gong sei.
Berthold Neff - SZ Mittwoch, 19. März 2008 (Münchener Kultur)
Radio Sendung des Bayrischen Rundfunks zu dem Vorfall