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[24.10.2007]
Ausbeutung der Falun Gong in China zwecks Organentnahme

(aus "Swiss Transplant" Ausgaben 40 und 41 - 2007)


In einer Szene des Films « Der Sinn des Lebens » der britischen Komikertruppe Monty Python wird einem eingetragenen Organspender auf seinem Küchentisch kurzerhand mit allerlei Spengler und Schlosserwerkzeug die Leber entfernt. Auf das Argument des völlig entgeisterten Opfers, die Einwilligung zur Organspende gelte doch nur im Todesfall, erwidern die vermeintlichen Ärzte : «Kein Problem, es hat noch nie jemand überlebt, dem wir die Leber entfernt haben .»

Was in diesem Kontext komisch anmutet und für einen Lacher gut ist, soll gemäss verschiedenen Quellen in China Realität sein. So ist davon auszugehen, dass der Behauptung, Praktizierende der Falun Gong würden zwecks Organentnahmen verfolgt, mit Sicherheit etwas Wahres anhaftet. - Falun Gong ist eine am Buddhismus orientierte religiöse Bewegung in China, die seit 1999 von der Regierung verboten ist und verfolgt wird. Den Gefangenen der Falun Gong - so lautet der Vorwurf - werden gemäss dem zweiten offiziellen Bericht der CIPFG ( Coalition to Investigate the Persecution of Falun Gong ) gezielt und ohne Verfahren Organe für Transplantationen entnommen. Die Opfer sterben während der Organentnahme oder werden ermordet und anschliessend verbrannt.

Dass solche Praktiken aus ethischer Sicht in jedem Fall verwerfl ich sind, steht ausser Zweifel. Keine halbwegs vernünftige Moral kann derartige Machenschaften irgendwie rechtfertigen. Denn damit wird - und das dürfte in diesem Kontext von Interesse sein - der Sinn und Zweck der Transplantationsmedizin auf makaberste Weise unterminiert. Werden hier doch gesunde Menschen für die Gesundheit anderer Menschen ausgebeutet.

Diese Ausbeutung der Falun Gong steht unter anderem in Zusammenhang mit Chinas Problemen bei der Finanzierung des Gesundheitswesens. So werden beispielsweise die Spitäler kaum durch staatliche Gelder subventioniert, was unter anderem zur Folge hat, dass Chinas Spitäler versuchen, auf anderen Wegen genügend grosse Umsätze zu generieren, um ihr Überleben zu sichern. Darüber hinaus sind viele Transplantationszentren in China durch militärische Gelder finanzierte Institutionen, was mithin erklärt, wie die Verbindung zwischen Gefangenen und Spitälern zustande kommen kann.

(...)

Dass China im vergangenen Jahrzehnt trotz der rigorosen Herrschaft von Staat und Partei enorme Fortschritte in Handel, Bankenwesen, Architektur und anderen Sparten eines modernen Staates erzielt hat, ist nachgerade eine Binsenwahrheit. Auch die Medizin und mit ihr das Transplantationswesen hat diese Entwicklung mitgemacht. Nach Massstäben hochzivilisierter Länder wären in China - dem bevölkerungsreichsten Land der Erde - enorme Zahlen von Transplantationen zu verzeichnen; genaue Zahlen fehlen aber (siehe Nachsatz ), von genauen Resultaten ganz zu schweigen. Aber weniger die Transplantationsresultate als vielmehr die Herkunft der vielen Organe gibt international Anlass zu Fragen und Zweifeln. Die benötigten Organe werden nämlich zum Teil von Hingerichteten entnommen, was westliche Kenner der Szene schon vor vielen Jahren behauptet hatten, aber noch vor wenigen Jahren von den staatlichen Stellen vehement bestritten worden ist. Nun hat Mitte November 2006 der stellvertretende chinesische Gesundheitsminister Huang Jiefu an einer Chirurgenkonferenz in Guangzhou jedoch öffentlich zugegeben, dass in der Tat von exekutierten Gefangenen Organe zu Transplantationszwecken entnommen werden. Die drei nachfolgenden Ausschnitte aus kürzlich erschienenen Artikeln in Zeitungen und Zeitschriften illustrieren und kommentieren diese und noch weitere barbarische Sitten.

Dr. med. Torsten Trey, in : Schweizerische Ärztezeitung 2007, 88, 141-12
Nach Aussagen von drei unabhängigen Zeugen existieren in China geheime Gefangenenlager, in denen die Inhaftierten systematisch in einer Art Organdatenbank registriert werden. Das Spender-Empfänger-Verhältnis wird umgekehrt: Die Organspender werden bereitgestellt, bevor ein potentieller Empfänger nach einem Organ fragt. Dem passend getesteten Insassen wird das gesuchte Organ entnommen, und er wird getötet. Auf Webseiten von verschiedenen chinesischen Transplantationszentren wird damit geworben, dass eine passende Spenderniere innerhalb von ein bis zwei Wochen gefunden werden kann ; eine Leber- oder Herztransplantation kann auf Bestellung innerhalb von zwei bis drei Wochen durchgeführt werden. Während eines Kongresses in Boston im Juli 2006 hatte Dr. Gao Wei aus Tianjin geäussert, dass man in seinem Krankenhaus pro Jahr 2000 Lebertransplantationen durchführe. In China, wo traditionellerweise kaum Organe gespendet werden, wirft das die Frage auf, woher die Spenderorgane stammen. Wie erst kürzlich eingeräumt, stammen die meisten Organe von exekutierten Häftlingen. Jedoch ist die geschätzte Zahl von Exekutionen weit geringer als die Anzahl der durchgeführten Transplantationen. Die Antwort auf die ungeklärte Diskrepanz scheint in diesen geheimen Gefangenenlagern zu liegen. Das mag auch erklären, warum die Anzahl der Transplantationen in den vergangenen fünf Jahren in China exponentiell angestiegen ist, bei vergleichsweise stagnierenden Exekutionszahlen. Mit 70000 Euro für eine Spenderniere hat sich die lebende Organbank auch zu einem lukrativen Geschäft für Transplantationschirurgen in China entwickelt.

Erich Bachmann, in : Zürcher ÄrzteZeitung, 2006, Nr. 5, 31-32
Laut einem AP-Bericht zitierte die Tageszeitung «China » den chinesischen Vizegesundheitsminister Huang Jiefu mit den Worten, Hingerichteten würden regelmässig Organe zu Transplantationszwecken entnommen. Dies geschehe aber nur mit dem Einverständnis der Häftlinge oder deren Familien. Solchen Aussagen stehen jedoch gegenteilige Zeugenaussagen hoher Militärs und detaillierte Aussagen unabhängiger Untersuchungen gegenüber. Ein langjähriger Militärarzt aus Shenyang, Provinz Liaoning im Nordosten Chinas, berichtete im Mai 2006 von mehr als 60 000 Dokumenten, zu denen er damals Zugang hatte. Jedes Dokument war die Zustimmung zu einer freiwilligen Organtransplantation, manche sogar speziell für eine Herztransplantation. Er sagte, alle Dokumente tragen gefälschte Unterschriften. Bei nicht erfolgreich verlaufenen Transplantationen müssen die Dokumente über die Organherkunft sowie der Leichnam innerhalb von 72 Stunden verbrannt werden. Die Verbrennung müsse durch die Militärverwaltung bestätigt werden. Der ehemalige kanadische Parlamentsabgeordnete und Staatssekretär für Asien und den Pazifikraum, David Kilgour, und der auf internationalem Parkett erfahrene und anerkannte Menschenrechtsanwalt David Matas bestätigten in einem am 6. Juli veröffentlichten Untersuchungbericht die massive und fortgesetzte Ermordung von Menschen zum Zweck der Organentnahme für Transplantationszwecke in China.




       

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