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[23.06.2005]
Ich denke, dass man Falun Gong-Praktizierende nicht als Kriminelle betrachten darf.

In einem umfangreichen interview berichte ein chinesischer Überläufer der "Geheimen Streitmacht".


Ich denke, dass die Verfolgung von Falun Gong auch außerhalb von China existiert. Zum Beispiel sagen sie den dortigen chinesischen Gemeinschaften, dass sie nicht Falun Gong-Praktizierende einstellen oder ihnen Arbeit geben sollen. So etwas passiert wirklich. Ursprünglich beschäftigte sich das Büro 610 nur mit Falun Gong, aber seit dem April 2004 hat die Regierung die Aufgaben des Büros 610 auf andere religiöse Gruppen, die von der KPC als „böse Kulte“ gebrandmarkt wurden, ausgedehnt. Neben Falun Gong gibt es 14 weitere religiöse Gruppen und 14 andere „schädliche“ Qigong-Organisationen. Die chinesische Regierung wendet im Umgang mit diesen 14 als böse Kulte gebrandmarkten Gruppen und den 14 anderen Gruppen dieselben Methoden an.

Frage: Die KPC hat viele Gruppen mit dem Begriff „böser Kult“ belegt.
Antwort: Es gibt in China keine klare Definition dafür, was ein „böser Kult“ ist. Eigentlich gibt es kein einziges Dokument, aus dem hervorgeht, was ein „böser Kult“ ist. Ich verstehe das so, dass die Kommunistische Partei alle Menschen, die sie nicht leiden kann, als „bösen Kult“ bezeichnet. Also nur wenn man loyal ist oder auf das hört, was die KPC sagt, dann wird man als eine gute Organisation eingestuft. Wenn man nicht auf die Partei hört, dann wird man „böser Kult“ genannt.

Frage: Meinen Sie, dass Falun Gong noch härter behandelt wird als andere Gruppen?
Antwort: Ich denke, dass die Regierung Falun Gong härter als die anderen Gruppen verfolgt. Allein wegen Falun Gong hat die Regierung 300 Paragraphen in der Strafgesetzgebung geschaffen. Bei anderen religiösen Gruppen ist es nicht unbedingt so, dass die Mitglieder verhaftet und eingesperrt werden, wenn die Polizei sie entdeckt. Aber Falun Gong-Praktizierende werden umgehend verhaftet, sobald die Polizei sie sieht. Man versucht die Praktizierenden „umzuerziehen“ und solange das nicht gelingt, werden sie nicht freigelassen. Der Umgang mit den Falun Gong-Praktizierenden sieht folgendermaßen aus: zuerst werden sie in ein Gehirnwäschezentrum gebracht. Wenn sie durch die Gehirnwäsche nicht „umerzogen“ werden können, dann schickt man sie in ein Zwangsarbeitslager. In dem Arbeitslager werden sie längstens drei Jahre festgehalten. Wenn sie danach immer noch nicht „umerzogen“ sind, dann schickt man sie wieder in das Gehirnwäschezentrum und danach, falls immer noch nicht „umerzogen“, zum zweiten Mal in das Zwangsarbeitslager.

Frage: Können Sie beschreiben, was das Büro 610 ist und welche Rolle Sie darin gespielt haben?

Antwort: Das Büro 610 wurde von höchster Stelle gegründet, die von Luo Gan geleitet wird, einem Mitglied des Politbüros. In jeder Provinz und in jeder Gemeinde ist ein Büro 610 im Büro für Öffentliche Sicherheit, ebenso wie auf fast jeder Regierungs-Ebene. Seine Hauptaufgabe ist die Sache mit Falun Gong oder die Verfolgung von Falun Gong und auch von anderen Organisationen, die von der KP Chinas zur Sekte erklärt wurden.

Frage: Warum war Ihrer Meinung nach das Niederschlagen von Falun Gong so viel nachdrücklicher als das anderer Gruppen, die in das Visier der KP Chinas gerieten?
Antwort: Ich glaube wirklich, der Grund ist die Anzahl der Praktizierenden. Im Jahr 1999 war ich noch bei der Polizei. Jiang Zemin pflegte seinerzeit zu sagen, wenn er eine Armee mobilisieren wollte, würde er dazu 48 Stunden benötigen, aber um Falun Gong zu mobilisieren, waren nur 24 Stunden nötig, darüber war er sehr schockiert. Er könnte die Niederschlagung auch wegen persönlicher Interessen und aus persönlichen Gründen gestartet haben.

Das Interview in seiner Gesammtlänge finden sie in deutscher Sprachen.





       

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