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[06.12.2006]
„Sie wurde an einen entfernten Ort deportiert und wird vielleicht nie wieder zurückkehren“


David Matas, ein Mitglied eines kanadischen unabhängigen Untersuchungsteams, hielt am 10. Oktober 2006 eine Pressekonferenz und ein Forum in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur ab. Dort stellte er seinen Untersuchungsbericht über den Organraub an lebenden Falun Gong Praktizierenden durch die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) vor. Die Pressekonferenz zog die Aufmerksamkeit von Menschen aus allen Gesellschaftsschichten auf sich. Als Zeugin berichtete die Falun Gong-Praktizierende Chen Jing über ihren unfreiwilligen Bluttest und über ihre Verfolgung. Eine Praktizierende, die mit ihr inhaftiert worden war, „wurde an einen entfernten Ort deportiert und wird wahrscheinlich nie wieder zurückkehren.“ Im Folgenden die Zeugenaussage:

Chen Jing (links) beschrieb, wie sie in China verfolgt wurde
Mein Name ist Chen Jing. Ich komme aus der Provinz Guangdong in China. Ich bekam nun durch die Vereinten Nationen Asyl. Aufgrund meines Glaubens und weil ich die Fakten über Falun Gong verbreitete, wurde ich von den chinesischen Behörden zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

In den sieben Jahren, seit die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) die Verfolgung von Falun Gong begann, habe ich sehr viel durchgemacht. Einige dieser Erfahrungen dienen als Beweise dafür, wie die KPCh Falun Gong Praktizierenden willkürlich die Organe entnimmt. Ich begann 1995 Falun Gong zu üben. Falun Gong ist sehr gut für die Verbesserung der Gesundheit. Es lehrt den Menschen gut zu sein und den moralischen Standard zu erhöhen. Die Praktik zog viele Chinesen an, die bessere Menschen werden wollten und ich bin einer von ihnen. Zu dieser Zeit gab es viele Menschen die Falun Gong übten. Die Leute glaubten, dass der Grund für die Verfolgung die hohe Zahl der Falun Gong-Praktizierenden war, die die Mitglieder der KPC weitaus überboten. Die KPCh hatte zu dieser Zeit 60 Millionen Mitglieder.

Nach dem 20. Juli 1999 gingen viele Leute, die von Falun Gong profitiert hatten, nach Peking, um sich bei der Regierung für Falun Gong einzusetzen. Von 1999 bis 2002 strömte jeden Tag eine große Anzahl von Personen auf den Platz des himmlischen Friedens und zum Petitionsbüro in Peking, um an die Behörden zu appellieren. Diese Praktizierenden wurden verhaftet und zur lokalen Polizeiwache gebracht. Auch ich ging Ende 1999 auf den Platz des himmlischen Friedens. Zu dieser Zeit befanden sich überall Polizeibeamte in Zivil und in Uniform. Ich wurde in einen Polizeiwagen gestoßen, der bereits mit Praktizierenden gefüllt war. Wir wurden zur lokalen Polizeiwache gefahren. Ein Dutzend Praktizierende wurden in einen großen Käfig eingesperrt, in dem noch mehr Praktizierende hineingestoßen wurden. Die Polizei verhörte sie gruppenweise und fragte sie hauptsächlich nach ihren Namen und Wohnorten. Die meisten Praktizierenden weigerten sich, auf ihre Forderungen einzugehen, weil sie befürchteten, dass sie dadurch zu Gefängnis oder Zwangsarbeit verurteilt werden könnten. Ich wusste nicht, wo diejenigen, die sich weigerten ihre Identität preiszugeben, hingeschickt wurden. Ich sah über 100 Praktizierende, die die Preisgabe ihrer Identität verweigerten. Später las ich auf der Webseite, dass Tausende von Praktizierenden in China vermisst wurden. Wo wurden sie hingebracht? Die chinesischen Behörden wollten uns darauf keine ehrliche Antwort geben.

Am 17. April 2001 wurde ich von der nationalen Sicherheitsbehörde und der lokalen Polizei verhaftet, weil ich die Fakten über Falun Gong verbreitete. An der Polizeiwache entzogen sie mir für sieben volle Tage den Schlaf. Als ich sie entschlossen darauf hinwies, dass ich aufgrund der Folterungen rechtliche Wege einleiten würde, sagten sie ironisch zu mir: „Du wirst wahrscheinlich hier gar nicht wieder lebend herauskommen. Wen willst du dann verklagen?“ Zu dieser Zeit dachte ich, dass sie nur versuchten mich einzuschüchtern. Doch wenn ich mir ihre Worte wieder vor Augen führte, nachdem ich auf der Webseite gelesen habe, dass Falun Gong-Praktizierenden lebendig die Organe entnommen worden sind, wusste ich, dass es wahrscheinlich keine leere Drohung war.

Im Gefängnis traf ich eine Praktizierende, die ihren Namen nicht preisgeben wollte. Sie wird wahrscheinlich nie wieder lebend herauskommen.

Im September 2001 wurde ich in der Halle 37 im Zhuhai Stadtgefängnis gefangen gehalten. Es gab drei Hallen für Frauen, die miteinander verbunden waren. Bis zu jenem Tag war es relativ ruhig. Plötzlich vernahm ich Beschimpfungen und Schreie der Wachbeamten in Halle 35, gefolgt vom Klang der Schläge. Es war ziemlich laut. Als ich näher hinhorchte, wusste ich, dass es sich um eine inhaftierte Praktizierende handelte, die ihre Identität nicht verriet (später nannte die Polizei und andere Insassen sie „Niemand“). Ich wusste auch, dass sie aus Protest in den Hungerstreik getreten war. In der Halle, wo ich mich befand, waren noch zwei weitere Praktizierende. Eine hieß Zhang Qingyun und die andere Wang Zhijun. Nach einer kurzen Unterredung riefen wir: „Stoppt die Verfolgung von Falun Gong-Praktizierenden!“  Zwei bis drei Monate später kam eine Insassin, namens Ahong, in unsere Halle. Nachdem wir sie besser kennen lernten, erzählte sie uns Dinge über „Niemand.“ Sie sagte: „Seit eurer Protestrufe brachte die Polizei sie zur Halle 14, damit sie Li Chunyan (eine Studentin von der Tsinghua Universität, auch in Halle 35 eingesperrt) nicht beeinflussen konnte. Sie befindet sich immer noch im Hungerstreik. Die Polizei folterte sie mit der Methode „Ein Flugzeug fliegen“ (1). Einige andere Praktizierende und ich wurden aufgefordert, sie zu bewachen. Nach ihrem Hungerstreik, öffnete die Polizei eine weitere Halle (Halle 34) und sperrte sie dort ein, um die Handhabung mit ihr zu erleichtern.“ Das war was Ahong mir zu dieser Zeit berichtete.

Weil ich eine Kunstlehrerin bin, forderten die Wachbeamten mich während des chinesischen Neujahrs 2002 auf, in jeder Halle für Frauen einige Bilder aufzuhängen,. Ich ging zur Halle 34. Zuerst wusste ich nicht wer von den dort Inhaftierten „Niemand“ war. Eine gut aussehende Dame, die um die 30 Jahre alt war, brachte mir einen Stuhl. Es war eine sehr natürliche Geste, doch sofort zerrten einige Insassinnen sie weg und die Leiterin der Insassinnen ermahnte mich, nicht mit ihr zu reden. Ich wusste sofort, dass sie „Niemand“ war, so dass ich sie mir näher anschaute, um einen Eindruck von ihr zu bekommen. Um den Juni 2002 herum hörte ich von einer anderen Insassin, dass „Niemand“ weggeschickt wurde. Ich dachte, dass sie freigelassen wurde.

Im November 2002 wurde ich in das Shaoguan Gefängnis in der Provinz Guangdong eingesperrt. Weil ich mich weigerte, mich als eine Verbrecherin zu bekennen, wurde ich für einen Monat in Einzelhaft gebracht. Danach wurde ich der Gruppe 14 zugeordnet, wo sich zufälligerweise auch Ahong befand. Die Duschvorrichtung im Gefängnis war ein offener Raum, der über 100 Personen umfassen konnte. Während der Duschzeit war dort eine Atmosphäre wie auf dem Markt. Weil wir uns schon kannten, fand Ahong immer eine Gelegenheit mit mir zu plaudern und ich fragte sie über „Niemands“ Situation aus. Ich wusste, dass Ahongs Familie ziemlich reich war und die Wachbeamten, darunter auch die Wachbeamtin Wu, oft bestachen. Ahong nannte die Beamtin Wu „Tante Wu“ und wurde von ihr oft herbeigerufen, um mit ihr zu plaudern. Oft gaben die Beamten, halb bewusst, an Ahong Informationen weiter. Ich fragte Ahong, ob „Niemand“ freigelassen wurde. Ahong sagte, dass, weil sie ihren Namen nicht verraten wollte, sie nicht zur Zwangsarbeit oder Gefängnis verurteilt wurde. Sie wurde aber wirklich weggeschickt und befindet sich nicht mehr im Gefängnis. Doch „Tante Wu“ war sich sicher, dass „Niemand“ nicht nach Hause geschickt wurde sondern an einen „besonderen Ort“ deportiert wurde. Im freundlichen Ton sagte Ahong: „Du hast wirklich Glück gehabt. Du wirst freigelassen, wenn deine Strafzeit vorbei ist. ‚Tante Wu’ sagte mir, dass „Niemand“ wahrscheinlich nie wieder aus dem Ort, wo sie hingeschickt wurde, herauskommen würde.“ Ich dachte, dass sie mit dem Ort das lokale Gehirnwäschezentrum meinte und kümmerte mich deshalb nicht weiter darum.

Ich wurde im Oktober 2004 freigelassen. Jedoch durfte ich nicht nach Hause, weil ich mich nicht hatte „umerziehen“ (2) lassen. Das „Büro 610“ (3) in Zhuhai schickte mich direkt zum lokalen Gehirnwäschezentrum. Dort sah ich „Niemand“ aber nicht. Am 25. Dezember wurde ich vorläufig entlassen, weil ich schrecklich schwach war. Zu Hause lernte ich „Niemands“ Mutter kennen. Sie brachte uns ein Foto mit, wodurch ich sie sofort erkannte. Ihre Mutter sagte zu mir: „Meine Tochter heißt Yuan Zheng. Sie kam sofort zu mir, nachdem sie aus dem Masanjia Arbeitslager freigelassen wurde. Im September 2001 ging sie auf den Platz des Himmlischen Friedens und ist seitdem nicht wieder zurückgekehrt.“ Ich erzählte ihr, dass ihre Tochter im September 2001 ins Gefängnis geworfen wurde und gab ihr auch die Informationen weiter, die ich von Ahong bekam. Ich schlug ihr vor zum „Büro 610“ zu gehen. Später traf ich sie noch einige Male. Sie bat mich darum, sie auf dem Weg zum „Büro 610“ zu begleiten, doch da ich zu dieser Zeit meine Flucht aus China plante und nicht in Schwierigkeiten geraten wollte, lehnte ich ab. Doch ich hielt Ausschau nach weiteren Informationen über Yuan Zheng, nachdem ich im Ausland war, besonders als der Skandal über den Organraub durch die KPCh an die Öffentlichkeit kam. Ich hielt Kontakt mit Falun Gong-Praktizierenden in China, konnte jedoch keine weiteren Nachrichten über Yuan Zheng herausfinden. Ich bin über ihre Sicherheit besorgt. Möglicherweise wurde sie für ihre Organe ermordet.

Ich möchte einige meiner anderen Erfahrungen beschreiben. Ich sagte, dass ich am 30. November 2002 vom Gefängnis 2 in Zhuhai, Provinz Guangdong, zum Shaoguan Gefängnis gebracht wurde. Ich erinnerte mich, dass sich dort ein Dutzend Personen im Wagen befanden. Neun davon waren Falun Gong-Praktizierende. Unter den neun Personen kamen fünf aus dem Gefängnis 1. Li Yanfang, Jiang Yuxia, Ma Yan und Li Chunyan waren von der Tsinghua Universität, Liu Mei war Absolventin des chinesischen Wissenschaftsinstituts. Die restlichen vier anderen waren Zhang Qingyun, Zhou Jing, ich und jemand, an dessen Namen ich mich nicht mehr erinnern konnte. Als wir ins Gefängniskrankenhaus gebracht wurden, mussten wir eine körperliche Untersuchung über uns ergehen lassen. Unter anderem röntgten sie uns und führten Bluttests durch. Als wir die Polizei fragten, wozu die körperlichen Untersuchungen nötig wären, antwortete die Polizei, dass dies zur Routine gehören würde. Ich erinnerte mich, dass nur eine Falun Gong-Praktizierende körperlich untersucht wurde, während die anderen im Wagen blieben. Im April 2003 wurde ich im Frauengefängnis in der Provinz Guangdong eingesperrt, wo sie mich abermals körperlich untersuchten und mich röntgten und einen Bluttest durchführten, was bei meiner ersten Ankunft aber nicht der Fall gewesen war.

Die Umstände meiner Schwester sind unbekannt. Ihr Name ist Chen Li. Sie war eine Vorgesetzte im Institut für Kunst an der Shantou Universität in der Provinz Guandong. Zweimal ging sie nach Peking, um zu appellieren, nachdem die Verfolgung 1999 begann. Beim zweiten Mal wurde sie zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt und wurde Anfang 2000 im Zhaoguan Gefängnis in der Provinz Guangdong gefangen gehalten. Nach ihrer Freilassung aus dem Gefängnis wurde sie in das Sanshui Frauenarbeitslager in der Provinz Guangdong gebracht. Während ihrer drei Gefangenschaften, erlitt sie unterschiedliche Folter und erfuhr die Grausamkeiten der Verfolgung von Falun Gong durch die KPC. Weil ich aus China floh, befürchteten die Beamten der KPCh, dass sie das Gleiche tun würde. Während sie nach mir suchten, verhafteten sie meine Schwester, nachdem sie aus Angst um ihre Sicherheit von Zuhause geflohen war. Meine Familie berichtete, dass sie zur „Recht und Ordnung“-Klasse nach Shandhui in die Provinz Guangdong gebracht wurde. Bis jetzt haben die Behörden der KPCh ihr alle Besuchsrechte verweigert. Es ist nun über ein halbes Jahr her und niemand weiß, ob meine Schwester, Chen Li, noch am Leben ist oder nicht. Sie war sehr gesund und ich bin über ihre Sicherheit sehr besorgt. Es ist möglich, dass sogar sie ein Opfer des Organraubes wurde.

Anmerkungen:

(1) Bei dieser Foltermethode wird der Kopf nach unten bis an sein Limit gebogen, während die Hände nach oben bis zum höchsten Punkt gezogen werden und dort bleiben. Die Hüften müssen nach oben zeigen. Man wird gezwungen, diese Position unverändert für eine lange Zeit beizubehalten. Der Körper sieht in dieser Position wie die Form eines Flugzeugs aus.

(2) „Umerziehung“ ist eine oft verwendete Formulierung für Folter und Misshandlung, eine übliche Taktik im Versuch Falun Gong-Praktizierende dazu zu bringen, ihren Glauben zu widerrufen.

(3) Das „Büro 610“ ist ein staatliches Organ, das eigens für die systematische Verfolgung von Falun Gong geschaffen wurde. Es untersteht direkt dem Komitee für Politik und Recht des Zentralkomitees der KP Chinas und besitzt uneingeschränkte Vollmacht gegenüber allen Verwaltungsbehörden und Justizorganen.




Weitere Texte und Videos über die Vorwürfe bezüglich Organraub und den Vernichtungslagern:
-Video über den Organraub
-ABC Interview zu diesem Thema
-Sky News: Undercover-Report bezüglich den Organentnahmen an lebenden Häftlingen
-Ausführlicher Bericht über die Vorwürfe
-Zeugenaussage
-Reaktion der Chinesischen Botschaft der Schweiz (Propaganda-Text)
-Webseite des „International Transplantation Network Assistance Center"
(Backup einer Webseite auf der Organe angeboten wurden)




       

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