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Du-Juan
Die fünfte Übung (Shentong Jia Chi Fa) im Lotussitz
Das Bild stammt vom Sommer 2003 und zeigt u.a. mich selbst und meine gute Bekannte Du Juan (das Mädchen ganz im Vordergrund) beim vorführen der 5. Übung. Das ganze war während einer Veranstaltung gegen die Verfolgung vor der Gedächtnisskirche in Berlin.
Ich möchte noch etwas zu Du Juan sagen.
Zu dieser Zeit hatte sie gerade Asyl beantragt nachdem sie als Studentin nach Deutschlan kam.
Der Grund warum sie nach Deutschland ging, war das sie in China bereits mehrere male, lediglich wegen dem Üben von Falun Gong verhaftet, eingesperrt, und misshandelt wurde. Im folgenden sind zwei Auszüge aus meinem Buch, der Erste beschreibt wie sie in China verfolgt wurde, und der zweite Abschnitt beschreibt ihre 3. Verhaftung in Deutschland während des Besuchs des Chinesischen Parteichefs in Berlin 2002 (sie wurde aufgrund des Druckes der Chinesischen Beamten auf die Deutsche Polizei erneut verhaftet).
'''Der Fall Du Juan'''
"Mein Name ist Du, Juan. Am 4. Mai 1978 wurde ich in der Stadt Yingkou, Provinz Liaoning in China geboren. Seit Oktober 1998 praktiziere ich Falun Gong, eine traditionelle Buddhistische Kultivierungsschule in China, durch die ich bis heute immer gesund blieb und mich wieder richtig nach deren Prinzipien “Ehrlichkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht” richten kann.
Eigentlich hat mein Onkel 1997 meinen Eltern die Kultivierungsschule empfohlen. Zur Zeit sind alle seine schweren Krankheiten durch das Praktizieren von Falun Gong schon ausgeschüttet. Außerdem hat er es sehr leicht geschafft, sich das Rauchen abzugewöhnen. Seitdem meine Eltern Falun Gong praktizieren, ist meine Mutter ganz gesund geworden, obwohl
sie eigentlich gesundheitlich ziemlich schwach war. Deshalb empfahlen meine Eltern mir ebenfalls, Falun Gong zu lernen.
Im Jahr 1997 habe ich die staatliche Prüfung erfolgreich bestanden. Im September des gleichen Jahres wurde ich von der Dalianer Marine Universität aufgenommen. Neben dem Studium habe ich das Buch “Zhuan Falun”, das Hauptwerk von Falun Gong, in einer öffentlichen Buchhandlung gekauft und gelesen. Ich war sehr begeistert von dem Buch. Alles, was in
meinem Kopf durcheinander wie dicke Dunstschwaden lag, wurde beseitigt, so dass ich mich mit einem Mal aufraffte. Es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Das Buch hat mit einer einfachen Sprache und einfachen Theorien alle meine Fragen, die ich mir mein ganzes Leben über das Leben und die Kultivierung gestellt hatte, klar und deutlich erklärt. Ich habe mich sehr gewundert: Das ist wirklich ein gutes Buch! In dem Buch werden mit ehrlichen Worten die Menschen überzeugt, Gutes zu tun. Das hat mich tief berührt. Deshalb bin ich entschlossen, mich im Falun Gong zu kultivieren.
Damals hatte ich mit den anderen Falun Gong-Lernenden der Uni gemeinsam das Buch “Zhuan Falun” gelernt und Erfahrungen ausgetauscht.
Täglich gegen Abend praktizierten wir zusammen die Übungen. Ich gab mir große Mühe, mich nach der Anforderung Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht, die im Buch von uns gefordert wird, zu benehmen. Die Beziehungen zwischen den Schulkameraden und mir waren harmonischer geworden. Ich war noch fleißiger im Studium als früher. Vom Praktizieren des Falun Gong habe ich sehr profitiert. Doch aus Neid hat der frühere Parteichef und jetzige Militäroberbefehlshaber, Jiang Zemin, beschlossen, das vom Volk sehr beliebte Falun Gong auszumerzen. Im Juli 1999 begann in China die grausame Unterdrückung. Jeder Praktizierende, egal wer man ist, egal wie lange man die Übungen schon gemacht hat, egal ob man weiterhin in der Öffentlichkeit die Falun Gong-Übungen praktiziert oder alleine Zuhause übt, wird von dieser Verfolgung betroffen. Die einzige Möglichkeit, wenn ein Falun Gong-Praktizierender weiterhin seine “Freiheit” in China genießen will, besteht darin, dass man ein vorgefertigtes "Geständnis" unterschreibt, in dem man Falun Gong beschimpft, verspricht es nie mehr zu üben und die Namen von allen seinen Freunden nennt von denen man weiß, das sie Falun Gong ausüben.
Meine Erlebnisse in China:
1. Druck von meiner Universität
An einem Tag im März 1999 hatte die Uni, an der ich studierte, bereits mitdem Motiv, über die Situation des Praktizierens von Falun Gong eine
Untersuchung durchzuführen, eine Liste der Falun Gong-Lernenden erstellt.
Ende August, einen Tag nach meiner Ankunft aus den Sommerferien, als ich
an die Uni zurückgekehrt war, wurden alle Falun Gong-Praktizierenden in
einen Versammlungsraum gebracht, wo bereits der Direktor der Fakultät
und die Klassenbetreuer auf uns warteten. Sie versuchten uns zu zwingen
mit dem Üben des Falun Gong aufzuhören. Sie sagten: Der Staat hat jetzt
verboten, Falun Gong zu praktizieren. Deshalb dürften wir das Falun Gong
auch nicht mehr ausüben. Man mußte Falun Gong noch schriftlich
verleumden und einen Garantiebericht schreiben, Falun Gong nicht mehr
praktizieren zu wollen. Man durfte den Raum nicht verlassen und in der
Nacht auch nicht schlafen, wenn man keinen “befriedigenden” Bericht
produzieren konnte.
Da ich Falun Gong nicht aufgeben wollte, suchten mich die Unipräsidenten, der Parteichef der Uni sowie der Leiter der Fakultät und der Klassenbetreuer ständig auf und forderten mich auf, alle meine Falun Gong-Bücher abzugeben. Sie erlaubten mir nicht, die Übungen auf dem Campus zu machen und Kontakt mit anderen Studenten, die Falun Gong praktizierten, zu haben. Sie beauftragten sogar meine Kommilitonen, mir überall hin zu folgen und mich zu überwachen. Einmal haben sie meine Eltern aus meiner Heimat (einer Stadt, die ca. 160 km von Dalian entfernt ist) in die Uni gerufen in der Hoffnung sie dazu bringen zu können, mich zu überreden Falun Gong aufzugeben. Sie bedrohten mich und meine Familienangehörigen noch, mich aus der Uni zu verweisen, wenn ich Falun Gong nicht aufgeben würde. (Damals wurde schon ein Student namens Liu Xingwang von der Uni verwiesen, weil er Falun Gong nicht aufgeben wollte.) Danach stand ich unter großem Druck durch die Universität und die Gesellschaft, mein ruhiges Leben wurde zerstört.
2. Meine Reise nach Peking im April 2000 und die Verfolgung danach
Am 21. April 2000 fuhr ich mit dem Zug nach Peking und wollte gemäß
dem Gesetz eine Petition bei der Regierung einreichen. Am Vormittag des
22. April kam ich in Peking an, aber ich konnte das Petitionsbüro nirgends finden. Zur dieser Zeit waren vor jedem Eingang auf der Straße viele Polizeiwagen geparkt. Überall waren auf der Straße Polizisten in Uniform und Polizisten in Zivil zu sehen. Die Fußgänger wurden oft von der Polizei gestoppt und mit unfreundlichem Ton gefragt, ob sie Falun Gong ausüben würden. Da ich das Petitionsbüro nicht gefunden hatte, wollte ich die Übungen auf dem Tiananmen-Platz machen. Als ich am 25. April auf dem Platz des Himmlischen Friedens stand, wurde ich von der Polizei gefragt, ob ich Falun Gong-Praktizierende sei. Ich gab dies zu und wurde sofort in den Polizeiwagen geschoben und zur Niederlassung der Polizeibehörde des Platz des Himmlischen Friedens gebracht. (Jeder Falun Gong-Praktizierende in China steht vor der Gefahr, festgenommen zu werden, wenn er auf die Straße geht und von einem Polizisten gefragt wird, ob er Falun Gong praktiziert. Denn die Falun Gong-Praktizierenden bleiben immer ehrlich und so geben sie es meistens zu, die Polizei braucht sich gar keine Mühe zu geben, um sie aufzuspüren.)
Beim Verhör sagte ich gemäß der Wahrheit, dass ich Studentin der Marine
Universität bin; so wurde ich eine Stunde später von der Polizei, die aus der Stadt Dalian gekommen war, abgeführt und ins Vertretungsbüro des “Büros 621” Dalian in Peking eingesperrt. (Das “Büro 621” ist eine staatliche Einrichtung, die speziell für die Verfolgung an Falun Gong zuständig ist; dasselbe Büro heißt in Beijing oder anderen Städten oft das “Büro 610”).
Mein Personalausweis wurde auch beschlagnahmt. Am 27. April wurde ich
zurück nach Dalian geschickt und in der Drogenentzugsstation der
Justizbehörde eingesperrt – einer “Umerziehungsstation”. Vorher wurde ich von vier großen Polizisten durchsucht. Mein Buch “Zhuan Falun” wurde mir gewaltsam weggenommen. Um mein Buch zurückzufordern, trat ich in den
Hungerstreik. Die Wärter drohten damit, mich ins Arbeitslager zu schicken.
Sie sagten mir, die Richtlinien der Regierung gegenüber Falun Gong sind:
“Man kann sie beliebig prügeln; wird jemand totgeschlagen, dann wird es als Selbstmord behandelt.” Deshalb machte es ihnen nichts aus, dass ich mich im Hungerstreik befand.
In der Drogenentzugsstation wurden ich und andere Falun
Gong-Praktizierende gezwungen, sich Vorträge von dem Vorsitzenden der
Justizbehörde Dalian anzuhören, in denen Falun Gong und dessen Gründer
Herr Li diffamiert wurden. Inzwischen standen ein Praktizierender nach dem anderen auf und sagte der Polizei ruhig: “Ihr dürft unseren Lehrer nicht beschimpfen. Wenn ihr ihn weiterhin beleidigt, höre ich nicht mehr zu.” Die Polizisten kamen schnell von hinten heran, schleppten sie weg und prügelten sie. Ich wollte eigentlich auch die Vorträge verhindern, aber diese Szene machte mich ängstlich. Ich stand nicht auf und wurde nicht geschlagen, aber es tat mir sehr leid. Eine Praktizierende weigerte sich zum Vortrag zu gehen.
Danach habe ich von einer anderen Praktizierenden erfahren, dass man ihr
Hand- und Fußschellen angelegt und sie heftig geprügelt hat. Am Ende
wurde sie in einer kleinen und engen Zelle allein eingesperrt. Dort gab es kein Fenster, keinen Sonnenschein, kein Licht, es war einfach dunkel und klein. Man konnte darin nicht gerade stehen, weil es zu niedrig ist, auch nicht hocken, sondern konnte nur eine leidvolle Haltung einnehmen. Später habe ich erfahren, dass mein Onkel, der in einer wichtigen Abteilung des Verwaltungskomitees der Stadt Dalian tätig war, sich an seine Bekannten gewendet hatte. Mit seiner Hilfe wurde ich am 30. April 2000 gegen Bürgschaft freigelassen. Meine Eltern bezahlten dafür dreißigtausend Yuan (Lohn einiger Jahre in China) Kaution, bekamen aber keine Quittung.
3. Meine Uni weigerte sich, mir mein Abschlusszeugnis auszuhändigen.
Nach dem 1. Mai kam ich wieder zurück an meine Universität. Es war
gerade die Zeit, sich für die Abschlussprüfungen vorzubereiten. Weil die
Vorsitzenden der Uni Angst hatten, dass ich den Kommilitonen meine
Erlebnisse weitererzähle, wurde mir nicht mehr erlaubt in der Universität zu wohnen, obwohl ich außerhalb der Stadt Dalian lebte. (In China befindet sich das Studentenwohnheim meistens in der Uni.)
Diejenigen Studentinnen, die mit mir zusammen in einer Wohnung gewohnt
hatten, hatten mit eigenen Augen gesehen, dass ich mich seit dem
Praktizieren sehr verbessert habe. Sie glaubten nicht, dass ich etwas
Schlechtes gemacht hätte. Ihrer Erkenntnis nach ist das Falun Gong auch
nicht so schlecht, wie es die chinesischen Medien beschrieben hatten.
Deshalb hatten sie mich insgeheim im Schlafzimmer versteckt und gaben mir herzlich gerne Nachhilfe, um mich für die Prüfungen vorzubereiten.
Im Juni 2000, nachdem ich mehr als einen Monat fleißig gelernt hatte, habe ich alle Abschlussprüfungen der Uni bestanden und meinen Studienaufsatz auch rechtzeitig abgegeben, der ebenfalls befriedigend war. Aber als ich mein Studium im Juli 2000 abschloss, weigerte sich die Führung der Uni, mir mein Abschlusszeugnis zu geben, welches vom Erziehungsministerium ausgestellt worden war. Erst nach ca. einem Jahr konnte ein Verwandter mein Abschlusszeugnis durch seinen Einfluss als hoher Beamter erlangen. Dazu haben wir auch ein Geschenk für den Unipräsidenten gekauft.
4. Meine zweite Reise nach Peking und meine Erlebnisse in Gewahrsam
Da viele Freunde von mir festgenommen und geschlagen wurden, wollte ich
am 30.09.2000 noch einmal nach Peking fahren, um während der Zeit der
Nationalen Feiertage eine Petition bei der Regierung einzureichen. Im
Fernbus nach Peking gab es Schimpfwörter gegen Falun Gong und dessen
Lehrer. Bevor der Bus abfuhr, stieg ein Polizist ein. Er schaute, wer wie ein Falun Gong-Praktizierender aussieht und dann forderte er ihn auf, die Schimpfwörter im Bus vorzulesen. Falls man nicht danach handelte, wurde man festgenommen. (So lassen sich Falun Gong-Praktizierende erkennen. Oder man legt ein Bild von Herrn Li Hongzhi vor den Türen des Zuges; jeder muss darauf treten, bevor er in den Zug einsteigt. Diejenigen, die dies nicht tun wollen, werden als Falun Gong-Praktizierende abgestempelt und sofort festgenommen.)
Als er bei mir war, antwortete ich mit einem Lächeln, dass ich eine
Studentin sei und beabsichtige, bei einem Kommilitonen in Peking zu
wohnen. Weil ich dafür doch keinen Personalausweis brauche, habe ich
auch keinen Ausweis bei mir. Als er sah, dass ich ganz ruhig war, hat er
daran auch nicht gezweifelt. Am 01.10.2000 kam ich auf den Platz
des Himmlischen Friedens. Gegen 9 Uhr fingen manche Falun Gong-Praktizierende an, die Übungen zu machen, um zu appellieren. Ich sah, dass die Polizisten sie sehr schnell umzingelten und sie zusammen mit den Polizisten in Zivil sehr grausam schlugen. Danach wurden die
Geschlagenen in den Polizeiwagen geschleppt.
Tatsächlich bluteten manche der Menschen stark und das Blut
verschmutzte den Boden. Ein daneben wartender
Reinigungswagen kam sofort zum Einsatz und vernichtete sehr
schnell die Spuren der Verbrechen der Polizisten. Als ich dies sah, dachte ich, dass es nichts nützte, wenn ich jetzt
etwas unternehmen würde. So habe ich nichts unternommen. Gegen Mittag
verließ ich den Platz des Himmlischen Friedens und fuhr zu meinem
Kommilitonen.
Am 06.10.2000 kam ich noch einmal auf dem Platz des Himmlischen Friedens und ich sah dieselben Szenen wie vor ein paar
Tagen: Die Polizisten schlugen wie verrückt auf die Leute ein und nahmen sie fest. So habe ich gar nichts getan und kehrte nach den 7-tägigen Nationalen Feiertagen am 08.10 zurück nach Dalian, wo ich bei einer Beratungsfirma arbeitete. Am 16.10.2000 suchten zwei Polizisten (der eine heißt Yucheng Shan und der andere Xiaowen Wang) mich auf und brachten mich zur lokalen Polizeiwache, um mich zu verhören. Ich gestand, dass ich am 01.10 nach Peking gefahren sei,
allerdings gar nichts unternommen hätte. So fragte mich Shan, ob ich jemals
die Übungen gemacht hätte und ich sagte, dass ich die Übungen in der
Wohnung meines Freundes gemacht habe. Dann sagte Shan: “Das genügt
schon.” Später habe ich von anderen Polizisten erfahren, dass alle Falun
Gong-Praktizierenden, die während den Nationalen Feiertagen nach Peking
gefahren und irgendwo Übungen gemacht haben, als “Antirevolutionäre”
beschuldigt wurden.
Ich wurde nicht - wie sie es mir versprochen hatten - freigelassen, sondern in
Gewahrsam genommen. In der Polizeiwache wurde uns – mir und anderen
Falun Gong-Praktizierenden - der Schlaf geraubt, rund um die Uhr wurden
wir überwacht, man durfte sogar nicht einmal die Augen schließen. Das hat
3 Tage und 2 Nächte gedauert.
Einfach weil ich Falun Gong-Übungen in der Wohnung meines Freundes
gemacht hatte, wurde ich 15 Tage lang in Gewahrsam gehalten (siehe
Polizeibericht, den ich aufgehoben habe und auf Wunsch vorzeigen kann).
Man durfte noch nicht einmal eine Berufung einlegen, denn in den Fällen
bezüglich Falun Gong darf im heutigen China allgemein keine Berufung
einlegt werden, so die Antwort der Polizei.
5. Ich durfte nicht mehr weiterarbeiten
Nachdem ich endlich am 02.11.2000 freigelassen wurde, konnte ich auch
nicht mehr weiter in meiner Firma arbeiten, denn mein Chef wagte nicht
mehr, mich weiterhin anzustellen. So habe ich auch meine Arbeit verloren.
Die chinesischen Medien haben Falun Gong ständig verleumdet. Heute sagen
sie, dass einige Falun Gong-Praktizierende Selbstverbrennungen begangen
hätten. Morgen wurde berichtet, dass ein Falun Gong-Praktizierender die
ganze Familie umgebracht hätte. Es gibt überall in China Plakate in der
Öffentlichkeit und Artikel in den Medien, die Falun Gong verleumden. Die
Menschen, die vom Falun Gong keine Ahnung haben, glauben nach und
nach an die Propaganda der Regierung. Wenn unter solchen Menschen Falun
Gong zur Sprache kommt, schimpfen sie und attackieren Falun Gong damit,
was sie nur von den staatlichen Medien erfahren haben. Inzwischen wurden
Falun Gong-Praktizierende in großen Massen illegal verhaftet, zu Gefängnis
verurteilt sowie die Wohnungen vieler Falun Gong- Praktizierender
durchsucht und einige wurden sogar zu Tode geprügelt. Aber alle Beweise
wurden vertuscht um die Verfolgung vor den Augen der Bevölkerung zu
rechtfertigen.
6. Ich kam nach Deutschland
Ein Falun Gong-Praktizierender, solange er die Kultivierung nicht
aufgegeben hat, befindet sich in der Gefahr, alles zu verlieren, ins Gefängnis
geworfen und verfolgt zu werden. Die Familienangehörigen müssen auch
darunter leiden. In solch einer Situation wollten meine Verwandten und
Bekannten wirklich nicht mehr sehen, dass ich weiter verfolgt würde. Von
den Überredungsversuchen beeinflusst, obwohl mein Vater es nicht übers
Herz bringen konnte und obwohl wir noch große finanzielle Probleme hatten,
war mein Vater schließlich entschlossen, mich ins Ausland zu schicken.
Anfang 2001 war meine Familie mit meiner Ausreise ins Ausland
beschäftigt.
Die Falun Gong-Praktizierenden konnten damals keinen Reisepass
bekommen. Nach Abschluss meines Studiums hatte meine Uni Unterlagen
über meine Reise nach Peking zu meinem Wohnkomitee geschickt. Aber weil
ich umgezogen war, sind diese Unterlagen bei meiner alten Adresse gelandet.
So konnte ich problemlos einen Reisepass bekommen. Kurz nachdem ich in
Deutschland war, sind diese Unterlagen auch an meine aktuelle Adresse
weitergeleitet worden. Die Zuständigen des Wohnkomitees haben meine
Eltern Zuhause aufgesucht. Als sie aber erfuhren, dass ich schon im Ausland
war, haben sie aufgegeben etwas zu unternehmen.
Am 01.08.2001 kam ich nach Deutschland und studiere Deutsch in
Göttingen bis heute (Mittlerweile bekam ich Asyl genehmigt).
In der ersten Zeit habe ich bemerkt, dass es hier in Deutschland anders als in
China ist. Die Falun Gong-Praktizierenden dürfen frei die Übungen
praktizieren, zusammentreffen sowie in der Öffentlichkeit Flugblätter
verteilen und gegen die Verfolgung und Unterdrückung demonstrieren. Ende
August 2001, als ich zum ersten Mal an einem großen Umzug gegen die
Verfolgung außerhalb Chinas beteiligt war, war ich davon sehr begeistert.
Mit beiden Händen trug ich ein Bild von einem Praktizierenden, der zu Tode
geprügelt wurde, ununterbrochen liefen Tränen aus meinen Augen. Es ist
zwar unter dem gleichen blauen Himmel, aber auf der einen Seite ist es eine
freie und friedliche Umgebung, auf der anderen ist unheimliches Dunkel wie
in der tiefen Nacht. Den Falun Gong-Praktizierenden wurde in China das
grundlegende Menschenrecht schon längst unter Zwang weggenommen. Das
Lebensrecht von einem Falun Gong-Praktizierenden wird dort zu jeder Zeit
bedroht. In dieser ungerechten Lage dürfen wir nichts darüber zur Sprache
bringen. Nach der grotesken Regel, welche das Büro-610 ausgearbeitet hat,
ist es gesetzwidrig, wenn mehr als zwei Falun Gong-Praktizierende
zusammen sind. Das ist auch ein Grund, festgenommen zu werden.
In Deutschland kann man auch die Webseite von Falun Gong frei öffnen und
lesen, was auf dem Festland Chinas streng verboten ist. Es ist auch ein
Verhaftungsgrund, wenn jemand die Webseite von Falun Gong geöffnet hat.
Weil viele meiner guten Bekannten trotz des hohen Druckes mit der
Kultivierung fortfahren, mache ich mir große Sorgen um ihre Situation in
China. Ich weiß, die Nachrichten meiner Mitpraktizierenden in China sind
trotz Lebensgefahr übermittelt worden.
Unvollständigen statistischen Angaben zufolge sind in den letzten vier Jahren
seit dem 20. Juli 1999 mindestens 1379 Falun Gong-Praktizierende an den
Folgen der Brutalität und Folter durch chinesische Sicherheitskräfte
gestorben (der Stand der Todesfälle wurde am 19.02.05 nachträglich
aktualisiert. Zu der Zeit als Du Juan ihren Bericht geschrieben hat, waren es
noch 763); Millionen unschuldiger Menschen aus über 30 Provinzen,
autonomen Gebieten und Städten wurden verfolgt; Hunderttausende wurden
in Gefängnissen, in Arbeitslagern und psychiatrischen Anstalten eingesperrt.
Die meisten Todesfälle wurden der Reihe nach in den Provinzen:
Helongjiang, Jilin, Shandong, Liaoning, Hebei, Hubei, Sichuan gemeldet.
Unter den recherchierten Todesfällen sind etwa 48% Frauen; 26.5% sind
ältere Menschen zwischen 50 und 70 Jahren. Nach staatlichen statistischen
Angaben eines Verwaltungsamtes Chinas zufolge betrug die Anzahl der
Toten unter den verhafteten Falun Gong-Praktizierenden bis Ende Oktober
2001 bereits 1600 Menschen, mindestens 6000 Falun Gong-Praktizierende
wurden illegal zu Gefängnisstrafen verurteilt; Mehr als 100 000 Falun
Gong- Praktizierende sind illegal verhaftet worden. Einige Tausende
Menschen wurden zwangsweise in psychiatrischen Anstalten eingesperrt und
es wurden zwangsweise Arzneimitteln verabreicht, die das
Zentralnervensystem zerstören. Die Falun Gong-Praktizierenden wurden in
großen Massen zwangsweise in Gehirnwäschekurse in verschiedene
Landesteile gebracht. Ihre Seele wurde gequält, ihr Körper wurde von den
“gesetzlich zuständigen Personen” heftig geschlagen und gefoltert und es
wurde auch Geld erpresst.
Eine Nachricht (ich würde am liebsten vermeiden, dass dies gelesen wird),
ist, dass ein Name eines Bekannten von mir auf der Totenliste steht.
Trotzdem ist es ab und zu passiert. Z.B. Herr Liu Yonglai, 36 Jahre alt,
wurde Anfang Juni 2001 zwangsweise ins Dalianer Umerziehungslager
gebracht. Am 7. Juli haben die Familienangehörigen eine Nachricht
bekommen, dass Herr Liu gestorben sei; Frau Zeng Xianmei, 63 Jahre alt,
wohnhaft bei der Tochter in der Lüshun-Zone der Stadt Dalian, wurde am 9.
August 2001 von der Zweigstelle der Xigang-Polizeidienststation
zwangsweise weggebracht. Fünf Tage später, am 14. August, haben wir
erfahren, dass sie in der Polizeidienststelle zu Tode geprügelt wurde. Am 4.
März 2003 wurde Herr Li Zhongmin zu 15 Jahren Haft verurteilt und wurde
schließlich zu Tode gefoltert, nachdem er verschiedener Folter im
Dabei-Gefängnis in der Stadt Shenyang, Provinz Liaoning, ausgesetzt
wurde.
Kurz vor meiner Abreise nach Deutschland, habe ich gehört, dass Herr Liu
Hongbo, 32 Jahre alt, mein guter Bekannter, am 21. Juli 2001 bei sich
Zuhause von dem Dalianer Sicherheitsamt festgenommen und später in dem
Dalianer Yaojia-Untersuchungsgefängnis in Haft genommen wurde. Es war
den Familienangehörigen nicht erlaubt, ihn zu besuchen. Es war ein Jahr
lang keine Nachrichten zu erhalten, ob er noch am Leben war. Von
Deutschland aus habe ich versucht, mich nach seinem Verbleib bei einem
Freund mit dem Nachnamen Shen zu erkundigen. Aber Herr Shen wurde vor
Kurzem aus einem Umerziehungslager freigelassen. Alles was er unternahm
wurde beaufsichtigt. Um mich dennoch telefonisch zu erreichen musste er
mehrmals öffentliche Telefonzellen wechseln. Erst am 9. September 2002
habe ich erfahren, dass Herr Liu Hongbo in der letzten Zeit von dem
Ganjingzi-Gericht der Stadt Dalian zu 10 Jahren Haft verurteilt worden war.
Jiang Zemin, der ehemalige Partei- und Staatschef Chinas, weitet die
Verfolgung gegen Falun Gong auch auf das Ausland aus. Viele Spione
wurden ins Ausland geschickt, um die “Schwarze Liste” der Falun
Gong-Praktizierenden zusammenzustellen: Bei Aktivitäten werden wir auf
Videofilm aufgenommen und fotografiert. Wenn wir Falun Gong-Praktizierende vom Ausland nach China fliegen, sobald wir von Bord
gehen, stehen wir vor der Gefahr, festgenommen zu werden. Die Verhaftung
Herrn Charles Li, ein amerikanischer Bürger, ist ein typisches Beispiel. Er
ist mehrmals im Gefängnis in den Hungerstreik getreten und befindet sich in
Lebensgefahr. Auf Jiang Zemins Anstiftung hin drohen chinesische
Botschaften und stören uns oft. Am 23. Juni 2003 haben einige Diplomaten
der chinesischen Botschaft in den USA sogar Falun Gong-Praktizierende in
Chinatown New York zusammengeschlagen.
Die Verfolgung von Falun Gong auf dem Festland Chinas wird immer
schlimmer. Aber seit ich gesehen habe, dass viele Deutsche die Propaganda
der chinesischen Regierung glauben, kann ich nicht mehr ruhig bleiben und
auch nicht wie die anderen ruhig studieren. In China habe ich mit eigenen
Augen die Brutalitäten der Verfolgung gesehen. Ich bin ein Zeuge und
möchte die Wahrheit, die ich kennen gelernt habe, aufzeigen. Deshalb gehe
ich auf die Straße in der Stadt, wo ich wohne, um die Verfolgung, die bis
heute immer noch fortgesetzt wird, aufzudecken.
Damals, als ich in der Stadt Kassel wohnte, war ich oft mit einem weiteren
Praktizierenden gemeinsam am Wochenende im Stadtzentrum und habe die
Übungen gemacht oder Flugblätter über die Verfolgung von Falun Gong
verteilt. Später bin ich nach Göttingen gezogen. Mit den Falun
Gong-Praktizierenden von dort bin ich täglich am Nachmittag ins
Stadtzentrum gegangen, um Informationen über die Verfolgung zu verteilen,
was wir fast ein Jahr lang durchgehalten haben. Ich habe mich auch soviel
wie möglich an Aktivitäten, die wir selbst organisiert haben, beteiligt, um
zur Unterstützung und Hilfe von internationalen
Menschenrechtsorganisationen und der Gesellschaft aufzurufen. Wir
möchten aber keine politischen Ziele verfolgen.
Wir hoffen nur, eine Garantie für unser grundlegendes Menschenrecht und
unser Recht auf Leben zu erhalten.
Mit freundlichen Grüßen
DU, Juan 2003-08-20"
"Fall 7
(Fall 6 und Fall 7 gehörten zu einem Ereignis)
Betroffene:
Name: Juan Du
Vorname: Juan
Geschlecht: weiblich
Wohnort: Göttingen
Sachverhalt:
Am 12. April 2002 besuchte der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas, Jiang Zemin die Stadt Goslar. Viele Falun
Gong-Praktizierende kamen, um für die Beendigung der Verfolgung von
Falun Gong in China friedlich zu protestieren. Uns wurde eine kleine
Demonstration genehmigt, in deren Rahmen wir Informationsmaterial über
Falun Gong verteilen, Transparente mit uns führen und die Übungen zeigen
durften.
Eine Praktizierende bat mich und Zhou, vor dem Rathaus zwei andere
Praktizierende abzuholen. Wir gingen zu dem Platz, Jiang Zemin war noch
nicht angekommen. Es befanden sich einige Polizisten auf dem Platz. Wir
schauten uns um, fanden aber die Praktizierenden nicht. Wir gingen wieder
zurück. Zhou verteilte deutsche Falun Gong-Zeitungen an die Fußgänger.
Dann kamen 7 oder 8 Polizisten. Zhou gab ihnen auch Zeitungen. Sie
schauten die Zeitung an und wollten Zhou mitnehmen. Ich ging zu ihnen. Als
sie die Pins an meiner Jacke sahen (Auf einem steht in chinesischer Schrift
“Das Leben braucht Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht” und
eine Lotusblume; auf dem anderen steht in deutscher Schrift
“Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit, Nachsicht”) wollten sie mich auch
mitnehmen.
Wir dachten, dass wir mit der Polizei kooperieren sollten und gingen mit zu
einem Haus neben dem Rathaus. Sie fragten mich nach meinem Reisepass.
Ich sagte, dass ich meinen Pass nicht bei mir habe, aber meine Adresse
bekannt geben könne, und sie siese per Computer überprüfen könnten, was
sie aber nicht taten. Stattdessen haben sie bei mir eine körperliche
Durchsuchung vorgenommen. Sie beschlagnahmten alles in meinem
Rücksack (einige chinesische Bücher über Falun Gong, einige Kassetten, ein
Transparent mit der chinesischen Schrift “Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit,
Nachsicht”, einige Informationsmaterialien über Falun Gong und mein
Taschenmesser). Sie sagten, dass ich die Gegenstände zurück bekäme, wenn
unser Parteivorsitzender weg sei. Ich verstand nicht, warum diese Sachen als
gefährlich angesehen wurden.
Ich verstand nicht: nur weil ich meinen Pass nicht bei mir hatte, durften
mich die Polizisten durchsuchen und meine Sachen beschlagnahmen?
Warum haben sie deutsche Materialien beschlagnahmt, die sie doch lesen
konnten?
Zhou erklärte den Polizisten, warum wir zum friedlichen Protest gekommen
sind. Er zeigte ihnen die Fotos in den Infomaterialien und erklärte alles über
die Verfolgung in China. Durch die Unterhaltung wurden die Polizisten
ruhiger und waren nicht mehr so nervös. Ich sagte ihnen, diese Bücher sind
sehr wichtig für mich, ich hoffe, dass sie damit vorsichtig umgehen. Ein
junger Polizist suchte eine saubere Kiste aus und legte meine Bücher und das
Transparent vorsichtig hinein.
In dieser Zeit wurden einige anderen Praktizierende mit asiatischen
Gesichtern auch hierher gebracht. Zum Glück hatten sie ihren Reisepass bei
sich. Nach der Vernehmung sagten ihnen die Polizisten, dass sie aus Goslar
abtransportiert werden. Während des Besuchs von Jiang Zemin dürfen sie
Goslar nicht betreten.
Nach einer halben bis einer Stunde entschied eine Polizistin (sie sah wie eine
Chefin aus), mich und Zhou zur Polizeistelle zu bringen. Zwei Polizisten
brachten uns zur Polizeidienststelle. Sie machten Fotos von uns, schrieben
ein Protokoll und sperrten uns im Keller ein. Sie behandelten uns wie
Verbrecher. Egal, wie wir erklärten, sagten sie, dass sie ihre Aufgabe
erfüllen und wir erst freigelassen werden, wenn unsere Freunde den Pass
hierher geholt hätten. Ich fragte: „Falls ich nicht in Göttingen wohne sondern
in München oder in einem entfernten Ort, heißt es, dass ich 2 bis 3 Tage
lang hier im Keller bleiben soll?“ Ein Polizist antwortete: „Nein, nur bis
Jiang weg ist.“ Ich verstehe nicht, was es für einen Zusammenhang gibt
zwischen einem chinesischen Staatsbesucher und einem chinesischen
Mädchen ohne Reisepass.
Ich habe 9 Stunden in der Zelle verbracht, wo es nur eine Matratze und eine
Decke gab. Es wurden noch 2 chinesische Studentinnen (Praktizierende)
hierher gebracht. Eine hatte Tränen in den Augen, die Polizisten hatten sie
mit Gewalt zum Fotografieren gezwungen. Ihre Daten wurden im Computer
gefunden und gegen 21.00 Uhr wurde sie freigelassen. Ich wurde erst nach
23.00 Uhr freigelassen."
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