Teil I: Einführung
Teil II: Gewalt gegen Frauen
Teil III: Familien entzweit
Teil IV: Todesfälle und Fallstudien
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Teil I: Einführung

NEWSWEEK: Die gefährliche Pilgerreise - Eine Frau erzählt über ihre Gefangenschaft
Von Mahlon Meyer „Sie fragen mich, warum ich weine“, sagte Wang Meihong (Name wurde geändert), nachdem die zerbrechlich wirkende junge Frau aus der VR China ihre Tränen weggewischt hatte. Bei einer Falun Gong-Konferenz in Hongkong erzählte sie ihre Geschichte. Aus Angst gibt sie ihren Beruf, ihren Wohnort oder ihr Alter nicht preis. Sie wird jedoch erzählen, warum sie Falun Gong praktiziert und warum sie von der chinesischen Polizei verhaftet wurde. Wang beschloss, sich um ihren Vater zu kümmern und für seine ärztliche Behandlung aufzukommen, als er vor 15 Jahren einen Schlaganfall erlitt. 1997 fiel sie in eine tiefe Depression. Ein Freund führte sie in Falun Gong ein und sie spürte, dass ihr die Bewegungen seelische Kraft gaben. Sie brachte ihrem Vater die langsamen Bewegungsübungen bei, die die Gesundheit fördern. Als die Regierung 1999 plötzlich Falun Gong verbot, ging Wang mit dem medizinischen Gutachten ihres Vaters direkt zu den örtlichen Behörden, um sich zu beschweren. Sie wurde dort, wie viele andere auch, von der Polizei vertrieben. Da sie das als eine tiefe Ungerechtigkeit empfand, reiste sie mehrmals nach Peking, um dort bei der Zentralregierung eine Petition einzureichen. Sie wurde dabei auch mehrere Male verhaftet. Ihr Mann und ihre Mutter wollten sie von ihren Aktionen abhalten, um Probleme zu vermeiden. Wangs Mann fürchtete, dadurch seine Arbeit zu verlieren. Aber die Berichte von Folter und Tod veranlassten sie, weiterhin nach Peking zu gehen. [...] Im April machte sie sich wieder auf den Weg nach Peking zum Platz des Himmlischen Friedens, diesmal mit einem gelben Transparent mit der Aufschrift „Falun Gong“. Sie wurde unwirsch von einem Polizisten aufgegriffen und in einen Wagen geschleppt. Als sie die Polizisten anflehte, einen anderen Praktizierenden nicht weiter zu schlagen, wehrte der ab: „Wer schlägt denn hier Menschen, wer sieht hier jemanden Menschen schlagen?“ Nachdem sie sich geweigert hatte, ihre Identität preiszugeben, um ihre Familie zu schützen, kam Wang für zwei Wochen in ein Gefängnis in der Nähe von Peking. Als dort eines Tages eine Polizistin mit ihrem Absatz in Wangs Nacken und auf ihren Arm trat, sagte Wang zu sich selbst: „Ich hasse ihr gemeines Gesicht“. Daraus habe sie erkannt, dass sie [die Falun Gong-Prinzipien] mehr zu üben habe. Nachdem sie drei Tage lang das Essen verweigert hatte, wurde sie gefesselt und zwangsernährt. Ein Arzt erklärte, er wolle sie damit zur Preisgabe ihrer Identität bewegen. Danach wurde Wang in eine psychiatrische Klinik verlegt. Die Aufseher gaben ihr Milch und Wasser aus einer Wanne, die den Patienten zur Fußwaschung diente. Sie flößten ihr diese Flüssigkeit durch die Nase ein. In dieser Situation ritzte Wang mit dem Ende eines Aluminium-Reißverschlusses Sätze aus dem Falun Gong-Buch in die Wand ihrer Zelle. Nachdem die Polizisten durch einen Mitgefangenen, der mit den Behörden kollaborierte, die Identität von Wang herausfand, wurde sie in das Gefängnis ihrer Heimatprovinz gebracht und dort gezwungen, jeden Tag während ihrer zweiwöchigen Inhaftierung Glühbirnen zusammenzubauen. Laut ihrer Aussage schlug man sie häufig, wenn sie die Arbeit verweigerte, jedoch wehrte sie sich nicht dagegen. Als Wang entlassen wurde, ließ sich ihr Mann von ihr scheiden. Zurzeit besucht sie eine Ausbildungsstelle, die sie nicht frei wählen durfte, sondern die von der Behörde für sie bestimmt wurde. Als sie von dem Treffen in Hongkong hörte, wusste sie, dass dies die einzige Möglichkeit sein würde zu erfahren, ob die Bewegung noch existierte. Trotz der Gefahr einer harte Strafe ging sie über die Grenze nach Hongkong. Als sie Anfang des Monats vor dem Publikum saß und dort noch andere Fälle über Folter und Misshandlung hörte, erfuhr Wang, dass andere Praktizierende noch mehr erlitten hatten als sie und machte sich keine Sorgen mehr. „Ich habe gefühlt, dass wir alle ein Körper und unsere Herzen gleich sind. Egal, wer ich bin und wo ich bin, auf dem Platz des Himmlischen Friedens oder im Gefängnis, wir alle haben dasselbe Ziel, nämlich das Fa [Gebot] zu verbreiten.“ Das, so sagt sie, sei der Grund für ihre Tränen.
©2001 Newsweek, Inc.

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