Teil I: Einführung
Teil II: Gewalt gegen Frauen
Teil III: Familien entzweit
Teil IV: Todesfälle und Fallstudien
|
Teil IV: Todesfälle und Fallstudien

Fallstudie 4: Hinter den GefängnismauernMasanjia-Arbeitslager: Ihr Verständnis von „Umerziehung“Das Masanjia-Arbeitslager der Provinz Liaoning greift bei der Verfolgung der Falun Dafa-Praktizierenden auf die unmenschlichsten Foltermethoden zurück. Seit Oktober 1999 sind dort nahezu 2000 Falun Gong-Praktizierende eingesperrt worden; bei den meisten handelt es sich um Frauen. Die grausamen Misshandlungen und Folterpraktiken gehören für die Aufseher zur täglichen Routine. Erfahrungen aus erster Hand von Praktizierenden im Masanjia-ArbeitslagerJeder Praktizierende wird, sobald er oder sie das Arbeitslager betritt, gefragt: „Hörst Du auf, Falun Gong zu praktizieren?“. Jede(r), der dies verweigert, wird gezwungen, mit tief gesenktem Kopf an der Wand und mit senkrecht nach oben gestreckten Armen und Händen dazustehen. Die Wachen nennen diese Haltung „Liften“ / „Aufrichten“. Die Praktizierenden werden dann gezwungen, in dieser Haltung für viele Stunden oder den Tag hindurch so da zustehen. Oftmals sogar noch über Nacht, während alle anderen Insassen bereits schlafen. I. Körperliche FolterIn Masanjia werden sämtliche Methoden ausgeschöpft, weibliche Praktizierende zu zwingen, ihren Glauben aufzugeben. Sie werden an gefesselten Händen aufgehängt, so dass ihre Zehen kaum den Boden berühren. Für ihre Körperausscheidungen wird eine Schüssel unter sie gestellt, solange sie dort hängen. Erst wenn sie zustimmen, ein Schriftstück zu unterschreiben, in dem sie ihren Glauben verleugnen, werden sie heruntergelassen. Häufig erfolgen die Schläge der Wachen auf den Intimbereich der Praktizierenden. Oft können Frauen danach tagelang nicht laufen. Die „Kleine Zelle“, „Krümmen und Biegen“, „Straf-Stehen“, „im Quadrat hocken“ und „Elektroschocks“ sind einige weitere Beispiele für angewandte Foltermethoden. Die „Kleine Zelle“ bedeutet Isolationshaft in einer äußerst kleinen Zelle, bestückt mit einer Waschschüssel, die gleichzeitig als Toilette dient und ein Paar Handschellen. Die gefangen gehaltene Person wird mit Handschellen an die Tür gefesselt. Dabei gibt es für die Handschellen drei verschiedene Positionen. Die höchste Position erfordert es, dass der Arm senkrecht nach oben gezogen wird, die mittlere Position ist in Hüfthöhe und die niedrigste Position erlaubt es der Person, sich gerade hinzusetzen. Unter dem so genannten „Krümmen und Biegen“ versteht man, dass man 17-18 Stunden am Tag ständig den Kopf nach unten halten muss. Ausnahmen sind Essen, Schlafen und Toilette. Während des „Strafstehens“ wird man gezwungen, ununterbrochen vor einer Wand zu stehen. Essen, Schlafen und die Toilette bilden die Ausnahmen. Dieses Strafstehen dauert bis 01:00 oder 02:00 Uhr morgens und geht um 05:00 Uhr weiter. Viele Leute sind nach einigen Tagen solcher Bestrafung völlig ermattet. Dennoch werden sie gezwungen weiterhin zu stehen, manchmal mit Hilfe einer sog. „medizinischen Behandlung“. Wenn diese Bestrafung nicht die gewünschten Effekte bringt, gibt es noch andere Mittel und Wege, den Willen der Praktizierenden zu brechen. „Im Quadrat hocken“ zwingt die Person, in einem 30 x 30 cm großen Feld zu hocken. Werden die Markierungen auch nur ein wenig überschritten, wird heftig auf diese Person eingeschlagen. Die Falun Dafa-Praktizierenden müssen auf diese Weise 16 bis 17 Stunden verharren. Die Qualen, die diese Menschen erleiden, sind unvorstellbar. Eine weitere Foltermethode sind Elektroschocks mittels Hochspannung. Elektroschocker werden von den Wachen dazu benutzt, die Frauen an Brüsten und im Intimbereich zu drangsalieren. Sobald eine Praktizierende für diese Foltermethode abgeholt wird, müssen alle anderen Inhaftierten ihre Radios und Fernseher laut stellen, damit man nichts von den Schreien mitbekommt. Auf diese Weise sollen alle über dieses Verbrechen trotzdem informiert werden. Neben den Folterungen werden die Praktizierenden gezwungen, 15 bis 16 Stunden lang, bis zur völligen Erschöpfung, schwere Zwangsarbeit zu verrichten. Die Folterungen, die sie dabei noch ertragen müssen, dauern noch bis tief in die Nacht hinein. II. Psycho-TerrorGehirnwäsche: Die Polizei zwingt Praktizierende, ständig Nachrichten zu hören und zu sehen, die mit Tatsachen verdrehender Propaganda und gefälschten Umerziehungsberichten gefüllt sind. Verwandte und Nahestehende werden von der Polizei ebenfalls bedroht, unter Druck gesetzt und erhalten Strafen. Einmal wurden der Mann und die Tochter einer Praktizierenden zum Masanjia-Arbeitslager bestellt, damit sie die Praktizierende sehen konnten. Als sie dort ankamen, wurde ihnen ein Treffen jedoch verweigert. Erst wenn die Praktizierende eine Verzichts-Erklärung bezüglich Falun Dafa abgeben würde, dürften sie sie sehen. Nachdem die Praktizierende sich aber geweigert hatte, wurde sie geschlagen und beschimpft. In einem anderen Fall hielt man eine Praktizierende drei Monate länger fest, obwohl sie bereits ihre einjährige Haftstrafe abgesessen hatte. Ihr wurde damit gedroht, dass die Haftstrafe beliebig verlängert würde, falls sie ihre Einstellung nicht ändere und dies so lange, bis sie irgendwann zu Tode gefoltert werde. Danach würden sie ihren Tod als natürlich darstellen. Um die Falun Dafa-Praktizierenden in die Irre zu führen und sie von ihrem friedlichen Glauben abzubringen, gaben die Aufseher den Praktizierenden gefälschte und sinnentstellende Artikel von Herrn Li Hongzhi zu lesen und interpretierten sie willkürlich. III. Erschreckende Bedingungen im ArbeitslagerDen Inhaftierten wird meist verschimmelter Reis zu essen gegeben. Sie hausen eingezwängt zu Dutzenden in überfüllten Zellen. Zum Waschen steht lediglich eine Schüssel Wasser für alle zur Verfügung. Wenn weibliche Praktizierende ihre Menstruation bekommen, erhalten sie keinerlei Hygieneartikel, so dass sie ihre Kleidung ersatzweise verwenden müssen. Viele Praktizierende wurden gezwungen, schmutziges Wasser aus einem verseuchten Brunnen zu trinken, wonach sich alle Anzeichen einer Vergiftung einstellten. Wenn die Praktizierenden nach Masanjia kommen, ist es ihnen laut Haftbefehl erlaubt, sich im Falle einer ungerechten Behandlung zu beschweren. Die Polizei sagt jedoch, dass dieses nur für die zum Tode verurteilten Kriminellen gelte, Falun Gong-Praktizierende aber nicht dieses Recht hätten. Einige BeispieleLaut inoffizieller Quellen entledigten die im Masanjia Arbeitslager stationierten Polizisten 18 weibliche Falun Gong-Praktizierende ihrer Kleidung und warfen sie dann in Zellen, in denen sich männliche Mitgefangene befanden. - Die ca. 40-jährige Praktizierende, Frau Jia Naizhi, kam für 19 Tage und Nächte in die „Kleine Zelle“, weil sie sich weigerte, sich „umerziehen“ zu lassen. Sie wurde für sechs Tage und Nächte auf höchster Position angekettet, bis sie hohes Fieber bekam. Dabei schwollen ihre Fußknöchel auf die Größe einer Untertasse an, sodass sie ihre Beine nicht mehr beugen konnte und auf dem Boden kriechen musste, um sich zu erleichtern. Und selbst dann hörten die Folterungen nicht auf. In der Stadt Shenyang erreicht die Temperatur Mitte Oktober bereits den Gefrierpunkt. Dennoch ließen die Gefängnisaufseher die Fenster in ihrer Zelle weit geöffnet, weil sie angeblich wegen des stickigen Geruchs lüften mussten, um eine hygienische Umgebung zu gewährleisten. Als sie nach Wasser fragte, wurde es ihr verweigert. Ihre Bitte um wärmere Kleidung wiesen sie ebenso zurück. Nachdem Frau Jia Naizhi, einst völlig gesund, auf diese Art und Weise 19 Tage und Nächte lang gefoltert wurde, bekam sie ernsthafte Herzkomplikationen und wurde sehr gebrechlich. Weil sie ihren Glauben trotz allem nicht aufgeben wollte, sollte sie auf die nächste Folter vorbereitet werden, Elektroschocks. Aufgrund der Unregelmäßigkeit ihres Herzschlages wiesen die Ärzte darauf hin, dass dieses ihr Leben stark gefährden würde. Weil die Aufseher einen Todesfall fürchteten, sahen sie von dieser brutalen Folter ab.
- Frau Shen Roulin wurde mit „Krümmen und Biegen“ für ihren Glauben bestraft. Man zwang sie, 19 Tage lang durchgehend diese Haltung einzuhalten! Dabei entstand in ihrem Rücken solch ein Blutstau, dass ihre Augen gänzlich von Blut bedeckt waren und sie äußerlich furchtbar aussah. Ihr Körper war bis zur Unkenntlichkeit angeschwollen. Die Wachen verspotteten sie wie immer, während sie qualvoll litt. Sie sagten: „Schau, wie kann es dir so gehen, wenn du eine gute Person bist!“ Sogar unter solchen Umständen lehnte Shen eine „Umerziehung“ ab. So bereiteten die Polizisten die Behandlung mit Elektroschocks vor. Die Folter wurde erst eingestellt, nachdem man bei Frau Shen einen Herzfehler feststellte. Aufgrund ihres Entschlusses, ihren Glauben beizubehalten, wurde sie zu den Schwerstverbrechern ins Arbeitslager geschickt. Die Arbeit dauerte von 07:00 Uhr morgens bis 21:00 Uhr abends; oft wurde sie gezwungen, länger zu arbeiten.
- Die 29-jährige Praktizierende, Frau Lin Yan, ging vier Mal nach Peking, um sich für Falun Dafa einzusetzen. Sie wurde am 27. Oktober 1999 ins Arbeitslager geschickt. Um eine Verzichtserklärung zu erzwingen, stifteten Wachen vier Inhaftierte an, ihr Elektroschocks zu verpassen. Die Schocks sollten auf die Rippen zielen, während man ihr auf die Füße trat und ihre Arme lang zog, sodass sie sich nicht mehr bewegen konnte. Zusätzlich würgte man sie sogar. Anschließend kam sie ins Krankenhaus. Um zu vermeiden, dass Informationen an die Öffentlichkeit gelangten, durfte sie nicht von Familienangehörigen besucht werden. Sobald die Infusionen entfernt waren, nahmen die Wachen sie wieder mit ins Arbeitslager. Weder Ärzte noch Pflegepersonal des Krankenhauses stimmten ihrer Entlassung zu und betrachteten diese Tat als unmenschlich. Die Wachen erwiderten, dass sie sie zurückholen wollten, um andere dadurch zu erziehen. Sieben Tage nach ihrer Rückkehr ins Lager wurde sie zu harter Arbeit gezwungen.
- Frau Qi Yuling folterte man mit Stromstößen an ihren Brustwarzen. Sie befindet sich in Einzelhaft.
- Frau Zhao Xue wurde mit Stromstößen in Ohren, Genick und am Hals gefoltert. Man sperrte sie anschließend in Einzelhaft, zwei Tage und Nächte lang wurde ihr der Schlaf entzogen. Der leitende Beamte bemerkte zwar, dass sie erkrankt war, ignorierte dies jedoch. Anstatt ihr Hilfe zu leisten, verwendete er weiterhin jedes Mittel, um ihren Willen zu brechen. Wann immer sie um Hilfe bat, wurde es als Unruhestiftung angesehen. Falls sie sich weigerte zu sprechen, wurde sie als unkooperativ beschimpft und geschlagen. Die Aufseher ordneten bei anderen Gefangenen an, sie Tag und Nacht zu überreden, Falun Dafa aufzugeben. Der Psychoterror war unaufhörlich. Unter solchen Qualen erreichte Zhao Xues Blutdruck den Wert von 220/140. Anstatt medizinische Hilfe zu bekommen, musste sie unter Zwang bis Mitternacht stehen oder hocken.
- Während eines Treffens am 17. Januar 2000, bei dem auch Regierungsbeamte anwesend waren, sagte eine angeblich „umerzogene“ Falun Dafa-Praktizierende, dass die Aufseher wundervoll zu den Praktizierenden wären. Angeblich schlugen oder schrien sie nie und behandelten die Gefangenen wie ihre eigenen Kinder. Frau Zou Guirong stand unterdessen auf und erwiderte laut, dass das eine Lüge sei. Kaum hatte sie ihren Satz beendet, wurde ihr der Mund zugehalten. Einige „umerzogene“ Personen um sie herum zerrten sie an Haaren und Genick aus dem Raum. Der Vorsitzende der Polizei und des Komitees der Provinz Liaoning, Herr Ding Shifa, sagte zu diesem brutalen Vorfall, der die Aussage von Frau Zou bestätigte und das brutale Vorgehen deutlich zeigte, dass den „verwirrten“ Praktizierenden so geholfen werde. Er unterstützte das Vorgehen und lobte sie als besondere Hilfe. Mehr als tausend Falun Gong-Praktizierende wurden gezwungen, an diesem Treffen teilzunehmen.
- Während ihrer Zeit in Masanjia folterten sie Frau Zou Guirong immer wieder mit Schlägen und Elektroschocks. Ihr wurden Zahnstocher unter die Fingernägel ins Fleisch gebohrt. Nachdem ihr Körper von Wunden und Quetschungen übersät war, schrieben die Aufseher Herrn Li Hongzhis Namen auf ihren Arm und Rücken und zwangen sie dann, mit nacktem Oberkörper von einer Zelle zur anderen zu laufen.
Anmerkung: Das Masanjia-Umerziehungs- und Arbeitslager wird von den Behörden als ein „vorbildliches“ Arbeitslager für die „Umerziehung von Falun Gong-Praktizierenden“ bezeichnet. Das Personal dieses Lagers ist zu vielen anderen Arbeitslagern geschickt worden, um die dortigen Aufseher in ihre Foltertechniken einzuweisen, mit Hilfe derer die Falun Gong-Praktizierenden effektiver „umerzogen“ werden sollen. Das Ergebnis davon ist, dass solche brutalen Vergehen gegen Frauen mittlerweile aus vielen anderen Lagern berichtet werden. Nach dem Erlernen der „Umerziehungs-Techniken“ des Masanjia-Arbeitslagers sagte ein Polizist in Dalian zu lokalen Praktizierenden: „Wisst ihr, was 'Nachsicht' ist? 'Nachsicht' ist, wenn ihr vergewaltigt werdet und euch nicht beklagt!“ [Sie nehmen damit Bezug auf die Lehre von Falun Dafa, die auf dem Glauben an „Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht“ basiert.]
Die 48-jährige Oberinstrukteurin des Masanjia-Arbeitslagers, Frau Su Jing, wurde für ihren „sekundären Beitrag“ bei der Niederschlagung von Falun Gong während eines Nationalfeiertages ausgezeichnet. Sie sagte einmal: „Es ist wie Zuckerschlecken, sie [die Praktizierenden] umzuerziehen; ich habe viele Tricks auf Lager.“

|