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CHINESISCHE FÄLLE

Der Fall Ma Xuejun

Herr Ma Xuejun, ein Falun Gong- Praktizierender aus der Stadt Jiamusi, Provinz Heilongjiang, war ein Abteilungsleiter der Eisenbahnbehörde der Stadt Jiamusi.
Bevor er mit dem Praktizieren von Falun Gong begann, litt er an aplastischer Anämie. Durch das Praktizieren wurde er wieder gesund. Er richtet sich nach den Prinzipien "Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht," und bestand trotz der Verfolgung auf seinem Glauben. Deswegen wurde er aus seinem Amt entlassen. Außerdem wurde er noch mehrmals eingesperrt.

Am 12. Dezember 2002 wurde Ma Xuejun erneut unter Zusammenarbeit der Polizeibehörde der Stadt Jiamusi, der Polizeistation des Dongfeng Bezirks und der Eisenbahnpolizeistation, festgenommen. Unter der Anordnung von Chen Yongde und Chen Wanyou, jeweils Leiter und stellvertretender Leiter der Abteilung für Staatssicherheit der Polizeibehörde Jiamusi, versuchten die Polizisten ihn dazu zu bringen, gegen sein Gewissen ein vorgefertigtes „Geständnis“ zu unterschreiben. Sie folterten ihn mit Elektroschock-Stäben, drückten ein Stuhlbein auf seine Fußnägel und stülpten eine Plastiktüte über seinen Kopf, so dass er fast erstickt wäre. Nach drei Tagen konnte Ma Xuejun seine Beine kaum noch bewegen. Seine Fußnägel waren dunkelblau und gingen ab. Der Ringfinger seiner rechten Hand wurde verkrüppelt. Durch ein willkürliches Verfahren wurde Ma Xuejun zu 12 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Seine Klage gegen das Urteil wurde nicht vom Mittleren Volksgericht Jiamusi angenommen. Im August 2003 wollte die Polizei ihn ins Xianglan Gefängnis einliefern. Wegen seines schlechten Gesundheitszustandes lehnte das Gefängnis jedoch ab ihn anzunehmen. So wurde er ins Jiamusi Untersuchungsgefängnis zurückgebracht. Er wurde dort weiter gefoltert und zwangsernährt, wodurch sein Magen verletzt wurde. Seitdem erbricht er und kann nichts mehr essen. Sein Zustand ist äußerst kritisch.

 

Ma Xuejun nach seiner letzten Verhaftung.


Telefonnummern der verantwortlichen Behörden in Jiamusi:
0086-454-
Polizeibehörde, Abteilung für Politik und Sicherheit: 8298185
Untersuchungsgefängnis: 8782759
Büro 610: 8607442
Video online: http://media1.minghui.org/media/video/2004/1/10/ma-xuejun.rm

 

Der Fall Xiong Wei

Mein Erlebnis

Mein Name ist Frau Xiong Wei, geboren am 8. Dezember 1970. Mein Vater ist Doktor und Chefingenieur, er ist jetzt pensioniert. Bereits seit Anfang der 80-er Jahre arbeitete er mit Deutschen zusammen. Meine Mutter ist Kinderärztin und jetzt pensioniert. Von 1992 an studierte ich an der TU Berlin die Fachrichtung Wirtschaftsingenieurwesen. Im Jahr 2000 arbeitete ich bei der Firma Buderus in Wetzlar. Im gleichen Jahr kehrte ich nach China zurück und arbeitete bei Buderus in Peking.
Am 5. Januar 2002 wurde ich auf einer Straße in Peking verhaftet, weil ich Flyer über die Verfolgung von Falun Gong verteilte. Ich wurde dann zwei Jahre lang im Untersuchungsgefängnis, in der Sammel- und Verteilstelle und im Pekinger Frauenarbeitslager eingesperrt.
Am 4. Januar 2004 wurde ich freigelassen. Nach der Freilassung stand ich ständig unter Kontrolle und Überwachung.
Am 28. September 2004 kam ich in Frankfurt am Main an. Endlich bin ich wieder frei und ich bedanke mich herzlich für alle Hilfe von der deutschen Regierung und den deutschen Bürgern für ihren Einsatz für meine Freiheit. Nachfolgend sind meine Erlebnisse mit dem Praktizieren von Falun Gong vor und nach der Verfolgung von Falun Gong seit 1999 geschildert.

Der Anfang vom Falun Gong Praktizieren:

Ich war von klein auf sehr gesundheitsanfällig und suchte deswegen nach Wegen zur Gesundheitsverbesserung. Da ich wegen meiner Schwäche keinen Sport treiben konnte, war ich sehr an Qi Gong interessiert. Nachdem ich 1997 in Berlin probeweise Übungen von Falun Gong praktiziert hatte, verschwand meine Schlaflosigkeit. Die Kopf- und Magenschmerzen haben sich auch gebessert. Ich las das Buch  „Zhuan Falun“ und erfuhr, dass man sich nach den Prinzipien „Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht“ orientieren soll, wenn man Falun Gong praktizieren will. Ich dachte mir, dass ich auch so ein guter Mensch sein möchte. So fing ich an, Falun Gong zu praktizieren.

Anfang der Verfolgung von Falun Gong 1999

Als Falun Gong im Juli 1999 in China verboten wurde, war ich noch in Deutschland. Meine Eltern schickten mir aus China einen Stapel Zeitungsartikel. Es war alles negative Propaganda der chinesischen Medien über Falun Gong. Wegen solcher Propaganda machten sich meine Eltern große Sorgen um mich.
Ich beschloss, über diese Sache gründlich und selbständig nachzudenken.  Ich machte Tür und Fenster zu, zog das Telefonkabel heraus und erinnerte mich daran, was ich seit dem Beginn des Praktizierens von Falun Gong alles gemacht hatte: Ich habe Bücher von Falun Gong gelesen, manchmal alleine zu Hause, manchmal mit anderen Praktizierenden; ich habe die Übungen von Falun Gong gemacht, manchmal alleine, manchmal am Wochenende mit anderen im Tiergarten in Berlin; ich habe mich auch mit anderen Praktizierenden über meine Erfahrungen beim Praktizieren ausgetauscht, manchmal am Telefon, manchmal auf einer Konferenz zum Erfahrungsaustausch. Aus allen meinen Erfahrungen heraus konnte ich beurteilen, dass die Propaganda der chinesischen Medien nicht den Tatsachen entsprach. So entschied ich mich, Falun Gong weiterhin zu praktizieren.

Rückkehr nach China im Jahr 2000 bis zur Festnahme 2002

Ich glaube aus vollem Herzen an die Kultivierungsprinzipien. Kurz bevor die Verfolgung anfing, bekam ich einen Arbeitsplatz bei Buderus in Peking. Das hieß, dass ich weiter in meinem Beruf bei Buderus arbeiten würde. Ich wusste, dass es die Verfolgung gab, aber ich wollte dem natürlichen Lauf des Lebens folgen, wie unser Lehrer Li Hongzhi geschrieben und gelehrt hat.
Meine Eltern sind relativ alt. Ich wollte auch für sie sehr gerne etwas tun. Ich dachte auch, dass die Verfolgung völlig falsch sei und deshalb auch irgendwann beendet werden würde. So kehrte ich im August 2000 nach China zurück und arbeitete bei der deutschen Firma Buderus in Peking. Ein Kollege von mir, ein junger Ingenieur, sagte mir, dass die Behörden sehr hart gegen Falun Gong vorgehen würden. Die Polizei dürfe auf der Strasse willkürlich die Taschen von Passanten durchsuchen. Wenn Bücher oder andere Gegenstände von Falun Gong bei ihnen gefunden würden, würde man sofort, ohne jegliche Formalitäten verhaftet und in den schon wartenden Polizeiwagen gesteckt. „Viele Leute wagen deswegen nicht auf die Straße zu gehen. Das ist wie eine zweite Kulturrevolution“, sagte er.
Nach dem Verbot von Falun Gong im Juli 1999 wurden im Fernsehen in den Hauptzeiten statt Fernsehserien ausschließlich verleumderische Berichte über Falun Gong gesendet. Um die Regierung über die tatsächliche Natur von Falun Gong zu informieren, gingen viele Falun Gong-Praktizierende zur Petitionsbehörde in Peking. Sie wurden jedoch sofort verhaftet und abgeführt und später von Beamten aus ihrer Heimat in die jeweilige Region zurückgebracht, wo sie dann entweder ins Arbeitslager gesteckt oder zu Freiheitsstrafen verurteilt wurden. Unter diesen Umständen  fand ich es sinnlos, zur Petitionsbehörde zu gehen. Verleumdungen über Falun Gong überfluteten in Zeitungen, Radio, Fernsehen und Internet die Menschen im ganzen Land. Falun Gong-Bücher wurden verbrannt, Internetseiten, die über die Verfolgung von Falun Gong berichteten, gesperrt. Die Menschen in China hatten fast keine Chance, andere Stimmen über Falun Gong zu hören. So fing ich an, Flyer an die Menschen zu verteilen, um die chinesischen Bürger darüber zu informieren, was Falun Gong wirklich ist und wie die Falun Gong-Praktizierenden im Arbeitslager oder Gefängnis gefoltert und auch getötet werden.

Meine Festnahme am 5. Januar 2002

Als ich am 5. Januar 2002 im Bezirk Haidian in Peking Flyer verteilte, wurde ich von drei Zivilpolizisten verfolgt. Auf einer Fußgängerbrücke nahmen sie mich mit Gewalt fest, ohne dabei irgendein Ausweis-Papier vorzuzeigen. Ich wurde in ein Taxi gesteckt und zu einer Polizeiwache gebracht. Die drei Zivilpolizisten registrierten dort die Festnahme und ihre Namen. Sie trugen ein, dass sie mich, eine Falun Gong-Praktizierende, festgenommen hatten (Für jede Festnahme von Falun Gong-Praktizierenden bekommen sie eine bestimmte Belohnung). In der Polizeiwache wurde ich in einen sehr kleinen Käfig gesperrt. Ich konnte darin nur stehen. Etwa sechs Stunden lang bekam ich nichts zu Essen und Trinken und durfte auch nicht auf die Toilette gehen. Nachts um etwa 12 Uhr wurde ich ins Untersuchungsgefängnis des Bezirks Haidian gebracht.

Untersuchungsgefängnis des Bezirks Haidian vom 6. Januar 2002 bis 12. März 2002


Nach gesetzlichen Vorschriften darf man in China höchstens 30 Tage lang im Untersuchungsgefängnis eingesperrt werden. Ich wurde dort jedoch über zwei Monate lang festgehalten, unter folgenden Bedingungen:

(1) Lebensbedingungen

Für Neulinge in der Zelle gab es keine Zahnbürste und kein Toilettenpapier. Ihnen wurde eine Zahnbürste gegeben, die bereits von zahlreichen Leuten benutzt worden war. Toilettenpapier konnte man nur von anderen ausleihen. Zum Haare waschen gab es kein Shampoo und man konnte nur ein normales Waschmittel benutzen. Die Toilette war völlig offen. Wenn man sich waschen wollte, musste man mit einer Schüssel Wasser holen und sich an der Toilettengrube waschen. Direkt oberhalb der Toilette war ein Überwachungsgerät. Der ganze Raum stand unter Überwachung.

(2) Essen

Es gab jeden Tag nur zwei Malzeiten: Dampfbrot und salzige Kohlsuppe.
In der Suppe war Mäusekot und verschiedene Würmchen, schwarz oder weiß, mit und ohne Füße. In der Woche gab es zweimal Sellerie. Aber es war immer zu salzig gekocht und man fand im Sellerie fast jedes Mal Strohschnüre, mit denen der Sellerie gebunden gewesen war.

(3) Schlafen

Ich wurde in die Zelle 10, Zone 1, gesperrt. In dieser Zelle waren maximal 23 Frauen. Essen, Notdurft verrichten und Schlafen, alles fand in der Zelle statt. Es gab in der Zelle nur ein langes Holzbrett. Tagsüber saß man auf dem Brett, nachts war es dann das Bett. Das Brett war in drei Teile eingeteilt. Die Leute des 1. und 2. Teils schliefen Kopf zu Kopf, die Leute des 2. und 3. Teils schliefen Fuß zu Fuß. Da es zu wenig Platz und zu viele Leute gab, mussten die Leute des 2. und 3. Teils beim Schlafen ihre Beine kreuzen. Oftmals waren die Beine von der anderen Seite bis über meine Knie hinaus ausgestreckt.

(4) Eingriff und Beschlagnahme von Privateigentum

Während der zwei Monate wurde ich vom 11. Januar 2002 bis 26. Januar 2002 für zwei Wochen zu einem Umerziehungskurs außerhalb des Gefängnisses gebracht (Siehe Nr. 5 weiter unten). Als ich nach zwei Wochen wieder zum Gefängnis zurück gebracht wurde, hatte der Polizist Zhu Feng, Teamleiter der Abteilung für Staatsschutz der Polizeibehörde Haidian, meine Armbanduhr, mein Portemonnaie und meinen Schal entgegen den Dienstvorschriften nicht bei der Registrierstelle angemeldet. Er behauptete, er würde die Sachen für mich aufbewahren. Als meine Angehörigen später von ihm meine Sachen verlangten, sahen sie gleich, dass er meine Uhr am Arm trug.
Drei Tage nach meiner Festnahme, am 8. Januar 2002, wurde die Wohnung meiner Eltern durchsucht. Mein Zimmer wurde von verschiedenen Polizisten sieben mal durchsucht. Als ein Polizist einen Beutel von ausländischen Münzen fand, die mein Bruder früher gesammelt hatte und ihn mitnehmen wollte, fragte ihn meine Mutter: „Hat das (die Münzen) auch etwas mit Falun Gong zu tun?“ Ein anderer Polizist stieß daraufhin seinen Kollegen mit dem Ellenbogen an. Da stellte der Polizist den Münzbeutel heftig auf den Esstisch zurück. Die Polizei fand noch einen Plastikhandschuh, den mein Vater zum Färben seiner Haare benutzte. Sie fotografierten den Handschuh als Beweisstück für meine „Verbrechen“ und nahmen ihn mit. Meine Eltern erklärten ihnen immer wieder, dass ich diese Handschuhe  nie benutzt hätte. Die Polizei wollte dies einfach nicht hören.

(5) Gehirnwäsche

Während der zweiwöchigen Haft, vom 11. Januar 2002 bis 26. Januar 2002, im Umerziehungskurs wurde ich von 12 Leuten überwacht: fünf Umerziehungshelfern, zwei Sicherheitskräften, die anderen fünf waren gewöhnliche Polizisten. Sie arbeiteten in drei Schichten. Ich durfte weder sitzen noch stehen oder schlafen, ich musste immer mit gesenktem Kopf hocken, meine Hände mussten hinter dem Kopf bleiben. Während der Regelblutung durfte ich keine Hygieneartikel benutzen. Sie erlaubten mir auch nicht, auf die Toilette zu gehen und Wasser zu trinken. Als meine Hose von Blut durchtränkt war, beschuldigten sie mich noch, ich hätte den Platz schmutzig gemacht.
Die fünf Umerziehungshelfer wiederholten unaufhörlich Verleumdungen gegenüber Falun Gong. Als ich ihnen nicht zuhören wollte und die Körperstrafe ablehnte, schlugen und traten sie auf mich ein. Zum Schluss stieß ich meinen Kopf gegen die Wand, um gegen ihre Behandlung zu protestieren. Sofort kamen die Polizisten von nebenan. Zhu Feng, Teamleiter der Abteilung für Staatsschutz der Polizeibehörde Haidian, herrschte mich an, ich hätte mich dem Gesetz widersetzt und weitere Verbrechen begangen. Später wurde ich in den benachbarten Raum gebracht, in dem mindestens vier Polizisten waren, einschließlich einer Polizistin. Ich verweigerte erneut die Umerziehung und schrieb „Falun Dafa ist ein aufrichtiger Weg. Auch wenn ich sterben muss, lasse ich mich nicht umerziehen!.“
Daraufhin zerrte mich ein junger Polizist namens Du Chong zu einer Zimmerecke. Er drückte meinen Nacken so tief nach unten, bis meine Stirn die Knie berührte. Ich lehnte mit dem Rücken an der Wand. Meine Arme wurden nach oben bis zur äußersten Grenze gestreckt und sollten die  Wand berühren. Als ich mich wehrte, wurde ich von Du Chong geschlagen. Gleichzeitig beschimpfte mich Zhu Feng und schrie mich an. Ich hörte ihn sagen: „Wenn du die Verzichtserklärung nicht unterzeichnest, breche ich deine Finger einen nach dem anderen. Ich übergieße dich mit einer Kanne kochendem Wasser, so dass du gargekocht wirst!“ Nachdem ich wieder zum Untersuchungsgefängnis zurückgebracht wurde, war ich neun Tage lang schwer krank, es tat mir am ganzen Körper weh und ich hatte Fieber, Durchfall und Husten. Vor dem Schlafen musste ich immer über eine Stunde husten, ich konnte das nicht unterdrücken.

Sammel- und Verteilstelle vom 12. März 2002 bis 18. April 2002

Am ersten Tag, am 12. März 2002, in der Sammel- und Verteilstelle wurde ich gezwungen, fast einen Tag lang in der Hocke zu bleiben. Als Folge davon sind meine Beine taub geworden. Oberhalb der Knie hatte ich kein Gefühl mehr.
Nach den Vorschriften soll man hier die Regeln der Arbeitslager lernen und ausüben. In Wirklichkeit geschah dies jedoch nur kurz vor einer Inspektion durch höhere Instanzen. Wir arbeiteten den ganzen Tag und sollten abends um 9 oder 10 Uhr anfangen, die Regeln zu lernen. Am Tag der Inspektion durften wir weder arbeiten noch auf die Toilette gehen, bis die Inspektoren wieder gingen.
Ansonsten mussten wir schwere Arbeit leisten: Stäbchen einpacken. Jeder sollte täglich mindestens 6.000 Paar Esstäbchen einpacken. Einmal erledigte mein Team die Arbeit am schnellsten. Ohne Hände zu waschen, Zähne zu putzen und auf die Toilette zu gehen, gingen wir sofort ins Bett. Es war schon nachts 12 Uhr. Manche Teams mit mehr älteren Frauen waren um 2 Uhr oder 3 Uhr nachts noch nicht mit der Arbeit fertig. Sie haben geweint und gleichzeitig gearbeitet.
Jeden Tag fingen wir gleich nach dem Frühstück an zu arbeiten. Unser Bett, das Holzbrett war die Arbeitsfläche. Wir saßen auf einem harten Plastikkinderstuhl und mussten unsere Beine unter das Bett strecken. Täglich fühlten wir uns alle nach über zehn Stunden harter Arbeit in einer solchen Position völlig kaputt. Da der Kinderstuhl so hart war, bekamen viele Praktizierende auf dem Hintern dunkelrote dicke Schwielen. Zwischendurch durften wir nur einmal Wasser trinken. Da es zu wenig Wasser für so viele Leute gab, bekam ich jedes Mal nur zwei Schluck davon. Nach dem Mittagessen machten wir sofort mit der Arbeit weiter. Keine Pause war gestattet. Ich war immer zwischen 16 Uhr bis zum Abendessen besonders belastet. Ich musste den Durst aushalten, Urin zurückhalten und blitzschnell arbeiten. Jeden Abend nach der Arbeit unterzog die Polizei noch die Zelle und unsere Körper einer gründlichen Untersuchung. Die Bettdecken wurden entfaltet und das Brett wurde hochgehoben.
In der Sammel- und Verteilstelle merkte ich, dass die Polizei mich anders behandelte als andere Falun Gong-Praktizierende. Sie zeigten bei Gesprächen mit mir eine freundlichere Miene. Andere Praktizierende schrieen sie jedoch willkürlich an, schimpften mit ihnen und straften sie. Ich erkannte allmählich, dass Praktizierende im Ausland für mich appellierten. Deswegen spielte die Polizei mir etwas vor und behandelte mich freundlicher.
In Wirklichkeit wurde ich jedoch wie andere Falun Gong-Praktizierende in gleichem Maße misshandelt, nur die Art und Weise war nicht so offensichtlich. Beispielsweise sollte von jedem Team eine Person Kartons mit eingepackten Stäbchen zum Erdgeschoss transportieren und anschließend die unbearbeiteten Stäbchen, 25 Kilo pro Packung, in den 2. Stock hinauf tragen. In anderen Teams machte man das abwechselnd. In meinem Team wurde ausschließlich ich dazu abgeordnet. Einmal habe ich gerechnet: Ich musste 4-7 Runden gehen, bei jeder Runde 4-6 mal die 25 Kilo Stäbchen von oben nach unten und die unbearbeiteten wieder von unten nach oben tragen. Auch wenn ich meine Regelblutung hatte, sollte ich diese Arbeit machen. Mit dieser Methode versuchte die Polizei, meinen Willen zu brechen.
Viele Praktizierende wurden in der Sammel- und Verteilstelle mit der Folter „am Brett festbinden“ misshandelt (Hände und Füße werden an die vier Ecken des Bettbretts festgebunden). Ich hörte von anderen Praktizierenden davon und lernte auch persönlich Praktizierende kennen, die dieser Folter ausgesetzt waren. Sie waren meistens über 20 Tage lang auf diese Weise festgebunden. Jeden Tag wurde ihnen maximal einmal erlaubt, auf die Toilette zu gehen. Während der Regelblutung wurden den Praktizierenden die Unterhose ausgezogen und es wurde ein Plastiktuch darunter gelegt.
Eine etwa 20-jährige Praktizierende namens Li Yuanzheng wurde besonders grausam gefoltert. Die Polizistinnen nannten sie „die kleine Irre“. Als sie am ersten Tag an der Sammel- und Verteilstelle ankam, rief sie laut „Falun Dafa ist gut“. So wurde sie unter der Leitung der Polizistin Wang Chao  mit acht Drogenabhängigen und zwei anderen Häftlingen in einen Raum gesperrt. Unter der Anordnung von Wang Chao zogen die Kriminellen Li Yuanzheng nackt aus. In ihren Mund wurden die Unterhose und Socken gesteckt. Die Kriminellen schlugen die Praktizierende zusammen. Besonders grausam war, dass sie mit der harten Plastiksohle ihrer Sportschuhe heftig in die Schamgegend von Li Yuanzheng traten. Die zwei anderen Häftlinge waren entsetzt von dieser Folterszene. Nach der Folter lag Li Yuanzheng 20 Tage lang im Bett. Als ich sie sah, bewegte sie sich sehr langsam, reagierte nicht auf die Umgebung und antwortete nicht auf Fragen. Sie wurde am gleichen Tag wie ich, also am 18. April 2002, ins Frauenarbeitslager gebracht.
Eine andere Falun Gong-Praktizierende namens Xue Baoling, die bereits über 60 Jahre alt war und aus dem Fangshan Bezirk von Peking kommt, wurde von drei Polizistinnen geschlagen, weil sie die Umerziehung verweigerte. Zwei Polizistinnen standen an ihrer Seite, drückten fest gegen ihre Schultern, zogen ihre Arme auf den Rücken und traten gleichzeitig auf ihre Füße. Die andere Polizistin zog ihre Schuhe aus und schlug damit heftig auf die Schultern und den Nacken von Frau Xue ein. Als Folge davon konnte sie während der Haft in der Sammel- und Verteilstelle und später im Arbeitslager zwei Monate lang ihren Kopf nicht hochheben und ihren Nacken nicht drehen. In der Sammel- und Verteilstelle und auch später in Arbeitslager wurden Falun Gong-Praktizierende hauptsächlich von Drogenabhängigen überwacht.
Dass wir absolut kein Wort sprachen, auch wenn es um eine ganz normale Frage wie: „Kannst du mir das Glas reichen?“ ging, wurde beanstandet. Jeden Tag hörte man andauernd, wie Falun Gong-Praktizierende von Polizisten oder Drogenabhängigen angeschrieen und beschimpft wurden.

Im Beijinger Frauenarbeitslager vom 18. April 2002 bis 4. Januar 2004

Das Beijinger Frauenarbeitslager liegt am Tiantanghe, Stadtgebiet Daxing. Am 18.04.2002 wurden insgesamt 100 Praktizierende von der Sammel- und Verteilstelle ins Arbeitslager geschickt. Am ersten Tag im Arbeitslager wurden wir gezwungen, sehr lange zu hocken und danach Paradeschritt zu üben. Beim „Training“ wurden wir gezwungen, lange auf einem Bein zu stehen. Wenn unsere Körper schwankten oder wir es nicht mehr aushalten konnten und das andere Bein niedersetzten, beschimpfte uns die Polizei mit Androhung von noch mehr Strafen. Beim Abendessen gab es nur Dampfbrot und eingelegtes Gemüse. In der Nacht wurde uns der Schlaf entzogen. Jede Falun Gong-Praktizierende wurde von einer Polizistin und zwei Umerziehungshelferinnen begleitet, die versuchten, sie umzuerziehen. Die Hauptaufgabe des Arbeitslagers gegenüber Falun Gong-Praktizierenden ist, sie umzuerziehen.
Am nächsten Morgen brachte die Polizei mich und andere Praktizierende, die mit mir zusammen gekommen waren, darunter Xue Baoling, Zhang Liqian, Xu Yinqiu, Zhao Guomin, Zhang Cuihua u .a. zum „Trockenraum“ und belegte uns mit einer körperlichen Strafe. Die Polizistinnen Du Jingbin, Song Lili, Huo Xiuyun und Gao Yanfei waren anwesend. Zuerst wurden wir gezwungen, 500 Kniebeugungen zu machen. Niemand von uns konnte das schaffen. Wir haben nur 100 gemacht. Als wir 70 bis 80 gemacht hatten, hatten wir alle ein brennendes Gefühl im Oberschenkel und es tat uns sehr weh. Dann wurden wir gezwungen, Liegestütze zu machen und „Schubkarren zu schieben“ (zwei Personen bildeten eine Gruppe. Die vordere stützt den Körper mit zwei Armen auf dem Boden. Die hintere Person hebt die Beine der vorderen und schiebt sie nach vorne.). Wir mussten auch immer wieder aus der Rückenlage aufsitzen und wieder in die Rückenlage fallen und auf einem Bein stehen. Am Nachmittag mussten wir auch noch Erde ausgraben.
Als dieser Tag vergangen war, hatten manche Praktizierende große Blutblasen am Hintern bekommen. Niemand konnte mehr normal laufen. Beim Treppen hinaufgehen musste man sich zuerst zur Seite neigen und dann ein Bein mit der Kraft des ganzen Körpers nach oben schleppen. Bei jeder Mahlzeit ächzten wir, weil wir den unteren Arm mit der Kraft der Schulter und der anderen Körperteile auf den Tisch hieven mussten. Am schwierigsten war es, auf die Toilette zu gehen. Beide Beine waren so schwer und schmerzhaft, dass wir gar keine Kraft hatten zu hocken und wieder aufzustehen. Man musste sich mit beiden Händen auf der Seite abstützen und dann den Körper langsam niederlassen. Danach wieder die Seiten fassen um den Körper mit ganzer Kraft nach oben zu ziehen. Manchmal halfen wir uns gegenseitig. Die Drogenabhängigen überwachten, ob wir miteinander sprachen. Sie beschimpften uns oft grundlos.
Ich sah, dass Zhang Liqian in eine Einzelzelle gegenüber dem Raum der 9. Gruppe (die so genannte 10. Gruppe) eingesperrt wurde, weil sie sich nicht umerziehen ließ. Sie wurde von den Drogen-Gefangenen und Umerziehungshelferinnen Tag und Nacht überwacht. Sie wurde 30 bis 40 Tage lang zum Hocken gezwungen, wobei ihr der Schlaf entzogen wurde. Sie durfte die Haare nicht waschen und nicht duschen. Alle paar Tage durfte sie auf die Toilette. Mehrmals hat sie Stuhlgang in die Hose gemacht und uriniert. Um die unheimlichen Schmerzen in den Beinen zu lindern, hat sie sich mit den Fäusten gegen den Boden gestützt, so dass ihre Handgelenke blau und schwarz wurden. Eine Drogen-Gefangene namens Huang Ping war lesbisch. Dies war der Polizei auch bekannt. Die Polizei schickte sie mit Absicht in der Nacht zu Zhang Liqian, um sie zu überwachen. Huang Ping hat sie sexuell belästigt.
An einem Nachmittag wurde Zhang zum Waschraum gebracht. Wir haben zwei entsetzliche Schreie gehört. Sofort verboten die Polizei und die Drogenabhängigen uns, aus dem Zimmer hinauszugehen. Erst viel später erfuhren wir, dass eine Umerziehungshelferin namens Li Yanfeng (sie war Lehrerin der Tianzhu Grundschule im Stadtgebiet Shunyi, Beijing, in der Nähe vom Pekinger Flughafen) Zhang Liqian in die Rippen auf der rechten Seite getreten hatte, so dass Zhang vor Schmerzen schrie. Li Yanfeng äusserte die Idee, Zhangs Mund mit einem Waschlappen zu verstopfen, ihr die Hände zusammenzubinden und sie dann weiter zu schlagen. Zhang hatte das gehört und aus Schreck zum zweiten Mal geschrieen. Später brachte die Polizei sie zweimal zum „Tuanju Gebäude“, um sie weiter zu foltern. Das ist ein isoliertes Gebäude, in dem die Polizei Falun Gong-Praktizierende oft grausam foltert. Die meiste Zeit bekam Zhang zu den drei Mahlzeiten jeden Tag nur Dampfbrot aus Mais und eingelegtes Gemüse. Die drogensüchtigen Gefangenen, die sie überwachten, nahmen ihr stets einen Teil ihres eingelegten Gemüses weg. In der ersten Hälfte des Monats August 2003 war die Haftzeit von Zhang abgelaufen. Aber gerade in der Nacht vor diesem Termin wurde sie von der Polizei im Arbeitslager und von Mitarbeitern des Büro 610 gekidnappt. Frau Zhangs Verbleib ist bislang unbekannt.
Zhang Yijie, etwa 50 Jahre alt, mit Universitätsabschluss, war stellvertretende Leiterin einer Abteilung des Ministeriums für Außenhandel. Ihr Mann war Diplomat in osteuropäischen Ländern. Sie hat einen Sohn und eine Tochter, die schon erwachsen sind und die Universität besucht haben. Im Jahr 2000 wurde sie ins Arbeitslager gesteckt. Da sie es ablehnte, auf Falun Gong zu verzichten und die ganze Zeit über an ihrem Glauben an “Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit, Nachsicht“ festhielt, wurde sie von den Polizistinnen unter der Leitung von Jiao Xuexian und Huai Chunhong grausam gefoltert. Ihr wurde der Schlaf entzogen. Harte Schläge und Folter mit Elektroschocks waren an der Tagesordnung. Ihr wurde mehrere Tage lang das Essen, Trinken und der Toilettengang verboten. Niemand, außer denjenigen die sie überwachten, durfte Kontakt mit ihr haben. Das Fenster der Einzelzelle, wo sie eingesperrt war, wurde mit Zeitungspapier beklebt und der Vorhang war immer zugezogen. Aber das alles konnte sie nicht bewegen. Auch die Polizei musste zum Schluss zugeben: „Wir können mit ihr nichts mehr machen.“ Ich habe mit eigenen Augen gesehen, dass sie erst nach zwei Uhr in der Nacht schlafen durfte. Auch beim Toilettengang wurde sie von bestimmten Drogen-Gefangenen begleitet. Als ich sie sah, sah sie sehr bedrückt aus. Sie hatte einen starren Blick. Ihre Ausdrucksfähigkeit war abgeschwächt worden. Ihre ganze Stimmung war äußerst bedrückt. Jedoch war sie schlank und wohlgestaltet. Von hinten sah sie wie eine Frau mit 18, 19 Jahren aus. Ihre Gesichtshaut war fein und hell und ohne Falten, wie jemand über 20. Zwei Monate vor dem Entlassungstermin wurde ihre Haftzeit von der Polizei verlängert. Sie wurde anschließend zu der sogenannten „Konzentrationsgruppe“ geschickt, wo sie verstärkt gefoltert wurde. Ende August 2003 habe ich sie nochmals aus einer großen Entfernung gesehen. Ihr Rücken war sehr bucklig. Sie lief mit gebeugtem Rücken. Ihr Gesicht war ausdruckslos. Ihre Augen konnten sich gar nicht auf einen Punkt konzentrieren. Sie sah so aus wie eine über 60-jährige. Zur Zeit sitzt sie immer noch im Pekinger Frauenarbeitslager mit einer unbefristeten Haftzeit.
Lang Dongyue, Bäuerin des Stadtgebiets Yanqing, Peking, hatte von Kindheit an Schuppenflechte am ganzen Körper und Asthma. Über dutzende von Jahren hatte sie alle möglichen Heilmethoden ausprobiert, ohne Erfolg. Auch wenn sie nur zehn Minuten liegend hätte schlafen können, wäre sie schon glücklich gewesen. Sie konnte gar keine Feld- und Hausarbeit machen. Nachdem sie anfing Falun Gong zu praktizieren, waren die Krankheiten und Schmerzen nach einer sehr kurzen Zeit verschwunden, ohne dass sie ein Cent dafür bezahlt hatte. Als die chinesische Regierung anfing, Falun Gong zu unterdrücken, ging sie zum Petitionsbüro. Sie wollte dort ihre eigenen Erlebnisse erzählen. Im Untersuchungsgefängnis hörte die Polizei ihr nicht nur nicht zu, sondern sie hängten sie auch noch am Korbständer auf, wobei sie ihre Fußsohlen eineinhalb Stunden lang mit Elektrostäben schockten. Die Polizei sagte, dass die zum Tode verurteilten Gefangenen dies höchstens eine Stunde aushalten können. Im Arbeitslager mobilisierte die Polizei mehrmals über zehn wegen Drogendelikten inhaftierte Gefangene, einschließlich Homosexueller, um in dem Raum der „10. Gruppe“ auf sie einzuprügeln. Sie wurde dort auch sexuell belästigt. Später wurde ihr das Essen verboten und der Schlaf entzogen. Sie durfte nicht sitzen, sondern nur stehen. Sie wurde so gequält dass sie todmüde war. Beim Stehen verlor sie das Bewusstsein und stürzte auf den Boden. Die Polizei ließ die Drogen-Gefangenen sie hochziehen, wobei sie Frau Lang willkürlich beschimpften, schlugen und traten. An einem Morgen ging eine Polizistin namens Huo Xiuyun, gleich nachdem sie zur Arbeit gekommen war, zu der Einzelzelle, wo Lang eingesperrt war. Sie beleidigte sie und gab ihr Ohrfeigen.  Als sie aus der Tür hinausging, trat sie auf einen Nagel, so dass sie vier, fünf Tage lang hinkend gehen musste. Von da an, sobald sie den Namen Lang Dongyue hörte, zeigte sie eine abscheuliche Grimasse und böse Blicke. Sie hasste Frau Lang bis ins Mark. Kurz vor Langs Entlassungstermin wurde sie zur Konzentrationsabteilung geschickt. Frau Langs Haftstrafe wurde unbefristet verlängert.
Liu Fangfang, eine Ärztin, stammt aus einer Kaderfamilie. Weil sie das „Geständnis“, das die Polizei sie zu unterschreiben gezwungen hatte, nachträglich für ungültig erklärte, wurde sie von der 3. Einheit in die 6. Einheit verlegt, in der hauptsächlich Drogensüchtige eingesperrt waren. Ich habe gehört, dass ihr der Schlaf entzogen wurde. Sie wurde gezwungen, bewegungslos zu stehen. Um sie noch grausamer zu foltern, hatte die Polizei viele Schüsseln Wasser neben ihr aufgestellt. Als sie vor extremer Müdigkeit umfiel, stürzte sie ins Wasser. Danach ließ die Polizei sie mit nassen Kleidern sechs Tage und sechs Nächte lang dort stehen. Ihre Haftzeit wurde um weitere sechs Monate, bis zum 04.10.2003, verlängert. Angesichts von solchen unmenschlichen Folterungen, Misshandlungen und Demütigungen können manche Praktizierende nicht durchhalten, sie gaben dann gegen ihren eigenen Willen ihre Unterschrift der Umerziehung. Die Polizisten wissen ganz genau, dass viele Praktizierende nicht wirklich auf das Praktizieren von Falun Gong verzichtet hatten, deshalb trauten sie keinem von uns. Sie zwangen die Praktizierenden nach Abgabe ihrer Unterschrift zur „Umerziehung“ dazu, die anderen Praktizierenden zu schlagen und zu beschimpfen, um dabei zu helfen sie ebenfalls zur Umzuerziehung zu veranlassen  und dazu zu bringen Falun Gong zu verleumden. Dies sehen sie dann als Beweis an, dass diese Praktizierenden gründlich umerzogen worden waren. (Anm. d. Red.: Falun Gong ist eine buddhistische Meditationsschule bei der Gewaltlosigkeit ein wichtiger Grundsatz ist. Selbst wenn Praktizierende geschlagen werden, schlagen sie nicht zurück.)
Im Sommer 2002 gab es in der 3. Einheit im Frauenarbeitslager (wo auch ich mich befand) etwa 120 Gefangene. 70 bis 80 Falun Gong-Praktizierende haben eine nachträgliche Erklärung geschrieben, dass ihre Unterschrift Falun Gong aufzugeben ungültig sei und gaben diese beim Wachpersonal ab. Dies erschütterte das „Amt für Umerziehung durch Arbeit“. Das Amt für Umerziehung durch Arbeit schickte den Leiter der Umerziehungsabteilung, Xu Kaixuan, zu unserer Einheit, der mir persönlich sagte, dass die Regierung jedes Jahr für die Verfolgung von Falun Gong mehr als hundert Millionen Yuan ausgebe. Im Jahr 2003 haben mehr als 20 der 32 Falun Gong-Praktizierenden in der 3.Einheit auch ihre „Geständnisse“ und Unterschriften widerrufen. Dies hatte das „Amt für Umerziehung durch Arbeit“ nochmals erschüttert. Diesmal teilte die Polizei diese Praktizierenden in vier Gruppen ein und folterte sie grausam. Liu Fangfang, Zhang Shurui und ich bildeten die vierte Gruppe. Mitte August 2003 wurden wir alle in Einzelzellen gesteckt. Ich war in dem 9. Raum, Liu Fangfang im 10. Raum. Ich sah, dass sie gezwungen wurde, in der Ecke auf einem Plastikkindersitz zu sitzen. 24 Stunden täglich musste sie der Polizei und den Umerzogenen zuhören und durfte nicht schlafen. Ende August 2003 wurde sie im Geheimen zur Konzentrationsabteilung geschickt, ohne jegliche rechtliche Grundlage. Ich habe nichts mehr von ihr gehört.
Chen Lifang, etwa 30, wurde von der Polizei gezwungen, mehr als 30 Tage lang, mit dem Gesicht zur Wand gekehrt zu stehen, so dass sie nicht mehr bei klarem Bewusstsein war. Manchmal bewegten sich unkontrolliert ihre Hände. Die Polizei behauptete jedoch, ihre Hände hätten sich wegen ihres Praktizierens von Falun Gong unwillkürlich bewegt und sie wäre verrückt geworden, so verleumdeten sie Falun Gong. Die Polizei ließ die drogensüchtigen Gefangenen auf sie einschlagen. Einmal wurde sie so schlimm verprügelt, dass sich große blaue und schwarze Blutergüsse unter der Haut von der Hüfte an bis zu den Oberschenkeln bildeten. In einer Nacht zog die Polizistin Huai Chunhong sie zum Waschraum. Sie befahl den drogensüchtigen Gefangenen, sie mit mehr als 20 Schüsseln kaltem Wasser zu begießen. Sie zitterte vor Kälte. Zwei Monate vor ihrem Entlassungstermin wurde sie von der Polizistin namens Jin zur Konzentrationsabteilung geschickt und dort noch schlimmer gefoltert. Danach hatte die Polizistin Jin einen Stern mehr auf ihrer Schulterklappe.
Wegen des starken Druckes der internationalen Gemeinschaft wurde ich nur Foltermethoden ausgesetzt, die scheinbar nicht so grausam, aber eigentlich ebenfalls sehr schlimm waren. Mitte Juni 2003 sollten viele Gefangene vom Untersuchungsgefängnis und von der Sammel- und Verteilstelle verlegt werden. Aber wegen SARS hatte jeder Ort Angst, die SARS-Infektion zu bekommen, daher nahm keine Stelle neue Gefangene an. Es gab nach dem Höhepunkt von SARS zu viele Gefangene in dem Untersuchungsgefängnis und in der Sammel- und Verteilstelle. Daher musste unser Arbeitslager mehr Plätze für die neuen Häftlinge frei machen. Sie trafen die Entscheidung zu einer Maßnahme von Fristreduzierung, damit die Gefangenen, die eigentlich Ende Januar 2004 entlassen werden sollten, vorzeitig entlassen werden konnten.
Aber Falun Gong-Praktizierende durften trotzdem nur eine Fristreduzierung bekommen, wenn sie sich umerziehen ließen und auf das Praktizieren verzichteten. Sie verlangten mit diesem Angebot von Fristreduzierung eine Unterschrift unter die Umerziehungserklärung. Aber ich wollte die Kultivierung nicht aufgeben. Deswegen lehnte ich die Strafminderung mit Entschiedenheit ab. Nachdem ich das abgelehnt hatte, baten sie andere Polizistinnen und eine Umerzogene, Huang Ling, (etwa 30 Jahre alt; sie war Dozentin an einer Universität bei der Maschinenbaufakultät) mich zu überreden, einen Antrag zu stellen. Da im ganzen Arbeitslager zwei Falun Gong-Praktizierende (Liu Fangfang und ich) die Strafminderung abgelehnt hatten, verloren die Polizistin Jiao und andere Polizistinnen des Arbeitslagers vor ihrem Vorgesetzten das Gesicht. Deshalb hassten sie uns bis ins Mark. Jiao schickte mich sofort zur Feldarbeit, wo ich schwere körperliche Arbeit zu verrichten hatte. Morgens musste ich früh aufstehen. Normalerweise standen wir 20 Minuten vor 6 Uhr auf. Manchmal wurde nur ich für die Feldarbeit geweckt, wenn es draußen noch dunkel war. Nach der Arbeit kam ich zurück zum Frühstück. Manchmal frühstückte ich erst um 8 oder 9 Uhr. Nach dem Frühstück arbeitete ich weiter auf dem Feld. Nachmittags und nach dem Abendessen musste ich auch noch ein bis zwei Stunden arbeiten. Einmal legte ich mich mittags ins Bett. Ich war äußerst müde und die Knie und Oberschenkel schmerzten sehr und waren so schwer wie Blei. Als ich mich zur Seite drehen wollte, ließen sich meine Beine nicht mehr bewegen.
Als ich einmal mit einem kleinen Handwagen das von uns geerntete Gemüse in die Kantine transportierte, wurde meine Sehne an der Ferse durch den Wagen verletzt. Sofort strömte das Blut heraus. Vor Schmerzen konnte ich meinen Fuß nicht mehr auf den Boden setzen. Alle Polizistinnen, die mich überwachten, hatten es gesehen. Aber keine hatte etwas gesagt oder getan. Eine Gefangene aus einer anderen Einheit, die damals in der Kantine arbeitete, konnte nicht mehr untätig zusehen. Sie gab mir einen Verband. Sechs Tage lang hinkte ich. Während dieser sechs Tage traf ich jeden Tag eine Polizistin namens Nie, die mich bei der Feldarbeit überwachte. Jedes Mal sagte sie mir mit einem netten Lächeln: „Ich möchte dich wirklich zum Arzt des Arbeitslagers begleiten, aber ich bin einfach zu beschäftigt.“ Während dieser sechs Tage hatte keine Polizistin nach meiner Wunde gefragt oder etwas dagegen unternommen.
Ich habe einmal gerechnet: Am Vormittag habe ich alleine etwa 350 Kilo Gemüse geerntet und transportiert. Nach dem Abendessen hat die ganze Gruppe mit 40 Menschen insgesamt 700 Kilo geerntet. Durch diese versteckte und hinterlistige Methode quälten sie mich. Unsere Gemüse wurden nicht nur der Kantine der Gefangenen sondern auch der Kantine der Polizistinnen geliefert. Es wurde auch noch draußen auf dem Markt verkauft. Allein für den Winter 2003 sollten wir 50.000 Kilo Chinakohl ernten. Die Gefangenen unsere Einheit mussten 15.000 Kilo ernten. Zu dieser Zeit gab es im ganzen Arbeitslager nur 400 bis 500 Gefangene.
Am 12.08.2003 kam mich mein Vater besuchen. Davor wurde ich in eine Einzelzelle gesperrt. Bei der Besuchszeit waren sechs bis acht Polizistinnen um mich. Darunter waren die Chefin des Lagers Zhu Xiaoli und die Polizistin Jiao Xuexian (Leiterin der 3. Einheit). Eine andere Polizistin trug eine Videokamera auf der Schulter um den ganzen Besuchsprozess aufzunehmen. Ich sagte meinem Vater, wie meine Krankheiten durch das Praktizieren von Falun Gong geheilt worden  waren und dass wir aus tiefstem Herzen gute Menschen sein wollen und daher gut für die Gesellschaft seien. Wir hätten die Ungerechtigkeiten, die uns widerfahren sind, auf friedliche Weise bekannt gemacht und hätten so gegen kein Gesetz verstoßen. Hingegen habe ich im Arbeitslager und im Untersuchungsgefängnis mit eigenen Augen immer wieder gesehen, wie die Polizisten im Namen des Gesetzes gegen Gesetze verstoßen haben.
Was ich damals nur ahnte, war Folgendes: Wegen der vielen erfolgreichen Rettungsaktionen in Deutschland und Israel taten die Polizisten so, als wären sie nett zu mir. In Wirklichkeit wurde ich jedoch intensiver überwacht, als die anderen. Das zeigte sich besonders daran, dass die Polizisten bei der Besuchszeit die ganze Zeit über neben mir und meinem Vater standen, oder sogar uns gegenüber saßen und uns anstarrten, ohne den Blick auch nur einen Moment von uns abzuwenden. Ich möchte noch eines hinzufügen, wie nämlich die Polizisten Theater vor den ausländischen Medien gespielt haben. Einmal war ein amerikanischer Journalist bei uns, der überall hinschauen durfte. Vorher zwang man uns, überall sehr sauber zu machen. Ihm war es sogar erlaubt, mit einer ehemaligen Praktizierenden zu sprechen. Sie war früher eine Dozentin an einer Universität für das Fach Englisch. Der Amerikaner sagte ihr in Englisch, jetzt könne sie etwas sagen, die anderen würden sie ja nicht verstehen. Doch die Praktizierende hat nur das in Englisch gesagt, was die Polizistin ihr erlaubt hatte. Deshalb hat der Journalist einen positiven Bericht über das Arbeitslager geschrieben. Die Dozentin hat dafür eine Strafreduzierung von drei Monaten bekommen. Normalerweise ist für Falun Gong-Praktizierende eine Strafreduzierung von zwei Monaten möglich.
Am 27. oder 28.11.2003 bekam unsere Abteilung ausländische Besucher. Schon ein paar Wochen zuvor mussten wir immer wieder sauber machen. Der Chef der Behörde für Arbeitslager kam dann auch in unsere Abteilung. Danach wurden zwei schöne Pflanzen in unsere Halle gebracht. Auf die Glastüren einer jeden Gruppe kamen dann auch weiße gestickte Vorhänge. Es sah alle sehr sauber, sehr rein und sehr weiblich aus. Die Besucher konnten aber nicht dahinter blicken. An diesem Vormittag bekamen wir sogar Spielkarten. Einer der Praktizierenden fragte, was für ein Tag heute sei. Ob heute ein Feiertag sei. Zum Mittag bekamen wir Sojabohnenquark mit Gemüse. Ich sagte an diesem Tag zu einer Polizistin, wir hätten zum ersten Mal in diesem  Jahr etwas Gutes bekommen. Ich wollte sie fragen, ob wir den Ausländern dafür dankbar sein sollen. Am nächsten Vormittag nach dem Besuch waren die Pflanzen wieder weg. Nachmittags waren dann auch die Vorhänge weg. Die Hauptaufgabe unserer Einheit war, Pullover zu stricken. Jede bekam eine Quote zugeteilt. Weil sich die Augen lange Zeit auf die Pullover konzentrierten, ermüdeten die Augen sehr rasch. Wenn ich beim Mittag- und Abendessen den mir gegenüber sitzenden Menschen zuschaute, sah ich ihre Augen, Nase und Mund sogar doppelt. Ich habe gemerkt, dass wir an diesem Tag  vier  Minuten nach sechs Uhr angefangen und am Abend um halb zehn die Arbeit erst beendet hatten. Dies wiederholte sich jeden Tag, das heißt, dass wir täglich mehr als zwölf  Stunden arbeiten mussten. Alle Pullover, Handschuhe und Schals waren für den Export bestimmt. Aber es stand nichts über das Frauenarbeitslager von Beijing drauf. Jede Einheit hatte eine Leiterin, die zuständig für die Produktion war. In unserer Einheit war es Huo Xiuyun. Im Arbeitslager war eine stellvertretende Leiterin für die Produktion zuständig. Jede Einheit musste jedes Jahr einen bestimmten Umsatz von so und so viel zehntausend Yuan machen. Bei Überstunden mussten wir in der Nacht arbeiten, früher aufstehen und hatten keine Mittagspause. Von einer Praktizierenden, die im Xinan Arbeitslager gewesen war, habe ich gehört, dass die Polizei die Gefangenen gezwungen hatte, die Nacht durchzuarbeiten. Am zweiten Tag mussten sie ohne sich auszuruhen weiter arbeiten.

Nach der Freilassung vom 4. Januar bis 28. September 2004

An dem Tag meiner Freilassung, dem 4. Januar 2004 kamen der Chef des Straßenkomitees, ein Polizist des Polizeireviers meines Wohnsitzes, ein Familienangehöriger und mein Vater, zum Arbeitslager. Sie mussten auf einer Vereinbarung zur Hilfe bei der Umerziehung unterschreiben, die ich auch unterschreiben musste. Als ich nach der Freilassung bei meinen Eltern zu Hause angekommen war, wurden wir vom dem Büro 610 und dem Straßenkomitee mehrmals angerufen. Unser Telefon wurde streng überwacht. Einmal hat meine Mutter die klare Stimme eines Dritten im Telefon gehört. Dabei hatte sie gerade mit ihrer Schwester gesprochen. Wenn wir Anrufe aus dem Ausland bekamen, gab es in der Leitung immer Geräusche.

Schaden, der meiner Familie zugefügt wurde

Nachdem ich festgenommen wurde, haben meine Eltern (geboren 1931) sehr darunter gelitten. Kurz danach erlitten sie beide eine Herzattacke. Das Mädchen, das bei ihnen Hausarbeit machte, wollte nicht mehr kommen, als sie hörte, dass jemand aus unserer Familie festgenommen worden, und dass die Wohnung durchsucht worden war. Meine Mutter bekam viele Krankheiten und musste das Bett hüten. Sie konnte nicht mehr für sich selbst sorgen. Als mein Vater einmal Medikamente für meine Mutter kaufte und weg war, wollte meine Mutter ein Glas Wasser auf dem Nachttisch in die Hand nehmen. Dabei fiel sie aus dem Bett auf den Boden. Sie stieß mit der linken Schläfe gegen die Ecke des Tisches. Sofort fing es an zu bluten. Sie lag bei klarem Bewusstsein auf dem Boden, aber die Arme und Beine versagten ihr den Dienst. Sie konnte weder sitzen noch aufstehen. Erst als mein Vater ein oder zwei Stunden später zurückkam, hat er sie gefunden und ihr hoch geholfen. An diesem Abend hat mein Vater erneut eine Herzattacke erlitten. Das Büro 610 mobilisierte die ehemaligen Arbeitskollegen meiner Eltern und unsere Nachbarn, um bei meinen Eltern Falun Gong zu verleumden, damit sie großen Druck auf mich ausüben sollten, Falun Gong nicht mehr zu praktizieren.
Mein Bruder in Israel bekam von der chinesischen Botschaft wegen seines Praktizierens von Falun Gong kein Visum für China, so dass er nicht nach China zurückkehren und meine Eltern nicht besuchen konnte. Wenn meine Eltern nur daran dachten, dass sie ihren Sohn bereits fünf Jahre nicht mehr gesehen hatten und ihre Tochter im Arbeitslager unter Folter litt hat, konnten sie ihre Tränen nicht zurückhalten. Mein anderer Bruder, der in Peking arbeitete, musste sich sowohl um seine Arbeit als auch um seine Familie kümmern und auch jeden Tag meine Eltern zwei oder drei mal anrufen oder besuchen. Er war sowohl seelisch als auch körperlich am Ende. In den ersten drei Monaten meiner Haftzeit wurden die grauen Haare meines Vaters ganz weiß. Als ich freigelassen wurde und wieder bei meinen Eltern war, sah ich, dass meine Mutter sehr bedrückt und körperlich sehr schwach war. Sie hatte einen starren Blick. Sie hatte so viel geweint, dass sie mich nicht mehr klar sehen konnte. Sie war seelisch beinahe völlig ruiniert. Nachdem ich wieder Zuhause war, bekam ich ab und zu Anrufe von dem Büro 610, vom Polizeirevier und Straßenkomitee. Unser Telefon wurde immer abgehört. Internationale Anrufe wurden oft mit Lärm gestört, manchmal wurde die Verbindung sogar plötzlich abrupt unterbrochen.

Geschrieben von Xiong Wei am 29. November 2004, nach ihrer Rückkehr nach Deutschland.
 
Frau Xiong Wei erzählt ihr Erlebnis auf einer Versammlung der
Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte


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