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PRODUKTE AUS ARBEITSLAGERN
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PRODUKTE AUS ARBEITSLAGERN

Beijing Mickey Toys Co., Ltd., Nestle, und das Pekinger Xin'an Frauenarbeitslager Die Pekinger Firma "Mickey Toys GMBH & Co" wurde im Jahre 1987 gegründet. Es ist ein Gemeinschaftsunternehmen, spezialisiert auf Design, Herstellung, Verkauf und Export von Plüschspielzeug mit einer jährlichen Produktion von über 200.000 Dutzend (200.000 x 12) Spielzeugen. Die Produkte werden in viele Länder, darunter die USA, Kanada, Australien, Dänemark, Brasilien, Ungarn, Japan usw. exportiert. Die Firma hat auch einen gewissen Marktanteil in Südostasien.
[9] Das Beijing Xin'an Frauenarbeitslager (früher eine Abteilung des Arbeitslagers Tiantangh – später in einen eigenständigen Komplex umgewandelt), befindet sich in Nanyuan, Stadtteil Daxing, Peking. Es war ursprünglich ein Arbeitslager für Männer, da es aber so viele weibliche Falun Gong-Praktizierende gab, haben sie die Arbeitslager für Frauen und Männer getauscht. Vor dem Verbot von Falun Gong gab es immer nur ein- bis zweihundert Gefangene in diesem Arbeitslager, hauptsächlich Prostituierte und Drogenhändler. Nach dem Beginn der Verfolgung von Falun Gong stieg die Zahl der Gefangenen von unter zweihundert im Juli 2000 auf beinahe 1.000 im April 2001. Viele Falun Gong-Praktizierende erlitten infolge der Folterungen Behinderungen oder starben. Das Xin'an Arbeitslager übernahm die Fliesbandarbeit für Exportprodukte einer ganzen Reihe von Unternehmen. Beijing Mickey Toys GMBH & Co ist eines dieser Unternehmen. Im Februar 2001 wurden fast 1.000 inhaftierte Falun Gong-Praktizierende gezwungen, ohne jeglichen Lohn Spielzeuge herzustellen. Durch diese Zwangsarbeit entstanden 100.000 Plüschhasen für Beijing Mickey Toys Co., Ltd im Auftrag von Nestle. Jennifer Zeng ist eine Falun Gong-Praktizierende und lebt momentan in Australien. Sie war eine der Falun Gong-Praktizierenden im Xin'an Arbeitslager, die die Stoffhasen herstellen mussten. Sie berichtet über ihre Erlebnisse: ”Im Arbeitslager wurden wir gezwungen, alle Arten von harter Arbeit durchzuführen. Dazu gehörte das Pflanzen von Bäumen und Gräsern, Müllentleerung, Ausgraben von Höhlen für die Gemüselagerung, Pulloverstricken, Herstellung von Sitzkissen, Spielzeugen, Einmalspritzen, Essstäbchen und vielen anderen Gegenständen. Die meisten Erzeugnisse des Arbeitslagers waren für den Export bestimmt. Zum Beispiel hatten die Pullover, die wir anfertigten, Übergröße (XL) für Westliche.
Im Februar jenes Jahres kam eine Bestellung über 100.000 Spielzeughasen. Die Polizei des Arbeitslagers sagte, es seien Werbespielzeuge für Nestle, die wohlbekannte Kaffeefirma. Die Hasen waren ungefähr 30 cm groß und hatten einen braunfarbenen Körper mit einem langen Hals. Sie trugen rote Schals um den Hals und hatten 5 cm lange Schnurrhaare an jeder Seite des Mundes. Ich musste die Schnurhaare machen. Die Hasen hatten unterschiedliche Kleidung an – Cowboywesten, Regenmäntel und einige hatten Augenklappen, um sie wie Piraten aussehen zu lassen. Sie hatten englische Buchstaben auf der Brust. Eine Hand bildete eine Faust mit nach oben zeigendem Daumen und die Füße hatten drei hellgelbfarbene Zehen. Ihre Schwänze waren weiß und kurz (Bilder Seite 188). Normalerweise wurde das Material für die Hasen von einer Frau mittleren Alters auf einem Fahrrad mit Anhänger gebracht. Jeder Hase benötigte 30 Arbeitsschritte und eine Gruppe von mehr als 130 Arbeitern konnte kaum mehr als 100 Stück am Tag fertigen. Im Durchschnitt dauerte es mehr als 10 Stunden, um einen Hasen fertigzustellen. Die Einnahmen pro Hase waren nur 30 chinesische Cent (ca. 0,02 Euro). Das Arbeitslager behielt alles ein, während die Arbeiter nichts erhielten. Gewöhnlich wurden wir gezwungen von 5.30 Uhr morgens bis um 2:00 oder 3.00 Uhr am nächsten Morgen zu arbeiten. Manchmal mussten wir Tag und Nacht durcharbeiten, um die Erzeugnisse rechtzeitig zu liefern. Wir hatten keine Sonn- oder Feiertage. An den Tagen mit der meisten Arbeit habe ich noch nicht einmal gewagt, mir nach dem Toilettengang die Hände zu waschen, weil ich es mir nicht leisten konnte, Zeit mit Händewaschen zu verlieren. Ich war so müde, dass ich manchmal nachts nicht einmal richtig von 1 bis 9 zählen konnte. Trotz meiner Erschöpfung musste ich kämpfen, um die Pullover fertig zu stricken. Die Strickmuster waren sehr kompliziert und wenn ich zu müde war, konnten Fehler vorkommen. Wenn ich am Morgen einen Fehler entdeckte, den ich in der vorhergehenden Nacht gemacht hatte, musste ich alles noch mal machen. Durch die vielen Stunden harte Arbeit, und das Fehlen von Schlaf, fühlte ich mich lange Zeit so, als ob das einzige was ich in meinem Leben bräuchte Schlaf wäre."
[10] The Sydney Morning Herald und die Genfer Zeitung Le Temps berichteten beide über den Vorfall. Am 28. Dezember 2001, veröffentlichte The Sydney Morning Herald einen Artikel von Kelly Burke: "Niedliche Spielzeug-Hasen verdecken die Zustände in chinesischen Arbeitslagern". Nestle gab eine Stellungnahme an die Zeitung heraus, in der bestätigt wurde, dass die Firma einen Auftrag über 110.000 Plüschhasen an den renommierten Pekinger Spielzeughersteller Mickey Toys Co. Ltd. für eine Nesquik-Promotion Anfang des Jahres herausgegeben hatte.
[11] Frederic Koller wohnt in Peking, und ist Auslandsreporter der Le Temps. Er ging in den Stadtteil Daxing, um nach Beweisen zu suchen, aber Mickey Toys Co. Ltd. verweigerte ihm ein Interview und war auch nicht bereit, den Firmensitz preiszugeben. Nach Befragungen von ehemals im Arbeitslager Inhaftierten, die im Industriegebiet von Daxing wohnten, verfasste Frederic Koller einen Artikel, der am 13. April 2002 im Wirtschaftsteil der Samstagsausgabe von Le Temps erschien. In dem Artikel hieß es, Nestle habe zugegeben, dass sich die "Mickey Toys" Fabrik in Daxing, Peking befinde (wie auch das Arbeitslager Tiantanghe).
[12] Ein Jahr später, nachdem die Aufträge für Mickey Toys um 60% zurückgegangen waren, lud Mickey Toys ihrerseits Frederic Koller zu einem Interview in die Fabrik ein, in der Hoffnung, er würde einen Artikel schreiben, der den Ruf der geschädigten Firma wiederherzustellen vermöge. Nach Interview und Fabrikbesichtigung war Frederic Koller dazu allerdings nicht mehr bereit.

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