Helden auf dem Platz des Himmlischen Friedens
Der Platz des Himmlischen Friedens in Peking wurde bei der Verfolgung zum Brennpunkt. Hunderttausende, vielleicht sogar Millionen Falun Gong-Praktizierende kamen aus ganz China und aus aller Welt zu diesem großen Platz - um Transparente zu zeigen, welche die Unschuld Falun Gongs bezeugten, um die Übungen zu demonstrieren oder einfach zu rufen: „Falun Gong ist gut!“ Für die einfache und friedliche Äußerung ihrer Meinung mussten sie enormes Leid ertragen. Fast alle wurden von der Polizei oder bezahlten Schlägern verprügelt, welche sich trotz Tausender anwesender Touristen nicht zurückhielten; einige wurden bewusstlos geschlagen, andere auf der Stelle zu Tode geprügelt, Kinder und Jugendliche wurden mit größter Gewalttätigkeit attackiert und schwangere Frauen in den Bauch getreten. Die Attacken waren so brutal, dass sie die Opfer oft in weniger als einer Minute zum Schweigen brachten. Ungeachtet der Konsequenzen - nur für diesen kurzen Augenblick - gingen immer mehr Praktizierende dort hin. Ausländischen Journalisten war dies ein Rätsel: Ist es das wert? Was genau geht hier vor?
 | | Am 29. September 1999 demonstrierten Praktizierende die Falun Gong Übungen auf dem Platz des Himmlischen Friedens als friedlicher Appell an die Öffentlichkeit. Polizisten eilten hinzu und zerrten Praktizierende in einen Polizeibus. |
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Für Chinesen bedeutet der Platz des Himmlischen Friedens das heilige „Tor zum Himmlischen Frieden“. 1919 soll die moderne Geschichte Chinas bei einer patriotischen Studentendemonstration auf diesem Platz begonnen haben. Viele andere Demonstrationen historischer Ausmaße, unter anderen die Demokratie- bewegungen von 1976 und 1989, fanden auf diesem Platz statt. Der Platz des Himmlischen Friedens gilt somit als heiliger Boden für Patriotismus und Selbst- aufopferung und als letzter Ort, um an das öffentliche Gewissen zu appellieren.
Diese Akte des Terrors zerstörten das Leben vieler Falun Gong-Anhänger - nahmen ihnen jedoch nicht ihre innere Überzeugung und ihren Glauben an das Gute im Menschen. Nach dem ersten Schock wandten sich Praktizierende aus ganz China an die staatliche Behörde für Beschwerden, um die Missverständnisse aufzuklären, in dem Vertrauen, die Regierung würde dann die Verfolgung beenden. Die wohlwollenden Falun Gong-Praktizierenden fanden schnell heraus, dass die staatliche Behörde für Beschwerden in eine Haftanstalt umfunktioniert wurde. Das Schild „Staatliche Behörde für Beschwerden“ wurde entfernt. Wer nach dem Weg fragte, wurde zu wartenden Polizeiwagen gelotst und verhaftet, ohne eine Chance, seine Beschwerde einzureichen.
 | | Ein Polizist greift nach einem Banner, während andere Praktizierende ihre Banner ausbreiten. |
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Als immer mehr Praktizierende kamen, verboten die Behörden Falun Gong-Anhängern, zu der staatlichen Behörde für Beschwerden zu gehen und befahlen den örtlichen Behörden, dieses Verbot durchzusetzen. Das war ein weiterer Verstoß gegen das chinesische Grundgesetz und ein schockierender Schritt zurück zur Kulturrevolution. Die staatliche Behörde für Beschwerden wurde nach der Kulturrevolution gegründet, um zu helfen, diese „grundlosen Anschuldigungen und ungerechten Scheinfälle“ zu lösen und um den Geschädigten die Möglichkeit zu geben, ihre Beschwerden darzulegen. Damals gab es Millionen dieser Fälle und die beschuldigten Ämter versuchten, ihre Spuren zu verwischen und der Verantwortung zu entfliehen. Als Reaktion auf diesen landesweiten Aufschrei wurde die staatliche Behörde für Beschwerden geschaffen, um die Beschwerden direkt von den Opfern zu erhalten, und somit Behörden und Hindernisse zu übergehen. Diese Vorgehensweise bezeichneten die Chinesen als „Himmlisches Ohr“ und sie spielte eine große Rolle bei der Beseitigung der gesellschaftlichen Unzufriedenheit nach der Kulturrevolution. Das Recht, der staatlichen Behörde für Beschwerden seine Anliegen vorzulegen, wurde anschließend in das Grundgesetz aufgenommen. Der rabiate Entzug ihrer Grundrechte und die entsetzlichen Prügel, die Praktizierende häufig bezogen, ließen keinen Zweifel daran, dass die Behörden nicht daran interessiert waren, ihnen zuzuhören. Den Praktizierenden blieb keine andere Wahl, als an das öffentliche Gewissen zu appellieren - und welcher Ort wäre besser geeignet als der Platz des Himmlischen Friedens.
Die erste Falun Gong-Demonstration fand am 29. September 1999 statt. Praktizierende aus ganz China trafen sich am Abend zuvor in der Tsinghua Universität. Die Atmosphäre war entspannt; sie machten Fotos; schrieben auf, was sie vorhatten; schickten E-Mails mit ihren Plänen an Freunde im Ausland und am nächsten Morgen ging es los.