Ein harter Kampf zwischen Wahrheit und Lügen
Am 5. März 2002 gegen 20 Uhr gelang es einem Falun Gong-Praktizierenden, das staatlich kontrollierte Kabelfernsehen zu manipulieren. Acht Kanäle des örtlichen Kabelfernsehens strahlten gleichzeitig Dokumentarfilme über die weltweite Verbreitung von Falun Gong, die gewalttätige Verfolgung durch die chinesische Regierung und über die inszenierte Selbstverbrennung auf dem Platz des Himmlischen Friedens aus. Die Übertragung dauerte über 50 Minuten. Am nächsten Tag flüsterten sich die Menschen auch in anderen Regionen zu: „Die Selbstverbrennung ist eine Lüge!“
 | | Liu Chengjun wurde im Alter von 32 Jahren zu Tode gefoltert, nachdem es ihm gelungen war, über das staatseigene Kabelfernsehen die Wahrheit über die Verfolgung Falun Gongs zu senden. |
|
In der Geschichte der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) war dieses die erste öffentliche Ausstrahlung anderer Ansichten. Aus Mitgefühl für die vielen Opfer der Verfolgung und um den durch Jiangs Regime belogenen Chinesen die Wahrheit zu erklären, wagte es ein einzelner Mann, die Propagandamaschinerie der KPCh für 50 Minuten zu unterwandern.
Anfangs glaubten Falun Gong-Praktizierende, die Verfolgung wäre nur das Ergebnis falsch informierter Parteigenossen. Deshalb gingen viele nach Peking oder schrieben an die Regierung, um für eine friedliche Lösung zu plädieren. Gleichzeitig antworteten sie sanftmütig auf die Misshandlungen durch die Polizei: „Wir hassen dich nicht dafür, dass du uns nicht verstehst“ - „Wenn mein Leid deinen Hass gegen Falun Gong etwas verringern kann, akzeptiere ich es“. Diese Toleranz berührte sogar die abgebrühtesten Polizisten.
Weil es so viele Falun Gong-Anhänger gab und weil diese so friedlich und diszipliniert waren, wollten sich ihre Nachbarn, Kollegen, Familien und Freunde nicht gegen sie stellen. Die inszenierte Selbstverbrennung jedoch täuschte die Bevölkerung. So berichtete die Washington Post am 5. August 2001: „Die Selbstverbrennung fünf vermeintlicher [Praktizierender] am 23. Januar auf dem Platz des Himmlischen Friedens war ein Wendepunkt. Ein 12-jähriges Mädchen und ihre Mutter starben und die Partei machte diesen Vorfall zum Mittelpunkt ihrer Kampagne, Falun Gong zu diskreditieren. Durch die wiederholte Ausstrahlung der Bilder des brennenden Mädchens und der Interviews mit den anderen, die aussagten, sie glaubten, Selbstverbrennung würde sie ins Paradies führen, überzeugte die Regierung viele Chinesen, dass Falun Gong ein böser Kult sei.“
 | | Ein Falun Gong Transparent hängt an einem Strommast in einer kleinen Stadt im Nordosten Chinas. Um es aufzuhängen, kletterte eine 62-jährige Frau über zwei Stunden in der Kälte. |
|
Menschen glaubten den Lügen und fingen an, bei der Verfolgung zu helfen oder sogar selbst zu schlagen und zu misshandeln. Polizisten waren noch mehr betroffen. Aufgebracht durch die Hasspropaganda intensivierten sie das Foltern und Töten. In ganz China bekamen Falun Gong-Praktizierende folgende oder ähnliche Worte zu hören: „Wir werden dich töten und anzünden - als Selbstverbrennung!“
Das sind natürlich Straftaten und es wäre leicht, diese Polizisten zu hassen. Aus Sicht der Falun Gong-Praktizierenden sind jedoch die Gewalttäter auch Opfer der Verfolgung durch die Regierung. Ihnen sollte die Möglichkeit gegeben werden aufzuwachen. Mit viel Barmherzigkeit nehmen Falun Gong-Anhänger große Risiken auf sich, um den brutalen Polizisten, ihren falsch informierten Klassenkameraden und der Öffentlichkeit zu zeigen, dass die Verfolgung ausschließlich auf Lügen basiert. Sie senden Briefe an Polizeistationen, verteilen Flugzettel in Supermärkten, verteilen VCDs, veröffentlichen Berichte im Internet usw. Im Chinesischen heißt dies „die Wahrheit erklären.“
Die Wahrheit kann viel bewegen. Viele Polizisten ändern ihre Einstellung gegenüber Praktizierenden. Mithäftlinge fangen an, Falun Gong zu lernen, Fremde beschützen Praktizierende und einst voreingenommene Familienmitglieder helfen nun, die Wahrheit zu erklären. Es gibt sogar leitende Beamte des „Büro 610“, welche nun Falun Gong üben.
 | | Chinesen lesen die Falun Gong Flugblätter. Um die Wahrheit über die Verfolgung von Falun Gong zu verbreiten, verteilen Praktizierende an vielen öffentlichen Plätzen Flugblätter. |
|
Die Wahrheit wird Jiang Zemin zum Verhängnis. Als er von der Changchun Fernsehübertragung hörte, gab er den Befehl, alle Beamten der Stadt zu feuern, wenn dieses nochmals vorkäme. Er wies die Changchun Polizei an, alle Falun Gong-Praktizierenden, welche an der Übertragung mitwirkten, „ohne Gnade zu töten.“ Später befahl Jiang dem „Büro 610“, alle Falun Gong-Praktizierenden, die Informationsmaterial verteilen, „auf der Stelle zu erschießen.“
Für die barmherzige Verbreitung der Wahrheit mussten Falun Gong-Praktizierende enorme Qualen erleiden. In den Monaten nach der Übertragung wurden über 5.000 Praktizierende in Changchun verhaftet und mindestens zwölf starben beim „Verhör“. Als die Polizei Herrn Liu Chengjun verhaftete, den Organisator der Übertragung, und er schon mit Handschellen gefesselt war, schossen sie ihm zweimal in die Beine. Nach mehr als einem Jahr qualvoller Folter starb Herr Liu in der Weihnachtsnacht 2003.
Die Wahrheit lebt jedoch weiter. Nach der Changchun Übertragung folgten einige in anderen Städten. Flugzettel, Briefe, E-Mails, Telefonate - jeden Tag erklären unzählige Falun Gong-Praktizierende in allen Winkeln Chinas die Wahrheit, auch wenn es sie ihr Leben kosten könnte.