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Extremen Umständen ausgesetzt sein
Viele Falun Gong-Praktizierende in Chinas nördlichen Provinzen wurden
als einer Form von Folter extremer Kälte ausgesetzt. Sie werden
routinemäßig mit kaltem Wasser übergossen und draußen gelassen, oder in
unbeheizten Zellen zum Frieren zurückgelassen. Manche wurden gezwungen,
nur mit einer dünnen Schicht Kleidung bekleidet im Schnee zu stehen
oder durch Schnee zu laufen. Tausende wurden gezwungen, mitten im
Winter auf dem Betonboden unbeheizter Gefängniszellen zu schlafen, und
um die Kälte noch schwerer erträglich zu machen, lassen die
Gefängnisbeamten über Nacht die Fenster in den Zellen von
Praktizierenden offen stehen. Viele Praktizierende, die in solchen
Zellen gefangen gehalten wurden, waren danach schwer verletzt oder
befanden sich am Rande des Todes.
Ebenso wurden sie extremer Hitze ausgesetzt, gezwungen lange Stunden in
muffigen Ausbeuterbetrieben zu arbeiten oder in sengender Hitze draußen
gelassen.
Des weiteren werden Praktizierende dazu gezwungen, unter extrem
verdreckten und unhygienischen Umständen zu leben. Die Beamten des
Zwangsarbeitslagers bestrafen Falun Gong-Praktizierende häufig, indem
sie ihnen nicht erlauben, die Toilette zu benutzen. Vielen weiblichen
Praktizierenden wird verwehrt, während ihrer Periode Hygieneartikel zu
verwenden. Eine Folge der unhygienischen Bedingungen ist, dass viele
Gefangene und Falun Gong-Praktizierende in Zwangsarbeitslagern eiternde
Räude, Krätze und Hautkrankheiten bekommen.
Gezwungen, drei Tage und Nächte draußen im Schnee zu stehen
Im Januar 2000 wurde Frau Mu Xiangjie im Zwangsarbeitslager für Frauen
der Stadt Tianjin gezwungen, drei Tage und Nächte draußen im Schnee zu
stehen, weil sie sich weigerte Falun Gong aufzugeben. Ihr wurde pro Tag
nur ein gedämpftes Brötchen gegeben. Nach drei Tagen waren ihre Hände
und Füße erfroren und geschwollen und fingen an so schwer zu eitern,
dass sie danach einen Monat lang nicht laufen konnte. Frau Mu wurde
zudem für einen langen Zeitraum mit Handschellen gefesselt, die
Handschellen schnitten ihr ins Fleisch, was dazu führte, dass ihre
Hände stark bluteten. Dann wurde sie aufgehängt und später in der Nacht
in eine Isolationszelle geschickt. Einmal als sie in der
Isolationszelle war banden die Wachen ihre Arme ans Fenster, und ihr
wurde nicht erlaubt zu schlafen, für sieben Tage und Nächte. Sie fügten
ihren Armen auch Schläge mit elektrischen Schlagstöcken zu. Nachdem sie
aus dieser Zelle raus durfte konnte Frau Mu ihre Beine nicht bewegen
und blutige Blasen bedeckten ihre Arme.
Mit kaltem Wasser begossen
Im Pekinger Haft- und Abfertigungscenter werden Falun
Gong-Praktizierende oft ausgezogen, mit kaltem Wasser übergossen und in
der kalten Winterluft draußen gelassen. Sie werden auch dazu gezwungen,
im Winter barfuß draußen im Schnee herumzulaufen, wobei sie nur eine
dünne Schicht Kleidung tragen dürfen. Bei einer anderen „Winterfolter“
werden Praktizierende mit einem Seil an einen Stuhl gebunden, welcher
neben einen kühlen Entlüftungsschacht platziert wird und eisiges Wasser
wird vom Hals abwärts über sie gespritzt.
Ältere Praktizierende werden gezwungen, in der sengenden Sonne auszuharren
Im Abfertigungscenter zogen die Polizisten die Kleidung von neu
angekommenen Praktizierenden draußen aus. Sie zerrissen die
Kleidungsstücke der Praktizierenden nahezu völlig in Stücke, bevor sie
anfingen, Leibesvisitationen durchzuführen. Dann zwangen sie die
Praktizierenden lange Zeit in der brennenden Sonne zu stehen. Wenn ein
Praktizierender sich auf irgendeine Weise bewegte wiesen die Polizisten
normale Strafgefangene an, sie zu verprügeln. Manche älteren
Praktizierenden, die um die 60 und 70 Jahre alt waren verloren in der
Hitze das Bewusstsein. Die Haut der Knie mancher Praktizierenden
begannen aufgrund der Abschürfungen und dem Schweiß zu eitern, was
wiederum klaffende Wunden zur Folge hatte.
Gezwungen, mehr als 20 Stunden am Tag zu arbeiten und keine Erlaubnis haben, das Badezimmer zu benutzen
Am frühen Morgen im Winter wurden neu entführte Praktizierende gegen
ihren Willen ausgezogen und eine Leibesvisitation an ihnen
durchgeführt. Dann wurde ihnen befohlen ihre Köpfe zu senken und die
Hände auf ihre Köpfe zu legen, oder die „Regeln des Centers“
aufzusagen. Es wurde ihnen nicht erlaubt nach drinnen zu gehen, bis es
9 oder 10 Uhr abends war. Zusätzlich zwang die Polizei Praktizierende
harte Arbeiten zu verrichten und das von 5 Uhr morgens bis nach
Mitternacht, manchmal auch bis zwei oder drei Uhr morgens. Das
Arbeitspensum wird häufig willkürlich angehoben. Praktizierenden ist es
nicht erlaubt, das Badezimmer zu benutzen, man zwingt sie im
Arbeitsraum zu urinieren und ihre Notdurft zu verrichten. Das macht das
Arbeitsumfeld natürlich extrem dreckig und stinkend. Praktizierenden
wird es auch nicht erlaubt ihre Unterwäsche zu waschen.
He Huajiang, 42 Jahre alt, erfriert als er sich weigert Falun Gong abzuschwören
Herr He war ein Falun Gong-Praktizierender aus der Provinz
Heilongjiang. Die Polizei entführte ihn von seinem Arbeitsplatz,
dann schickten sie ihn ins Daqing Zwangsarbeitslager, wo Polizisten
mehreren Gefangenen befahlen ihn zu zwingen ein „Reuebekenntnis“ zu
schreiben, in dem Falun Gong verleumdet wird. In dieser Nacht gossen
Gefangene um die Uhrzeit zwischen 9-11 abends kaltes Wasser über ihn,
fesselten ihn an einen Stuhl aus Metall, verstopften seinen Mund,
öffneten die Fenster und Türen und brachten ihn manchmal nach draußen,
um ihn zu frosten. Andere Gefangene und Falun Gong-Praktizierende
konnten hören, wie Herr He vor Schmerz grausige Laute von sich gab.
Weil er zu lange in der Eiseskälte gehalten wurde hörte sein Herz auf
zu schlagen. Er erfror ungefähr um 11 Uhr im Badezimmer der zweiten
Einheit.
Im Winter gezwungen 11 Stunden draußen zu stehen
“Die Praktizierenden wurden gefoltert, indem man sie zwang, den ganzen
Tag draußen zu stehen, von 5:30 am Morgen bis 4:30 am Abend. Es war
mitten im Winter und die Temperatur war sehr niedrig, aber es wurde
ihnen nicht erlaubt irgendwelche Kleidung nach draußen mitzunehmen, um
sich vor der Kälte zu schützen. Den Praktizierenden Li Qingzhen, Yang
Xiuhua, Li Bingqing, Du Guijie, Wang Wenrong, Zhang Chunjie, Shi Li, Li
Xuelian, und anderen wurden ihre mit Baumwolle gefütterten Jacken
ausgezogen und sie wurden an einem Tag bis nach 9 Uhr abends.
gefoltert.”
– Bericht einer Praktizierenden, die im Frauengefängnis der Provinz Heilongjiang eingesperrt war.
Foltermethoden, die im Zwangsarbeitslager Changle zum Einsatz kommen
“In der Kälte des Winters wurden den Praktizierenden die Kleider
ausgezogen, und man zwang sie nackt auf dem Fußboden vom Badezimmer zu
sitzen. Vier oder fünf kriminelle Insassen wechselten sich dabei ab,
den Praktizierenden kaltes Wasser über den Kopf und den ganzen Körper
zu gießen. Manchmal wurden Praktizierende für lange Zeit in einem
Bottich unter Wasser gezwungen. Nach diesem sogenannten “kalten Bad”
wurden die Praktizierenden in einen Vorratsraum gebracht, wo sie bei
geöffnetem Fenster mehrere Stunden lang frieren mussten. Manchmal
wurden Praktizierende in ihre Zellen gebracht und unter einen
elektrischen Ventilator platziert. Diese Praktizierenden wurden solange
unter dem Ventilator gelassen bis ihre Körper sich violett verfärbten.”
– Falun Gong Praktizierende, die im Zwangsarbeitslager Changle in der Provinz Shandong festgehalten wurden
Bis zu Ihrem letzten Tag bestand Frau Chen Zixiu darauf, dass es ihr Recht ist, Falun Gong zu praktizieren
Ian Johnson, Staff Reporter des Wall Street Journal
20. April 2000
Weifang, China - Am letzten Tag vor ihrem Tod verlangten die Verfolger
von Frau Chen Zixiu, dass sie Ihren Glauben an Falun Dafa aufgeben
soll. Obwohl die 58-jährige nach wiederholten Stromschlägen aus einem
Elektroschocker kaum noch bei Bewusstsein war, schüttelte sie standhaft
den Kopf.
Dadurch in Wut versetzt, verlangten die lokalen Beamten von ihr,
barfüssig durch den Schnee zu rennen. Nach zwei Tagen Folter waren ihre
Beine von inneren Blutungen übersät und ihr kurzes schwarzes Haar war
durch Eiter und Blut ermattet, wie ihre Mitinsassen und andere
Häftlinge, die den Vorfall beobachteten, berichteten. Sie krabbelte im
Freien, übergab sich und brach zusammen. Sie kam nie wieder zu
Bewusstsein und starb am 21. Februar.
Vor einem Jahr hatten wenige ausserhalb Chinas von Falun Dafa und
seinen Übungen gehört, die als Falun Gong bekannt sind und
Atmungsübungen, Meditation und das Studium der moralistischen und
manchmal ungewöhnlichen Werke des Gründers der Gruppe, Li Hongzhi,
umfassen.
Obwohl Falun Gong unter Millionen von Chinesen verbreitet ist, wurde
Falun Gong weltweit erst am 25. April des letzten Jahres bekannt, als
10.000 seiner Anhänger sich in Peking versammelten und den
Regierungsbezirk in der Verbotenen Stadt einkreisten und ein Ende der
staatlichen Berichterstattung forderten, die es als abergläubischen
Kult porträtierten. Die Menge schuf ein aussergewöhnliches Bild: die
meisten von ihnen waren mittleren Alters und gehörten der
Arbeiterklasse an, und sie meditierten einfach einen halben Tag lang,
um dann die Stadtmitte in Richtung ihres Zuhauses, das überall im Land
sein konnte, zu verlassen.
Für eine Regierung aber, die wenige Herausforderungen seiner Macht
toleriert, war der Protest eine unverzeihliche Provokation. Die
Regierung nahm Hunderte von Falun Gong Organisatoren fest und
entdeckte, das einige von ihnen der Zentralregierung, der Polizei oder
auch dem Militär angehörten. Besorgt, dass eine krebsartige Religion
ihren atheistischen Staat infizieren würde, erklärte Peking im Juli
letzten Jahres Falun Gong zu einem "bösartigen Kult" und verhängte ein
offizielles Verbot.
Dem vollen Gewicht des chinesischen Sicherheitsapparates
gegenüberstehend, hätte Falun Gong einen schnellen Tod erleiden müssen.
Aber anders als Dissidenten, die gelegentlich die Kommunistische Partei
herausfordern, haben die Falun Gong Aktivisten trotz
Massenverhaftungen, Verprügelungen und Todesopfern nicht aufgegeben.
Statt dessen fährt ein harter Kern fort, zu protestieren, wobei jeden
Tag in der Innenstadt von Peking Dutzende festgenommen werden, wenn sie
versuchen, Transparente auszurollen, die die Legalisierung der Gruppe
fordern. Nach einem Jahr haben Falun Gong Anhänger die in 50 Jahren
kommunistischer Herrschaft möglicherweise nachhaltigste Herausforderung
der staatlichen Autorität zustandegebracht.
Pyrrhussieg?
Die Geschichte von Frau Chen ist eine Geschichte von Extremen. Auf
der einen Seite ist die Kommunistische Partei, die so entschlossen ist,
Falun Gong niederzuschlagen, dass sie in einem seit 1989, als eine von
Studenten angeführte regierungsfeindliche Bewegung auf dem
Tiananmen-Platz niedergeschlagen wurde, nicht bekanntem Ausmass Mittel
der inneren Sicherheit ergriffen hat. Der Sieg der Regierung in dieser
Schlacht, falls er eintreten sollte, wäre wahrscheinlich ein
Pyrrhussieg; ihr gewalttätiges Vorgehen hat Millionen gewöhnlicher
Bürger desillusioniert, wie z. B. Frau Chens Tochter, die bis zu den
Ereignissen des vergangenen Jahres unpolitisch war. Es hat auch die
internationale Reputation Chinas in dem Moment geschädigt, in dem China
auf ausländische Hilfe bei vielen drückenden wirtschaftlichen Problemen
angewiesen ist.
Auf der anderen Seite sind Menschen wie Frau Chen, die in ihrer
einfachen und vielleicht naiven Art in der vordersten Reihe eines
Trends stehen, die Freiheiten, die die chinesischen Gesetze und die
Verfassung garantieren, einzufordern. Während viele Falun Gong
Praktizierende einen Kompromiss eingegangen sind, indem sie z. B. im
Geheimen zu Hause praktizieren, sind Tausende öffentlich für ihr Recht
auf Glaubens- und Versammlungsfreiheit eingestanden. "Wir sind gute
Menschen", hat, wie ihre Freunde berichten, Frau Chen den Beamten der
Stadtverwaltung von Weifang gesagt, als sie von ihnen in einer
Betonzelle zwei Tage vor ihrem Tod verhört wurde. "Warum sollten wir
nicht das praktizieren, was wir wollen?"
Die Geschichte der letzten Tage von Frau Chen ist durch Interviews mit
Familienangehörigen, Freunden und Häftlingen, sowie durch zwei Berichte
von Mitinsassen, die in den letzten Wochen aus dem Gefängnis
geschmuggelt worden sind, rekonstruiert worden. Die Originale dieser
Berichte wurden untersucht und Freunden und Verwandten der Verfasser
gezeigt und von diesen als echt bestätigt.
Anschuldigungen über Misshandlungen werden auch durch zwei Dutzend
separater Interviews mit Falun Gong Anhängern in anderen Städten
bestätigt. Diese Anhänger haben unabhängig voneinander ausgesagt, dass
sie auch mit Schlagstöcken und Elektroschockern misshandelt und an
Gitterstäbe gefesselt wurden, damit sie sich von ihrem Glauben
lossagen.
Die lokalen Beamten haben Interviews für diesen Bericht abgewiesen,
während die offizielle Position Pekings gegenüber Anschuldigungen von
Gefängnismisshandlungen ist, dass kein Falun Gong Praktizierender in
Haft misshandelt worden ist. Peking behauptet, dass 35 000 Anhänger
nach Peking gekommen sind, jedoch sicher wieder zurückgeschickt wurden,
wobei nur drei Anhänger durch Unfall ums Leben kamen, als sie zu
fliehen versuchten. Internationale Menschenrechtsorganisationen
berichten, dass es wahrscheinlich ist, dass mindestens weitere sieben
Menschen durch Misshandlung im Gefängnis ums Leben gekommen sind.
"Alles, was sie hätte tun müssen, war, dass sie Falun Gong abschwört,
und sie hätten sie gehen lassen", berichtet Zhang Xueling, die
32-jährige Tochter von Frau Chen. "Aber sie weigerte sich."
Vor drei Jahren hätte Frau Chen wohl kaum geglaubt, dass ihr Leben in
Gefahr wäre, weil sie Falun Gong praktiziert. Sie war 55 Jahre alt und
frühpensioniert worden. Zuvor hatte sie 30 Jahre in einer staatlichen
LKW-Reparaturwerkstatt gearbeitet, wo sie Autoteile herstellte. Als
Frau Chen eines Tages in der Nachbarschaft des einstöckigen
Ziegelsteinbungalows ihrer Familie spazieren ging, bemerkte sie einige
Falun Gong Praktizierende. Da Frau Chen seit 20 Jahren verwitwet war
und ihre Kinder schon erwachsen waren, war sie tagsüber wenig
beschäftigt, so dass sie anfing, regelmässig an den Gruppenübungen
teilzunehmen.
"Meine Mutter hat nie an abergläubische Dinge geglaubt", sagt Frau
Zhang, die selbst nicht Falun Gong praktiziert. "Ehrlich gesagt war sie
damals ziemlich jähzornig, weil sie merkte, dass sie älter wurde und
soviel geopfert hatte, um uns aufzuziehen. Seitdem sie mit Falun Gong
anfing, wurde ihr Gemütszustand viel besser, und sie wurde ein besserer
Mensch. Wir haben sie wirklich unterstützt."
Enthusiastischer Anhänger
Über die nächsten zwei Jahre wurde Frau Chen zu einer enthusiastischen
Anhängerin, die jeden Tag um 4:30 Uhr aufstand, um für 90 Minuten auf
einem kleinen Schotterplatz zusammen mit einem halben Dutzend anderer
Praktizierender zu praktizieren. Nachdem sie tagsüber für ihre Kinder
und Enkelkinder Erledigungen machte, verbrachte Frau Chen die Abende
mit dem Studium der Werke von Herrn Li, dem Gründer der Gruppe, und mit
Diskussionen mit Mitpraktizierenden über seine Konzepte. Diese Konzepte
umfassen traditionelle Moralvorstellungen - gut zu arbeiten, ehrlich zu
sein, niemals Ausflüchte machen - sowie einige aussergewöhnliche
Vorstellungen wie die Existenz ausserirdischen Lebens und getrennte
aber gleiche Himmelsreiche für Menschen verschiedener Rassen.
Schrittweise gewann Falun Gong Anhänger in ihrer Nachbarschaft, dem
Familie Xu Weiler, der Teil eines industriellen Vorortes von Weifang
ist, einer Stadt von 1,3 Millionen Menschen in der ostchinesischen
Provinz Shandong. Der Weiler ist ein staubiges Labyrinth von
pappelgesäumten Dreckstrassen und Bungalows, die von zerbröselnden
braunen Ziegelsteinmauern umgeben sind - ein typisches Dorf, das von
seiner Nachbarschaft verschluckt wird. Bis letztes Jahr hatte sich die
örtliche Gruppe auf 12 regelmässige Mitglieder verdoppelt - kaum die
Riesenorganisation, aber eine regelmässige Erscheinung in der Gemeinde.
Für Frau Chen kam Chinas Entscheidung, Falun Gong zu verbieten, aus
heiterem Himmel. Sie hatte die Artikel und TV-Shows nicht gesehen,
durch die die Gruppierung attackiert wurden, sie verfolgte nicht
aufmerksam, als vor einem Jahr Mitglieder den Sitz der KP in Peking
umzingelten. Der Tag des regierungsamtlichen Verbots war der bitterste
Tag in ihrem Leben, wie ihre Tochter, Frau Zhang sagte. Sie konnte
nicht akzeptieren, dass sie Falun Gong kritisierten und es eine böse
Sekte nannten.
Zu Hause Üben
Obwohl sie kaum lesen konnte und zuvor nie an Politik interessiert war,
widersetzte sie sich dem Verbot. Sie lud Gruppenmitglieder zum Üben zu
sich nach Hause ein und lehnte es ab, ihre Verbindung zur Gruppe zu
leugnen, ebenso wenig wie ihre Liebe zu Herrn Li, den sie respektvoll
´Meister Li` nannte. Dann bekamen im letzten November verschiedene
hochrangige Organisatoren von Falun Gong lange Gefängnisstrafen.
Schockiert schloss sich Frau Chen Tausenden von Mitpraktizierenden an
und reiste nach Peking, wobei sie die vage Idee hatte, gegen die
Regierung zu protestieren. Seit dem Verbot im Juli gingen viele zum
Tiananmen um dort mit gekreuzten Beinen, die Arme als Bogen in der
Luft, zu sitzen, die klassische Anfangshaltung der Falun Gong Übungen.
Soweit kam Frau Chen niemals. Am vierten Dezember, dem Tag nachdem sie
in Peking ankam, lief sie durch den Himmelstempel-Park, als ein Mann
der Staatssicherheit in Zivil sie fragte, ob sie ein Mitglied sei. Sie
antwortete wahrheitsgemäss und wurde verhaftet, sagte ihre Tochter. Sie
wurde zum Pekinger Vertretungsbüro der örtlichen Regierung gebracht,
eine Art von Büro für Lobbyisten mit integriertem Schlafsaal, das
Dutzende von chinesischen Städten und Provinzen in der Hauptstadt
errichtet haben, um ihre Provinzpolitiker unterzubringen, wenn sie
Peking besuchen. Am nächsten Tag unternahmen Frau Zhang und drei lokale
Vertreter der Provinzregierung eine siebenstündige Fahrt nach Peking,
um Frau Chen abzuholen, eine Erniedrigung für die Provinzvertreter, die
wegen schlechter Kontrolle ihrer Leute kritisiert wurden. Frau Zhang
zahlte umgerechnet 60 $, einen Monatslohn, und kehrte mit ihrer Mutter,
die sich beklagte, dass die Polizei 75 $ konfiszierte, die sie bei sich
getragen hatte, heim.
Zeitlich unbegrenzte Verwaltungshaft
Beamte des Chengguan Strassenkomitees (unterste Ebene des chinesischen
Verwaltungssystems) sperrten Frau Chen zur Strafe in ihre Büros, nur
ein paar Meter von ihrer Wohnung weg. Dort blieb sie zwei Wochen in
"administrativer Verwaltungshaft", die der Staat fast unbegrenzt
verhängen kann. Frau Zhang musste nochmals 45 $ für die Unterkunft und
Verpflegung ihrer Mutter aufbringen. Am dritten Januar feierte Frau
Chen ihren 58sten Geburtstag. Obwohl sie dauernd beobachtet wurde, war
sie in Hochstimmung, sagte Frau Zhang. "Sie wusste, dass sie im Recht
war. Sie wollte nur, dass die Regierung aus ihr keine Kriminelle macht,
weil sie wusste, dass sie keine Kriminelle war."
Am vierten Februar, dem diesjährigen chinesischen Neujahrsfest, wurden
Hunderte von Falun Gong Demonstranten in Peking verhaftet und
geschlagen. (Obwohl sie nicht mehr unter Überwachung stand, war Frau
Chen keine von denen.) Die Regierenden in der Hauptstadt waren von
diesem plötzlichen Ereignis wie fassungslos. Am 16. Februar kam der
Chef des Verwaltungsbezirks zu Frau Chen und teilte ihr mit, dass
Peking sicherstellen wolle, dass keine anderen Falun Gong Anhänger nach
Peking gingen, insbesondere da die jährliche Parlamentssitzung in ein
paar Tagen begänne. Er bat Frau Chen um das Versprechen, nicht von zu
Hause weg zu gehen.
"Meine Mutter machte ihnen klar, nicht garantieren zu können, irgendwo
hinzugehen. Sie sagte, sie hätte das Recht, hinzugehen, wohin sie
wolle", sagte Frau Zhang. Die Beamten waren eingeschnappt und gingen
weg.
In Haft genommen
Zwei Tage später fand Frau Zhang bei ihrer Heimkunft sechs Beamte in
ihrem Wohnzimmer vor. Sie sagten, ihre Mutter sei von Informanten
draussen gesichtet worden. Diese Informanten bildeten eine Abteilung,
die die Umgebung durchstöberten, um nach Falun Gong Praktizierenden zu
suchen, die es wagten, ihre Häuser zu verlassen. Frau Chen wurde
verhaftet, und ihre Tochter sah sie nie wieder. Sie wurde einen Tag im
Büro des Chengguan Strassenkomitees festgehalten, aber während der
Nacht gelang ihr die Flucht, wie genau ist nicht klar. Am nächsten Tag
sagten Beamte Frau Zhang, dass Frau Chen verhaftet worden sei, als sie
sich zum Bahnhof begeben wollte. Offensichtlich hoffte sie, nach Peking
zum Petitions- und Beschwerdebüro zu kommen, um für ihre Sache
einzustehen, dieses Büro ist die letzte Hoffnung für Leute, denen man
Unrecht getan hat. Dieses Mal schickten die Funktionäre des KP-Büros
des örtlichen Distrikts sie in ein kleines, inoffizielles Gefängnis,
das vom Strassenkomitee geleitet wird und den Praktizierenden als Falun
Gong Umerziehungsschule hingestellt wurde.
Die dort Festgehaltenen beschreiben es mehr als Folterkammer. Das
Gebäude ist zweistöckig mit einem Hof in der Mitte. In der Ecke des
Hofes ist ein untersetztes einstöckiges Gebäude mit zwei Räumen, wo die
Folterungen stattfanden, verschiedenen Berichten von Häftlingen
zufolge, die diese Gebäude beschrieben.
Noch eine Geldbusse
Während Frau Chen in die Haftanstalt überführt wurde, riefen
Funktionäre bei Frau Zhang an und sagten, dass ihre Mutter gegen eine
Busse von 241 $ entlassen würde. Sie hatte genug von den "Bussen" der
Regierung und sagte, dass ihre Mutter weiterhin auf ihrem Recht
bestünde und dass deren Bussen illegal seien und dass sie sich beim
örtlichen Staatsanwaltsbüro beschweren werde, wenn man ihre Mutter
nicht freiliesse. Sie lehnte eine weitere Forderung am 18. Februar ab
und drohte wiederum mit rechtlichen Schritten, welche sie jedoch nicht
ausführte. Mittlerweile verbrachte Frau Chen eine Nacht im Gefängnis,
wobei sie Schreie hören musste, die aus dem niedrigen Gebäude kamen,
wie ihre Mitinsassen berichteten. Bevor sie hineingeführt wurde, hat
man ihr noch einen Anruf gestattet. Sie rief ihre Tochter am späten
Abend des 18. an und bat sie, ihr das Geld zu bringen. Ungehalten über
den Ärger, der durch die kompromisslose Haltung ihrer Mutter verursacht
worden war, stritt sich Frau Zhang mit ihr. Geb´ nach und komm´ heim,
flehte die Tochter. Die Mutter lehnte ruhig ab. Frau Chens Qual begann
in dieser Nacht. Ein Anhänger, der im Nebenraum des flachen Gebäudes
war, schrieb: "Wir hörten sie schreien. Unsere Herzen wurden gefoltert
und unsere Seelen wurden fast gebrochen." Funktionäre des Chengguan
Strassenkomitees benutzten Plastikknüppel für Waden, Füsse und unteren
Rückenbereich ebenso wie einen Elektroschocker für ihren Kopf und Hals,
Berichten von Zeugen zufolge. Sie schrieen sie immer wieder an, Falun
Gong aufzugeben und Herrn Li zu verfluchen, Aussagen von Zellengenossen
nach.
Der Appell einer Mutter
Am nächsten Tag, dem 19., erhielt Frau Zhang noch einen Anruf. „Bring
das Geld“, sagte man ihr. Frau Zhang zögerte. Ihre Mutter kam an den
Apparat. Ihre normalerweise so starke und zuversichtliche Stimme war
schwach und schmerzvoll. Sie appellierte an ihre Tochter, dass Geld zu
bringen. Frau Zhang bekam ein schlechtes Gefühl und ging mit dem Geld
und einigen Kleidern hin. Aber das Gebäude war von Polizisten umgeben,
die sie ihre Mutter nicht sehen lassen wollten. Misstrauisch, dass dies
eine List sein könnte, um von ihr Geld zu bekommen - und dass ihre
Mutter gar nicht in dem Gebäude sein mochte - lief sie wieder nach
Hause. Eine Stunde später kam ein Praktizierender zu ihr und teilte ihr
mit, dass Falun Gong Anhänger in dem Gebäude geschlagen würden. Frau
Zhang raste mit ihrem Bruder zurück und brachte Obst als eine kleine
Bestechung für die Polizei. Der Eintritt wurde ihr verweigert und das
Geld ebenso abgelehnt. Sie bemerkte eine alte Frau in einem Raum und
schrie zu ihr auf: "Wird meine Mutter geschlagen?" Die alte Frau winkte
mit ihrer Hand um "Nein" zu signalisieren, obwohl sich Frau Zhang
wunderte, ob sie vielleicht versucht haben mag, sie vom Gefängnis
wegzuwinken, weil sie fürchtete, dass sie auch verhaftet würde. Frau
Zhang und ihr Bruder gingen heim und verbrachten eine unruhige,
schlaflose Nacht.
Unbeschränkte Vollmacht
In dieser Nacht wurde Frau Chen zurück in das Zimmer gebracht. Nachdem
sie es wieder ablehnte, Falun Gong aufzugeben, wurde sie geschlagen und
ihr wurden mit einem Elektroschocker Schläge versetzt, Berichten von
zwei Gefangenen zufolge, die den Zwischenfall hörten und einen kurzen
Blick durch die Tür werfen konnten. Ihre Zellgenossen hörten sie die
Funktionäre verfluchen und sagen, die Zentralregierung würde sie
bestrafen, sobald das hier entdeckt worden sei. Aber als Antwort, die
Falun Gong Anhänger in verschiedenen Teilen des Landes zu hören
bekamen, sagten ihr auch die Weifang-Funktionäre, dass die
Zentralregierung ihnen mitgeteilt habe, dass "keine Massnahmen zu
extrem seien", um Falun Gong auszulöschen. Die Schläge gingen weiter
und würden erst dann aufhören, wenn Frau Chen ihr Denken ändert, so
zwei Mitgefangene, die den Zwischenfall mitbekamen.
Zwei Stunden später wurde Frau Chen zurück in ihre Zelle im zweiten
Stock des Hauptgebäudes gestossen, einem ungeheizten Raum mit nur einer
Stahlpritsche als Bett. Ihre drei Zellgenossen versorgten ihre Wunden,
aber sie fiel ins Delirium. Einer ihrer Zellgenossen erinnert sich,
dass sie ´Mammi, Mammi` seufzte. Am nächsten Morgen, den 20., befahl
man ihr, zu joggen. "Ich sah vom Fenster aus, dass sie unter
Schwierigkeiten herauskroch", schrieb ein Zellgenosse in einem Bericht,
den ihr Ehemann herausschmuggelte. Frau Chen kollabierte und wurde
zurück in ihre Zelle geschleift.
Behandlung wurde verweigert
"Ich war aus dem Medizinfach. Als ich sie sterben sah, schlug ich vor,
sie in einen anderen (geheizten) Raum zu verlegen", schrieb eine
Mitinsassin in einem Brief. Statt dessen gaben ihr die
Regierungsfunktionäre "Sanqi", Kräuterpillen für leichtes inneres
Bluten. "Aber sie konnte sie nicht herunterschlucken und spuckte sie
aus." Mitinsassen flehten die Funktionäre an, sie ins Krankenhaus zu
bringen, aber die Funktionäre - die oft die Falun Gong Praktizierenden
kritisierten, weil sie moderne medizinische Behandlung an Stelle ihres
Aberglaubens in die Übungen ablehnen - verweigerten dies, sagten ihre
Zellgenossen. Schliesslich brachten sie einen Arzt, der sie für gesund
erklärte
Der Zellgenosse berichtete aber: "Sie war nicht bei Bewusstsein und
spuckte nur eine dunkelfarbige Flüssigkeit. Wir hielten es für Blut.
Erst am nächsten Morgen bestätigten sie, dass sie im Sterben lag." Ein
Angestellter der örtlichen Behörde für Staatssicherheit, Liu Guangming,
"fühlte ihren Puls und erblasste." Frau Chen war tot. Den Aussagen von
Frau Zhang und ihrem Bruder zufolge gingen an jenem Abend Beamte zum
Haus von Frau Zhang und sagten, dass ihre Mutter krank sei. Die zwei
wurden in ein Auto gebracht und zu einem Hotel, das ungefähr eine Meile
vom Gefängnis entfernt war, gefahren. Das Hotel war von Polizisten
umgeben. Der örtliche Parteisekretär erklärte ihnen, dass Frau Chen an
einem Herzinfarkt gestorben war, aber sie erlaubten ihnen nicht, den
Körper zu sehen. Nach stundenlangen Diskussionen stimmten die Beamten
schliesslich zu, dass sie die Leiche sehen könnten, aber erst am
nächsten Tag, und die Beamten bestanden darauf, dass sie die Nacht in
dem schwer bewachten Hotel verbringen sollten. Die Geschwister lehnten
dies ab, und ihnen wurde zuletzt erlaubt, nach Hause zu gehen.
Ein Sack mit Kleidung
Am 22. wurden Frau Zhang und ihr Bruder zum örtlichen Krankenhaus
gebracht, das auch von Polizei umzingelt war. Sie erinnerten sich, wie
ihre Mutter in traditioneller Totenkleidung aufgebahrt war: sie trug
einen einfachen blauen Baumwollumhang und Hosen. In einem Sack, der
sich in einer Ecke des Zimmers befand, erkannte Frau Zhang die
zerrissenen und blutigen Kleider ihrer Mutter. Die Unterwäsche war mit
Stuhl verdreckt. Ihre Waden waren schwarz. Sechs Zoll lange Streifen
zogen sich über ihren Rücken. Ihre Zähne waren zerbrochen. Ihr Ohr war
geschwollen und blau. Frau Zhang wurde ohnmächtig, und ihr weinender
Bruder fing sie auf.
An jenem Tag stellte das Krankenhaus einen Bericht über Frau Chen aus.
Er sagte aus, dass sie eines natürlichen Todes gestorben war. Das
Krankenhaus lehnt es ab, diese Angelegenheit zu kommentieren. Frau
Zhang befragte die Beamten bezüglich der Kleidungsstücke, die sie
gesehen hatte, aber diese sagten ihr, dass ihre Mutter Stuhl und Urin
nach dem Herzinfarkt nicht mehr kontrollieren konnte und dass das der
Grund sei, warum ihre Kleider mit Stuhl bedeckt waren.
Frau Zhang und ihr Bruder versuchten, ein Verfahren anzustrengen, aber
kein Rechtsanwalt war bereit, den Fall zu übernehmen. In der
Zwischenzeit war die Leiche ihrer Mutter eingefroren worden, bis der
angedrohte Rechtsstreit gelöst war.
Am 17. März erhielt Frau Zhang einen Brief vom Krankenhaus, der
besagte, dass die Leiche ihrer Mutter am gleichen Tag eingeäschert
werden sollte. Frau Zhang rief das Krankenhaus an, um dies zu
verhindern, aber die Angestellten gaben ihr keine klare Antwort und
sagten, dass sie sie zurückrufen würden. Sie riefen nie an. Frau Zhang
sah die Leiche ihrer Mutter nie wieder.

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